zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 24. Jänner 2014

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

IBAN und BIC: Laut einer IMAS-Umfrage wissen die Österreicher über die SEPA-Umstellung gut Bescheid.

Obwohl die EU die SEPA (Single Euro Payments Area)-Umstellung von Februar auf August 2014 verschoben hat, sind die Österreicher laut einer aktuellen IMAS-Umfrage bereits gut über BIC und IBAN informiert: 80 Prozent der Bürger kennen das Umstellungsdatum 1. August 2014 (ursprünglich 1. Februar 2014). Allerdings sind die damit einhergehenden Vorteile – schneller, sicherer, günstiger – weniger bekannt. Die eigene IBAN (International Bank Account Number) kennt demnach bereits jeder vierte Österreicher.

„Die international gültigen Kontodaten sind ein großer Pluspunkt, denn Überweisungen werden dadurch schneller, günstiger und sicherer“, betont Jean-Yves Jacquelin, Spezialist für den europäischen SEPA-Zahlungsverkehr in der Erste Bank. Weiters ist Jacquelin der österreichische Vertreter in EPC-Coordination Committee und Sparkassenvertreter in der Europäischen Sparkassenvereinigung in Brüssel.

Zwei Drittel der Österreicher können auf Nachfrage einen oder mehrere Vorteile der Umstellung nennen, jeder Dritte weiß allerdings keinen einzigen Vorteil von IBAN und BIC (Bank Identifier Code). Im Detail sehen die Ergebnisse der von Erste Bank und Sparkassen in Auftrag gegebenen IMAS-Umfrage wie folgt aus: 55 Prozent der Bürger wissen, dass Euro-Überweisungen in der EU nur noch einen Bankgeschäftstag dauern. 44 Prozent haben davon gehört, dass die Kosten für Auslandsüberweisungen ident sind wie im Inland und ein Drittel (34 Prozent) gibt an, dass Fehlüberweisungen dadurch vermieden werden. Herumgesprochen hat sich der Stichtag der Umstellung. Bereits acht von zehn Österreichern wissen über die Umstellung von Kontonummer und Bankleitzahl auf IBAN und BIC per 1. August 2014 (ursprünglich 1. Februar 2014) Bescheid. Elf Prozent haben schon davon gehört, kannten aber das genaue Datum nicht und neun Prozent tappen völlig im Dunkeln.

Bereits 25 Prozent der Österreicher kennt ihren persönlichen IBAN. Rund zwei Drittel der Bevölkerung kennt diese nicht, glaubt allerdings zu wissen, wo sie diese ausfindig machen kann. Die deutliche Mehrheit der IBAN-Nichtkenner (47 Prozent) würde ihre internationale Kontonummer zunächst auf der Bankomatkarte suchen, gefolgt von Kontoauszug (neun Prozent), Online Banking Portal (fünf Prozent) oder Bankberater (drei Prozent). „Die IBAN ist einzigartig. Versuchen sie nicht, diese selbst zusammenzubasteln, fragen sie besser in der Bank oder beim Zahlungsempfänger direkt nach“, ergänzt Jacquelin. IBAN und BIC befinden sich auf Kontoauszügen, Konto- bzw. Bankomatkarten sowie im persönlichen Online-Banking-Portal im Internet.

Verlängerung der SEPA-Fristen auf 1. August

Seit mehr als vier Jahrzehnten sind die Österreicher daran gewöhnt, bei ihren Bankgeschäften den Geldempfänger über seine Kontonummer und die Bankleitzahl (BLZ) ihrer Bank zu identifizieren. Ab Februar hätte das Geschichte sein sollen. Da sollte auch im Inland die wegen ihrer scheinbaren Kompliziertheit als „IBAN der Schreckliche“ bezeichnet, gelten. Anfang Jänner wurde die Galgenfrist für die Umstellung um ein halbes Jahr verlängert, teilte die EU-Kommission mit. „Ich bedaure die Entscheidung, wir wollten aber verhindern, dass es zu Unterbrechungen im Zahlungsverkehr kommt“, erklärte der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier.

Jacquelin zeigte sich überrascht von der am 10. Jänner verkündeten Verlängerung der SEPA-Fristen auf den 1. August 2014: „Meine Befürchtung ist, dass wir in einem halben Jahr genau dort stehen, wo wir heute sind“. Aktuell seien nur etwa 50 Prozent der Betriebe innerhalb der Europäischen Union SEPA-fit. Gerade in großen Zahlungssystemen wie in Deutschland und Frankreich verlief die Umstellung bisher sehr schleppend. „Wir können daher die Entscheidung der EU-Kommission grundsätzlich nachvollziehen“.

Allerdings hätten in Österreich viele Betriebe über Weihnachten aktiv an der Umstellung gearbeitet. Diese Unternehmen würden jetzt dafür bestraft, dass sie viel Energie in eine rechtzeitige Umstellung investiert haben. Daher appelliert die Erste Bank die Kunden mit Hochdruck weiterzuarbeiten und die SEPA-Umstellung jetzt nicht aus den Augen zu verlieren. Alle Unternehmen, die noch nicht mit der Umstellung begonnen haben, sollten diese schnell vorantreiben. „Wir hoffen zudem, dass die EU-Kommission die Frist nicht noch einmal verschiebt. Glaubwürdige Fristen sind dringend notwendig, um ein so umfangreiches Projekt europaweit durchsetzen zu können“, so Jacquelin zur zeitlichen Verschiebung.

Merkhilfe für bis zu 34 Zeichen

Dass sich an den Befürchtungen der Konsumenten – Fehlüberweisungen durch Tippfehler – etwas ändert, ist allerdings zu bezweifeln. Kaum jemand werde sich die IBAN-Codes, die in Österreich 20 Stellen lang sind und in manchen Ländern bis zu 34 Zeichen umfassen, merken können, so die Angst vor der Umstellung. Dabei sind Überweisungen in andere EU-Länder schon seit längerer Zeit nur noch mit IBAN und BIC möglich – zu größeren Verwirrungen hat dies nicht geführt.

Im Endeffekt wird sich kaum etwas ändern: Statt Bankleitzahl und Kontonummer wie bisher getrennt anzugeben, werden sie nun zu einer Kennzahl zusammengeführt. Vorangestellt werden dieser Zahl ein zweistelliger Ländercode („AT für Österreich) und eine zweistellige Prüfzahl, mit der Fehlüberweisungen durch Tippfehler ausgeschlossen werden sollen. Daher sieht auch die Österreichische Nationalbank keine Probleme. Im Dezember wurden demnach bereits die Hälfte aller Lastschriften und 60 Prozent aller Überweisungen SEPA-konform abgewickelt.

Ziel des EU-Projektes im SEPA-Gebiet (28 EU-Länder, Liechtenstein, Norwegen, Island, Monaco, Schweiz) ist die Schaffung einer einheitlichen Region für bargeldlose Zahlungen in Euro. Die Kunden sollen keinen Unterschied zwischen inländischen und grenzüberschreitenden Zahlungen mehr erkennen können. Darum soll ab August die Angabe des BIC auch bei Auslandsüberweisungen im SEPA-Gebiet nicht mehr notwendig sein.

Scan & Pay: Geld überweisen mit Fingertipp

Jeder zweite Österreicher (53 Prozent) tätigt Überweisungen hauptsächlich mittels Beleg, beispielsweise per Zahlschein am Schalter oder am Selbstbedienungsgerät, gefolgt von Überweisungen via Netbanking (35 Prozent). Telefonbanking, Mobile Banking oder EPS Online spielen eine noch untergeordnete Rolle (4%).

Das Potenzial für Mobile Banking ist allerdings groß. Denn der Smartphone-Besitz steigt massiv an – von 43 Prozent 2011 auf 61 Prozent 2013. „Das Ausfüllen einer Zahlungsanweisung ist mühsam – mit der Scan&Pay Funktion nehmen wir das dem Kunden ab“, sagt Jacquelin.

Erste Bank und Sparkassen starteten bereits im April 2013 mit der Scan&Pay-Funktion. Damit können Zahlungsanweisungen einfach gescannt und ins Netbanking übertragen werden. Mit der Kamera des Smartphones wird entweder der gesamte Zahlschein oder ein darauf vermerkter QR-Code ausgelesen und die Empfängerdaten und der Zahlungsbetrag im Netbanking automatisch übernommen. Auch die Selbstbedienungsgeräte in den Filialen können QR-Codes erfassen und zur Verarbeitung weiterleiten. Durch den QR-Code sind Ausfüllfehler ausgeschlossen. Erste Bank und Sparkassen bieten an, Daueraufträge sowie alle im Netbanking hinterlegten Vorlagen automatisch auf die internationale Kontonummer des Empfängers umzustellen. Voraussetzung ist, dass von der Bank des Empfängers die IBAN gemeldet wird. Der Kunde braucht nichts zu tun, die Daten werden zentral eingespielt. Für Unternehmer bietet die Erste Bank einen IBAN-Konvertierungsservice an.

IBAN und BIC

IBAN ist eine international normierte und einheitliche Darstellung der Kontonummer und der Bank. Die IBAN wurde vom europäischen Komitee für Banken-Standards (ECBS) entwickelt, um die Auftragsabwicklung im europäischen Zahlungsverkehr zu vereinfachen. Mit der IBAN wird für Auslandszahlungen eine einheitliche, strukturierte Angabe der Kontoverbindung erreicht.

Beim BIC (Bank Identifier Code) handelt es sich um eine von der SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) festgelegte international gültige Bankleitzahl. Da der BIC von der SWIFT vergeben wird, bezeichnet man ihn oftmals auch als SWIFT-Code.

M. Strausz, Ärzte Woche 5/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben