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Praxis 13. Jänner 2014

Finanzmarktausblick 2014

An der Wiener Börse ist 2014 ein zweistelliger Kursanstieg möglich.

Der Wiener Aktienindex (ATX) verzeichnete im Vorjahr mit einem Plus von sechs Prozent eine klar schlechtere Entwicklung als die internationalen Börsen, hat aber für 2014 deutliches Aufholpotenzial. Auch für die Zentral- und Osteuropäischen (CEE)-Länder sind die Erste Analysten optimistisch.

Das globale Umfeld ist noch klar positiv, viele etablierte Märkte konnten eine meist zweistellige Kursentwicklung verzeichnen. Österreichische Aktien sollten generell von höherem Wachstumsdifferenzial der CEE-Länder profitieren. „Jedenfalls signalisieren die Fakten wie Gewinnwachstum, Kurs/Gewinn-Verhältnis, Dividenden- und Gewinnrendite als wesentliche Triebfedern Aufholpotenzial für die Wiener Börse. In Summe sollten wir bis Ende 2014 eine leicht zweistellige positive Performance im ATX sehen“, so Fritz Mostböck, Leiter des Bereichs Group Research der Erste Group. Der Schwachpunkt des geringen Handelsvolumens konnte etwas verbessert werden, einzelne Kapitalmarkttransaktionen wirken unterstützend. Am Jahresende 2014 prognostizieren die Analysten einen ATX-Stand von rund 2.750 Punkten.

Wirtschaftliche Unwägbarkeiten und Bedeutung der Fed

Aktien haben sich weltweit als Investment infolge des Niedrigzinsumfelds geradezu aufgedrängt, dennoch gibt es globalwirtschaftlich gesehen noch viele unvorhersehbare Einflüsse. Das internationale Bild ist differenziert, viele große, etablierte Märkte konnten eine deutlich positive Kursentwicklung verzeichnen. Die niedrigen Zinsen provozieren mangels Investitionsalternativen eine generell positive Aktienmarktentwicklung. „Die niedrigen Zinsen begünstigen natürlich risikoreichere Veranlagungen, das dahinter liegende konjunkturelle Gerüst hält aber oft mit der Aktienentwicklung nicht mit“, stellt Mostböck fest. Dennoch hinkt die Wiener Börse bis dato hinterher. „Die Liquiditätsbereitstellung der Notenbanken ist nach wie vor hoch, eine schrittweise Verlangsamung von Wertpapierkäufen der US-Nationalbank Fed gilt als bedeutende Einflussgröße für das Jahr 2014.

Immo-Aktien, Versicherungs- und selektiv Industriewerte

„Das anhaltende Niedrigzinsumfeld bevorzugt Immobilienaktien, die einerseits mit stabil günstigen Finanzierungskonditionen kalkulieren können und andererseits von der langsam einsetzenden Konjunkturerholung profitieren sollten“, erklärt Günther Artner, Leiter CEE Sector Research. Die Analysten der Erste Group bevorzugen in diesem Sektor Immofinanz und S Immo. Versicherungsaktien wurden 2013 einerseits durch einmalige Ergebniseinflüsse (Vienna Insurance Group) bzw. eine Kapitalerhöhung (UNIQA) im Kurs zurückgeworfen. Beide sind allerdings auf aktuellen Niveaus attraktiv bewertet. Zusätzlich sind an der Wiener Börse derzeit Industriewerte wie die RHI, die aufgrund der Probleme in Norwegen im Kurs stark korrigiert hat, und AT&S, wo die Ergebnissituation zuletzt deutlich positiv überraschen konnte, zu empfehlen. Die OMV bietet eine attraktive Bewertung und Dividendenrendite und eignet sich damit als Blue Chip Investment.

CEE-Ausblick 2014

Die Analysten der Erste Group erwarten, dass das BIP-Wachstum in den CEE7-Ländern (Tschechien, Ungarn, Kroatien, Polen, Rumänien, Slowakei und Serbien) von den für 2013 geschätzten 0,9 auf 2,2 Prozent im Jahr 2014 wachsen wird. „In dieser Region sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) doppelt so stark, wie im Euroraum wachsen. Und was noch wichtiger ist: Das Wachstum wird ausgewogener und damit nachhaltiger verlaufen. Tatsächlich wird 2014 das erste Jahr seit Beginn der Krise sein, in dem die Investitionen in allen Ländern steigen werden“, erklärt Juraj Kotian, Head of CEE Research der Erste Group. Die Fiskaldefizite werden weiter sinken und die Leistungsbilanzsalden unter Kontrolle bleiben, so die Schlussfolgerung der Erste-Analysten. Außer Kroatien und Serbien sollten alle CEE-Länder 2014 in der Lage sein, das Maastricht-Limit für das Fiskaldefizit in Höhe von drei Prozent des BIP einzuhalten.

Ungarn und Rumänien konnten vergangenen Sommer das Defizitverfahren beenden. Das Verfahren gegen Tschechien und die Slowakei wird voraussichtlich dieses Jahr eingestellt. Die Slowakei wird vor einer Aufhebung von der Europäischen Kommission wohl aufgefordert werden, weitere Details über zukünftige Konsolidierungspläne bekannt zugeben. Polen hat noch ein weiteres Jahr vor sich, wird 2014 aber wegen außerplanmäßiger Einnahmen aus der Übernahme eines Staatsanleihenportfolios von offenen Pensionsfonds einen Budgetüberschuss verzeichnen.

In vielen CEE-Staaten befinden sich die Zinsen auf Rekordtiefständen. Vor dem Spätsommer wird es auch kaum zu Zinsanhebungen kommen. Einzelne Zentralbanken könnten bis dahin sogar ihre außerordentlich lockere Geldpolitik weiter fortsetzen.

Der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist in CEE-Anleihen bereits weitgehend eingepreist, womit die Auswirkungen auf die Finanzierungsbedingungen der CEE7-Länder marginal bleiben dürften. Man habe den Eindruck, dass die Reduktion der Wertpapierkäufe durch die US-Zentralbank Fed sehr kontrolliert verlaufen wird, da die Fed bestrebt sein wird, einen übermäßigen Anstieg der US-Renditen zu vermeiden, um die laufende Konjunkturerholung nicht zu gefährden. „Damit ist auch das Aufwärtsrisiko für Renditen von CEE-Anleihen begrenzt. Wir erwarten daher für nächstes Jahr nur eine sehr moderate Ausweitung der Renditen um 20 bis 70 Basispunkte“, erklärt Juraj Kotian.

Analyse ausgewählter Länder

Kroatien: Nach Einschätzung der Analysten wird die Reaktion der kroatischen Regierung auf die Fiskalziele der Europäischen Kommission einen wesentlichen Einfluss in Bezug auf den Rating-Ausblick, die Finanzierungskosten, Strukturreformen und eine vorsichtigere Ausrichtung der Fiskalpolitik haben. Man hofft, das Defizitverfahren wird eine gewisse Konsolidierung erzwingen, daneben aber auch – was noch wichtiger ist – zu konstruktiven Strukturreformen und einem ausgewogenen Verhältnis zwischen einer höheren Steuerbelastung und den erforderlichen permanenten Ausgabenkürzungen führen.

Tschechien: Zu den wichtigsten Ereignissen 2014 zählt das Ende der Fiskalrestriktionen, die maßgeblich für die Rezession im Zeitraum von 4. Quartal 2011 bis 1. Quartal 2013 verantwortlich waren. Die voraussichtlich heiklen Themen wie Steuern werden „auf später“ verschoben, was zu Spannungen in der Regierung führen könnte.

Ungarn: Die „unorthodoxe“ Politik der ungarischen Regierung wird vermutlich auch 2014 die wichtigste Einflussgröße darstellen. Ein bedeutendes Ereignis sind die im Frühjahr 2014 stattfindenden Parlamentswahlen. Jüngsten Umfragen zufolge kann davon ausgegangen werden, dass die derzeitige Regierung an der Macht bleibt. Allerdings schließen Erste Group-Analysten nicht aus, dass es nach den Wahlen zu einer Straffung der Fiskalpolitik kommt, um sicherzustellen, dass das Defizit nächstes Jahr unter 3 Prozent des BIP bleiben wird.

Polen: Polen mit einem historisch tiefen und stabilen Zinsniveau erlebt nun die zweitlängste diesbezügliche Periode seiner Geschichte. Der bisher längste Zeitraum mit stabilen Leitzinsen – 19 Monate in Folge – wurde während der Krisenjahre 2009 bis 2010 verzeichnet. Im Basisszenario erwarten die Analysten die erste Zinsanhebung für das letzte Quartal 2014. Bleibt die Inflation niedrig, könnten die Zinsen jedoch noch länger stabil bleiben. Damit es zu einem historischen Rekord für stabile Leitzinsen kommt, müsste der Zinssatz bis März 2015 unverändert bleiben, was möglich ist, sofern das nicht-inflationäre Umfeld anhält. Dies wäre auch die längste Periode mit dem niedrigsten kurzfristigen Zinssatz (3M WIBOR) der Geschichte.

M. Strausz, Ärzte Woche 1/3/2014

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