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Praxis 14. Februar 2014

Gemeinde findet online neuen Hausarzt

Internetsuche ....

Immer öfter wird die Suche nach einem Nachfolger für Hausärzte zum Drama ohne Happy End. Im badischen Müllheim ist das anders. Die Gemeinde hat sich online präsentiert – und fand einen neuen Hausarzt.

Auf dem Marktplatz haben sie sich getroffen – allerdings auf dem virtuellen. Dem Allgemeinarzt Dr. Michael Jacobs aus Müllheim im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist gelungen, was immer weniger seiner Kollegen schaffen: Er hat einen Nachfolger gefunden.

Entdeckt hat Kevin Ortlieb (34) „seine“ Praxis im Internet. Unter www.perspektive-hausarzt-bw.de hat der Landeshausärzteverband einen Internetauftritt konzipiert, der als „Informations-, Service- und Motivationsplattform“ dienen soll. Sie zielt zum einen auf Medizinstudierende und Ärzte in der Weiterbildung aus dem ganzen Bundesgebiet. Zum anderen bietet sie Gemeinden, die einen Hausarzt suchen, die Möglichkeit, sich zu präsentieren.

Die Gemeinde Müllheim, ein Mittelzentrum mit rund 18.000 Einwohnern, ist eine von bisher rund zehn Kommunen, die diese Option nutzen. Der Landeshausärzteverband hofft, dass bis Mitte des Jahres etwa 40 Kommunen ihre digitale „Visitenkarte“ auf der Webseite hinterlassen. „Wir werden weiter versuchen, die Kommunen anzusprechen“, berichtet Verbandschef Dr. Bertold Dietsche. Im Fall der Gemeinde im Markgräflerland passte beides zusammen: Ein junger Arzt auf der Suche nach einer Niederlassungsmöglichkeit und das Angebot der Gemeinde.

Der neue Hausarzt Kevin Ortlieb stammt aus der Region und hat auch im Studium in Freiburg nie den Kontakt zur Heimat abreißen lassen. Bereits in der Weiterbildung hat er gezielt auf der Web-Plattform nach Praxen im Markgräflerland gesucht.

Mit wenigen Klicks konnte er sich dort über Gemeinden, die einen Hausarzt suchen sowie über Praxen, den Hausarzt und das Praxisteam informieren, sagt Ortlieb.

Halteprämien sind „illusionär“

Der Landeshausärzteverband setzt auf junge Hausärzte wie Kevin Ortlieb, die sich aus eigener Motivation in einem Sprengel niederlassen. Verbandschef Dietsche bezeichnet es als „illusionär“, zu glauben, man könne junge Hausärzte durch „Halteprämien“ oder andere Instrumente an eine bestimmte Region binden.

Der Verband setzt darauf, Medizinstudierende früh für die Allgemeinmedizin zu interessieren. Etwa durch ein Blog, in dem angehende Hausärzte über ihre Erfahrungen im Praxisjahr berichten. Oder durch die „Schwarzwälder Winterschool Allgemeinmedizin“. Das dreitägige Programm ab dem 19. Februar rund um allgemeinmedizinische Themen wird von Dozenten des Lehrbereichs Allgemeinmedizin der Uni Freiburg gestaltet. Gewinnen will der Hausärzteverband den Nachwuchs – aber auch Fachärzte, die derzeit keine ärztliche Tätigkeit ausüben. 400 dieser Kollegen gebe es allein in Südbaden, berichtet Dietsche.

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