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Praxis 10. Februar 2014

Unterschiede bei Risiko-Ablebensversicherungen

Der VKI testete Risiko-Ablebensversicherungen und empfiehlt Produktvergleiche und jährliche Einzahlungen.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) verglich im Testmagazin Konsument die Jahresprämien von 20 Anbietern von Risiko-Ablebensversicherungen für 20-, 30-, 40- und 50-jährige gesunde Personen (ohne Zusatzrisiken) für eine gleichbleibende Versicherungssumme von 100.000 Euro und eine 20-jährige Laufzeit und hat die Bewertungen der Einstiegsprämien für die vier Altersgruppen in das Gesamturteil einfließen lassen.

Die Kinder sind klein oder stecken mitten in der Ausbildung, der Partner hat ein geringes Einkommen und könnte sich die Miete der Wohnung allein praktisch nicht leisten. Der Kredit fürs Haus läuft noch auf Jahre – es gibt verschiedene Szenarien, die (Fast)-Alleinverdienern schlaflose Nächte bereiten, weil sie ihren Partner und weitere Angehörige im Fall ihres Todes unversorgt wähnen. Mit einer (Risiko-)Ablebensversicherung lässt sich zumindest die finanzielle Seite abfedern. Die Versicherung wird für eine bestimmte Laufzeit abgeschlossen, in der dem Versicherungsnehmer das Risiko besonders hoch erscheint. Darüber hinaus vereinbart man mit dem Versicherer eine bestimmte Versicherungssumme, die im eigenen Todesfall ausbezahlt wird. Wie hoch diese ist, hängt vom persönlichen Bedarf ab; je höher die Versicherungssumme, desto höher auch die Prämie.

Höhere Prämien bei gefährlichen Berufen und Risikosportarten

„Bis vor einiger Zeit war die Auswahl relativ einfach. Man suchte sich die günstigste Prämie, denn versichert war ohnehin immer dasselbe, das eigene Ableben.

Mittlerweile ist das aber zu wenig, um zuverlässig die optimale Prämie zu finden“, berichten die Konsumentenschützer. Der Markt habe sich „diversifiziert“, das Angebot ist vielfältiger geworden. Vor allem kalkulieren die Versicherer jetzt unterschiedlicher – etwa, was Zusatzrisiken betrifft.

Bei den meisten Anbietern zahlen Raucher gut das Doppelte an Prämie, im Fall der Basler Versicherung sogar noch mehr: Ein 30-jähriger Raucher müsste dort bei einer Laufzeit von 20 Jahren und einer Versicherungssumme von 100.000 Euro rund 233 Euro pro Jahr zahlen, während er als Nichtraucher mit rund 98 Euro versichert wäre.

Bei anderen Anbietern spielt es eine geringere Rolle, ob jemand Raucher oder Nichtraucher ist (bei der Interrisk etwa beträgt die Prämie für ein und denselben Modellversicherten 93,40 Euro für Raucher und 71,70 Euro für Nichtraucher).

Die Grazer Wechselseitige hingegen unterscheidet nicht zwischen Rauchern und Nichtrauchern, sondern zwischen Gesunden und weniger Gesunden. Ähnliches gilt für Zusatzrisiken, wie gefährliche Hobbys (Motorradfahren, Drachenfliegen, Canyoning) sowie für Berufe mit erhöhtem Todesfallrisiko, wie etwa bei Dachdeckern und Spenglern, Gerüstbauern, Industriekletterern oder auch Skitourenführern und Free-Climbing-Instruktoren. „Nicht bei allen Versicherern gibt es dafür Zuschläge, daher ist es umso wichtiger, ein Versicherungsvergleichsprogramm mit dem eigenen Profil zu füttern oder einen unabhängigen Makler zurate zu ziehen“, empfiehlt der VKI.

Meistens spielt der allgemeine Gesundheitszustand eine bedeutende Rolle. Bei Vorerkrankungen, die über das gängige Maß hinausgehen, wird es überhaupt schwierig, einen Vertrag zu bekommen. Bei Versicherungssummen bis zu 150.000 Euro und einem Alter bis zu 50 Jahren ist es normalerweise ausreichend, die Gesundheitsfragen im Antrag wahrheitsgemäß zu beantworten. Darüber hinaus verlangen manche Versicherer ein ärztliches Attest. Auch müssen zum Gesundheitszustand korrekte Angaben gemacht werden. „Hier darf nichts verborgen werden, sonst kann dies im Fall der Fälle zu einer Leistungsfreiheit des Versicherers führen“, warnen die Konsumentenschützer.

Mit den unterschiedlichen Prämien zwischen Frauen- und Männer-Tarifen ist es schon mehr als ein Jahr vorbei: Seit Dezember 2012 gelten auch bei der Ablebensversicherung die sogenannten Unisex-Tarife, nach denen das Geschlecht des Versicherten bei der Prämienhöhe keine Rolle mehr spielen darf.

Dafür haben sich die Bandbreiten zwischen Jung und Alt vergrößert: Die Prämienangebote für Jüngere um die 30 Jahre sind günstiger geworden, ältere Versicherte müssen dafür deutlich tiefer in die Tasche greifen. Wichtig ist allerdings zu wissen: Mit Ausnahme der drei Testsieger (Europa Lebensversicherung, Interrisk und Dialog Lebensversicherung), die in allen Alterskategorien günstig abschnitten, kann es bei den anderen Anbietern zu günstigen oder weniger günstigen Tarifen kommen, je nach dem um welche Altersgruppe es sich handelt. Die Grazer Wechselseitige zum Beispiel konnte bei den 50-jährigen Einsteigern mit einem durchaus günstigen Angebot punkten, lag aber bei den jüngeren Altersklassen eher im hinteren Mittelfeld. „Sehen Sie sich daher genau an, wer für Ihre Risikofaktoren und in Ihrer Altersklasse das beste Produkt im Talon hat“ empfehlen die Konsumentenschützer.

Unterschiedliche Prämienangebote

Der VKI hat für seinen Test auch anonym Offerte bei den einzelnen Anbietern eingeholt. Die Prämien unterscheiden sich oft ganz massiv von den Angeboten, die die Versicherer in der offiziellen Rückmeldung an das Testmagazin „Konsument“ gemacht haben. So hat die Allianz einer 30-jährigen Testperson eine Jahresprämie von 126 Euro angeboten, auf Konsument-Anfrage wurde hingegen eine deutlich günstigere Prämie von 101 Euro angeboten.

Bei der Helvetia gab es ebenfalls große Preisunterschiede: Dem anonymen Tester wurde eine Prämie von 130 Euro angeboten, den Konsumentenschützern gegenüber betrug die Prämie 104,50 Euro.

Auch bei der Uniqa gab es große Unterschiede: Die anonyme Testerin erhielt ein Prämien-Angebot von 121,73 Euro, offiziell nannte man 98,30 Euro. Bei der Wiener Städtischen und der s-Versicherung klaffen die Prämien ebenfalls auseinander, allerdings deutlich geringer. Dazu befragt, gaben die Versicherer an, dass es sich bei den offiziellen Rückmeldungen um Angebote ohne bzw. mit sehr geringen Provisionen (sogenannte Direktions- oder Schalterpolizzen) handle. „Wir raten daher allen Abschlusswilligen, sich auf die günstigeren Angebote zu beziehen und über die Höhe der Provisionen zu verhandeln“.

Obwohl Risiko-Ablebensversicherungen an sich kein komplexes Produkt sind, schätzen die Kunden häufig die persönliche Beratung, um nicht auf entscheidende Aspekte zu vergessen. „Besonders wichtig dabei: Lassen Sie sich kein anderes Lebensversicherungsprodukt unterjubeln, wenn Sie „nur“ eine Ablebensversicherung brauchen“, warnt der VKI. Bei den anonymen Anfragen ließen sich mehrere Versicherer dazu hinreißen, trotz eindeutiger Frage nach einer reinen Risiko-Ablebensversicherung andere Lebensversicherungen zu empfehlen, etwa (deutlich teurere) Er- und Ablebensversicherungen oder eine „Zukunftsvorsorge“. Besonders negativ tat sich die Wüstenrot hervor, wo dem anonymen Tester zwar vier unterschiedliche Versicherungs-Produkte empfohlen wurden, darunter aber keine einzige Ablebensversicherung.

Online-Angebote und Jahresprämien günstiger

Wenn Sie genau wissen, was Sie brauchen, können Sie übrigens auch über die Online-Angebote (nicht in den Testergebnissen berücksichtigt) zu einem günstigen Angebot kommen ERGO Direkt und die Hannoversche Leben würden mit Jahresprämien von rund 71 Euro bzw. 58 Euro für einen 30-Jährigen im VKI-Vergleich weit vorne landen, nur der Testsieger Europa war mit 52 Euro noch günstiger. „Und vergessen sie nicht, unbedingt Jahresprämien zu vereinbaren“, empfiehlt der VKI. Auch wenn mehrere Hundert Euro Prämie beim ersten Blick nach viel aussehen, erspart man sich damit jede Menge Geld. Bei monatlicher Zahlweise werden bis zu fünf Prozent draufgeschlagen. Das sind, beispielsweise bei einer Jahresprämie von 500 Euro, Jahr für Jahr 25 Euro, die man so verschenkt. Effektiv entspricht das – gerechnet nach der internen Zinsfußmethode - einem Zinssatz von 10,2 Prozent. Beim VKI-Test schnitt übrigens die s-Versicherung, Kärntner Landesversicherung und HDI am schlechtesten ab.

M. Strausz, Ärzte Woche 7/2014

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