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Praxis 17. März 2014

Wahrheitsgehalt von Web-Informationen

Wissenschaftler möchten eine Methode entwickeln, die in der Lage ist, herauszufinden, wie vertrauenswürdig Inhalte im Internet sind.

Ein internationales Forscherteam arbeitet an ein automatisches Analyseverfahren, das dem Internetnutzer schnell und verlässlich mitteilt, ob er einer gefundenen Information trauen kann oder eher nicht. Testgebiete sind medizinische Informationssysteme und digitaler Journalismus.

„Das Wahrzeichen Londons, das London Eye, brennt.“ Ein Satz wie dieser verbreitet sich über Facebook, Twitter und Co. explosionsartig. Aber stimmt er auch? Die Folgen solcher Falschmeldungen sind unberechenbar – je nach Brisanz des Inhalts ist von Gewaltexzessen bis hin zum Einbruch von Aktienmärkten alles möglich. Die Frage der Vertrauenswürdigkeit von Informationen im Netz stellt sich daher immer dringlicher. Auch jeder, der schon nach Krankheitssymptomen gesucht hat, kennt das Problem. Aber wie misst man den Wahrheitsgehalt von Online-Informationen? Und das schnell genug? Gemeinsam mit seinen internationalen Forschungspartnern aus England, Österreich, der Schweiz, Bulgarien, Spanien und Kenia will der Sprachtechnologe Thierry Declerck von der Saar-Universität hierfür Antworten finden. Die Wissenschaftler arbeiten an einer robusten Methode, die jeweils zuverlässig angibt, wie vertrauenswürdig eine Information ist. Dabei konzentrieren sie sich auf vier Arten problematischer Informationen: die Spekulation, die kontroverse Diskussion, die Fehlinformation und die gezielte Verbreitung falscher oder irreführender Tatsachen.

Eine der größten Herausforderungen hierbei ist die Datenflut. Denn mehrere Tausend Textnachrichten werden jede Sekunde neu eingestellt. Daher wenden die Forscher Methoden an, um große Datenmengen zu verarbeiten, sogenannte Big Data-Analysen. Dabei werden statistische Methoden mit präzisen sprachwissenschaftlichen Analysen verbunden. Die Lösung liegt in der Kombination der verschiedenen Verfahren.

Mehrere Filter verwendet

Computerlinguistische Sprachanalysen werden verknüpft mit Informationen aus sozialen Netzwerken, Inhalte werden mit zuverlässigen Datenbanken abgeglichen, statistisch geprüft und mittels Grafiken ausgewertet. Die Aussage wird gleichsam durch verschiedenste Filter geschickt; am Ende steht eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, die für oder gegen die Wahrheit spricht.

Besonderer Knackpunkt für die Forscher wird die Unbeständigkeit der Wahrheit in unserer realen Welt sein. Was heute wahr ist, kann morgen schon falsch sein. Daher werden die zu überprüfenden Informationen mit den entsprechenden Daten in zuverlässigen Quellen verknüpft wie z. B. Online-Nachschlagewerken wie DBpedia.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der EU mit rund drei Millionen Euro gefördert.

 

Weitere Informationen:

www.pheme.eu; www.coli.uni-saarland.de/page.php?id=projects

innovationsreport.de/KK, Ärzte Woche 12/2014

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