zur Navigation zum Inhalt
© Jürgen Fälchle/fotolia.com
In Österreich arbeitet jede zweite berufstätige Frau Teilzeit, aber nur knapp jeder zehnte Mann. Das spiegelt sich in der Vorsorge wider.
 
Praxis 1. April 2014

Einkommensschere bringt Frauen in finanzielle Bedrängnis

IMAS-Studie: Fast 50 Prozent sind Teilzeitarbeiterinnen, aber nur jeder zehnte Mann.

75 Prozent der Österreicher leben in einer Partnerschaft. Geld ist häufig ein heikles Thema. Karenzzeiten und Teilzeitarbeit sind bei Frauen für so manche finanzielle Einbuße verantwortlich. Die Erste Bank präsentiert eine repräsentative IMAS-Studie, für die 500 Telefoninterviews in ganz Österreich durchgeführt wurden.

Die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern ist weiterhin groß: Laut Statistik Austria verdienen Frauen (Jahresbruttogehalt: 18.549 €) rund 40 Prozent weniger als Männer (Jahresbruttogehalt: 30.960 €) was sich vor allem auf die weitverbreiteten Teilzeitanstellungen zurückführen lässt. Während in Österreich beinahe jede zweite berufstätige Frau Teilzeit arbeitet, ist es nur knapp jeder zehnte Mann. Das spiegelt sich auch in der Vorsorge wider: Durchschnittlich legt Frau Österreicher monatlich 158 Euro beiseite. Herr Österreicher kann rund 205 Euro pro Monat auf die hohe Kante legen. Übers Jahr gerechnet sind das mehr als 560 Euro Differenz, die eindeutig aus Einkommensunterschieden resultiert. Frauen wie Männer legen darüber hinaus rund 40 Prozent ihres gesamten Sparbetrages für die Familie zur Seite: Fürs eigene Sparschwein bleiben daher netto bei Männern rund 127 Euro, das der Frauen bleibt mit 100 Euro wesentlich schlanker. Spätestens im Alter macht sich eine minimale Vorsorge bei den Pensionszahlungen bemerkbar, davon sind die Österreicher überzeugt: Ob eine Teilzeitanstellung große Einbußen für die Altersvorsorge bedeutet, beantworten neun von zehn Österreichern mit „Ja“.

Durch die Karenzzeit schrumpft finanzieller Polster

Bei den Karenzzeiten zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. 80 Prozent der Befragten geben an, dass eine berufliche Auszeit von mehr als zwei Jahren negative Auswirkungen auf die Karriere und damit einhergehend auf das Gehalt hat. Zwei Drittel der Männer und auch der Frauen sehen dadurch die finanzielle Vorsorge schrumpfen. „Lassen Sie ihre Finanzen regelmäßig überprüfen, nur so können Sie sich auf alle Eventualitäten einstellen und rechtzeitig vorsorgen“, appelliert Birte Quitt, Vertriebsleiterin der Erste Bank. Positiv ist, dass das Bewusstsein rechtzeitig für die Karenzzeit vorzusorgen, bereits in den Köpfen der Österreicher verankert ist. Denn laut den aktuellen Umfrage-Ergebnissen erachten dies 80 Prozent der Befragen als wichtig. Bei Frauen, die davon stärker betroffen sind, sind es sogar 90 Prozent. „Frauen sollten früh mit ihrer Vorsorge beginnen, idealerweise gleich mit dem ersten Gehalt“, empfiehlt Quitt. Selbst diejenigen, die anfangs nur kleine Beträge zur Seite legen können, vermehren ihr Erspartes effektiver und können am Zinseszinseffekt partizipieren. Wer beispielsweise mit 20 Jahren beginnt, monatlich 50 Euro auf die Seite zu legen, hat mit 30 bei einem Zinssatz von durchschnittlich zwei Prozent bereits 6.473 Euro gespart.

In 75 Prozent der Fälle ist der Mann Hauptverdiener

59 Prozent jener Österreicher, die in einer Beziehung leben, haben streng getrennte Konten. Jedes fünfte Paar verwaltet die gemeinsamen Kosten über ein Gemeinschaftskonto und führt darüber hinaus getrennte Konten. Ebenso viele besitzen nur ein Gemeinschaftskonto. „Am wichtigsten ist, dass man die allfälligen Kosten bespricht und alle Karten offen auf den Tisch legt“, erklärt Quitt. „Auf jeden Fall macht das Sinn, wenn es einen Hauptverdiener gibt“. Dies sind in drei von vier Fällen die Männer. Darüber hinaus sagen 81 Prozent der in Partnerschaft lebenden Frauen, sie können ohne ihren Partner den jetzigen Lebensstandard nicht aufrechterhalten. „Im schlimmsten Fall kann es also zu bösen Überraschungen kommen, wenn man nicht über alle finanziellen Einzelheiten in der Familie Bescheid weiß.“, so Quitt.

„Strenge Rechnung – gute Freunde“ …

… heißt ein bekanntes Sprichwort. Doch wer hat überhaupt den Überblick über die Rechnungen? In zwei von fünf Partnerschaften tragen die Frauen die Verantwortung über die Finanzen im Haushalt und verwalten die gemeinsamen Einnahmen. Ebenso viele teilen sich die Verantwortung mit ihrem Partner. „Nur jede Zehnte überlässt es dem Mann, die partnerschaftlichen Finanzen zu verwalten“, berichtet Quitt. Wird über die gemeinsamen Ausgaben entschieden, sprechen sich zwei Drittel der Österreicherinnen grundsätzlich mit dem Partner ab. 15 Prozent der Frauen verwalten unabhängig von den partnerschaftlichen Finanzen und immerhin sechs Prozent überlassen die Entscheidungen völlig ihrem Partner. „Frauen sind vielfach unabhängig, sei es bei der Karriere oder der Familie. So sollte es auch bei den Finanzen sein“, so Quitt. Und wie empfinden Frauen das bekannte Klischee, Finanzen wären Männersache? Nur jede fünfte Österreicherin ordnet das Thema Geld in den männlichen Kompetenzbereich ein. Gut doppelt so viele (39%) sind der Meinung, dass Finanzen Frauensache sind. 45 Prozent sagen „weder noch“. „Klischees machen vor dem Sparschwein halt – die Teilzeitfalle aber nicht“, warnt Quitt.

Frauen sparen für ihre Kinder

90 Prozent der Österreicher sparen für sich selbst. Frauen legen häufiger Geld für Kinder (61 %) sowie Enkel- oder Patenkinder (26%) beiseite. Männer sorgen häufiger für die Partnerin vor (49%). Das sei gut. „Falls der (Ehe-) Partner der Alleinverdiener im Haushalt ist, verlangen sie vom Partner, auch ihren Sparstrumpf zu füllen“, berichtet Quitt. Sparmotiv Nummer eins ist für die Frau die Zukunftsvorsorge (36%). Die Wohnraumschaffung oder Wohnraumerhaltung liegt mit 28 Prozent an zweiter Stelle danach folgt der Notgroschen (26 %). Sparen für die Kinder schließt bei den Frauen mit 23 Prozent knapp an die ersten drei der Spargründe auf. Bei den Männern zeigt sich in der Reihung der drei wichtigsten Sparmotive kein signifikanter Unterschied. An vierter Stelle rangiert jedoch das Auto bei 15 Prozent der Befragten. Die Kinder folgen mit elf Prozent erst an fünfter Stelle.

Sicherheit steht bei Anlegern im Vordergrund

Traditionell setzen die Österreicher bei ihren Finanzanlagen auf Sicherheit. Rund 80 Prozent der Frauen und Männer besitzen ein (derzeit nieder verzinstes) Sparbuch, jeweils 69 Prozent haben einen Bausparvertrag. Mehr Männer setzen auf Lebensversicherungen und investieren stärker als Frauen in Immobilien und Gold. Aktien, Anleihen und Fonds besitzen 26 Prozent der Frauen und 31 Prozent der Männer. Als beliebtester Ansprechpartner in Geld- und Finanzangelegenheiten gilt bei drei Vierteln der Frauen der Bankberater. 60 Prozent holen sich Rat beim Partner, jede zweite bei anderen Familienmitgliedern. Ebenfalls 75 Prozent der Männer setzen auf ihren Bankbetreuer als erste Anlaufstelle, jeder Zweite seine Partnerin und 46 Prozent informieren sich bei anderen Familienmitgliedern.

Tipps für den Vorsorge-Polster der Frau

• Je früher, desto ertragreicher: Gerade Frauen können laut der IMAS-Studie nicht so viel wie Männer beiseite legen. Daher zahlt es sich aus, am Zinseszinseffekt zu partizipieren und so früh wie möglich – auch wenn es anfangs nur kleine Beträge sind – Geld anzusparen. Über die Jahre kann so ein beachtliches Polster angespart werden.

• Die Vorsorge sollte auf drei Stufen aufbauen: kurz-, mittel- und langfristig. Es sollten rund drei Monatsgehälter für Notfälle frei verfügbar sein. Mittelfristige Anlagen, wie beispielsweise ein Bausparer, eignen sich für später geplante Investitionen in ein Auto oder in die Wohnung. Für die Selbstständigkeit im Alter eignet sich eine private Pensionsvorsorge.

• Die finanzielle Unabhängigkeit steht nicht im Widerspruch zu einer guten Partnerschaft und hat nichts mit Misstrauen zu tun. Vom täglichen Finanz-Leben bis hin zur Vorsorge im Alter sollten beide Partner voneinander unabhängig sein.

• Richtig vorsorgen heißt auch, über die finanzielle Situation Bescheid zu wissen. Besonders wenn mit dem Partner die Finanzen geteilt werden, ist es wichtig, die Karten auf den Tisch zu legen und offen über alle Einnahmen und Ausgaben zu sprechen.

M. Strausz, Ärzte Woche 14/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben