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© Stefan Seelig/Wiener Ärztekammer
Schnitzlers Bühnenstück „Reigen“ bot für Mlenek zahlreiche zeichnerische Anknüpfungspunkte, wie z.B. „Der schöne Engel“.(5)

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Leben 22. September 2017

Sinnlich, erotisch & zerbrechlich

Hannes Mlenek.In seinen künstlerischen Arbeiten beschäftigt sich Hannes Mlenek überwiegend mit der Erforschung des menschlichen Körpers. Eine Auswahl aktueller Werke ist noch bis 13. Oktober in der Wiener Ärztekammer zu sehen.

In den Bildern von Hannes Mlenek offenbart sich zunächst eine archaische Kraft. Oft nur wenige Striche sind dafür notwendig, die den menschlichen Körper in unterschiedlichsten Graden zwischen konkret und abstrakt darstellen. Dann aber treten auch die erotischen und zärtlichen Komponenten hinzu. Und das ist überhaupt kein Widerspruch, denn schließlich geht es um nichts weniger als die Gesamtheit des Seins. Im Mittelpunkt steht der Mensch, die Figur. Als übrig gebliebenen Renaissancemenschen bezeichnet Galerist Manfred Lang den Künstler Hannes Mlenek: „Er will’s wissen – was hinter der Figur ist, was den Menschen ausmacht – das Sinnliche, der Eros und auch das Zerbrechen.“

Die Themen kommen in Wellen

Innerhalb dieser übergeordneten Obsession kommen die Themen zu Mlenek in Wellen – in der Kunst und im Leben. Meist schwelt eines längere Zeit eher unbemerkt drinnen vor sich hin, bis die Glut zum lodernden Feuer entfacht wird und seine volle Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Dann malt und zeichnet er sich in vielteiligen Serien daran ab. Im Zentrum steht immer der Körper, sein Körper, den er mit seinen gezeichneten Linien auf der klein- bis auf der überdimensionalen Leinwand zerlegt, neu zusammen und in Beziehung setzt. Keine vorgefertigten Geschichten, sondern Versuche der Antwort auf das Innen und Außen. Die eigene Emotion und Reflexion soll damit auch beim Betrachter angestoßen werden.

Emotion und Verstand gehen bei Mlenek eine durchaus spannungsgeladene Beziehung ein. So weisen die eher stark abstrahierten Bilder mit ihren kräftigen Linien, die die Körperlichkeit in Fragmenten immer noch klar erkennen lassen, ein hohes Maß an Sinnlichkeit auf. Gleichzeitig gibt ihr Schöpfer mit dem Titel ganz konkrete Assoziationseinladungen an den Betrachter. „Gegen die Normierung“ heißt es da aufmüpfig oder auch schlicht „Entbrannt“ und „der lange Weg des Kopffüßlers“ macht thematische Stationen in „Zugewandt“, in der „Menage à trois“ und bei „Sayonara“. Dazu stellt Mlenek auch ganz klar fest: „Ich möchte wesentlich weniger empfunden, als gelesen werden.“

Das jeweilige Präsentationsumfeld ist für den 1949 in Wr. Neustadt geborenen zeichnenden Maler eine wesentliche Inspiration. Für das räumlich kompakte Veranstaltungszentrum in der Wiener Ärztekammer sind es folgerichtig kleine Formate, die Mlenek in Zusammenarbeit mit Manfred Lang und Karin Arnfelser ausgewählt hat. Sie entstammen zwei Serien, wovon die eine auf die hocherotische Geschichte des „Reigen“ von Arthur Schnitzler Bezug nimmt. Immerhin: Dr. Arthur Schnitzler. Im bürgerlichen Beruf Arzt.

Der menschliche Körper als „Spielfeld“

Der menschliche Körper jedenfalls ist Mleneks „Spielfeld“, wie er selbst sagt. Von den früheren Inhalten, die politisch und gesellschaftskritisch geprägt waren und noch Geschichten erzählten, blitzt nur sporadisch ein Rest durch. Jetzt geht es um Beziehungen, um die Spannungsfelder zwischen den Geschlechtern, auch um das eigene Älterwerden als Mann. In Serien umkreist Mlenek sein jeweiliges Thema, zwei, drei Jahre lang dauert das. Einmal waren es „Initiationsbilder“, die durchwegs auf schwarzem Hintergrund gemalt wurden, dann „Physical Dynamics“ oder „Kopffüßler“, bei denen Kopf/Geist und Geschlecht in unmittelbaren Zusammenhang gesetzt wurden.

Mit vielen Skizzen als Grundlage, wobei jeder Körperteil zunächst seine mehr oder weniger gleichbleibende Form behält. Standardbauteile, die Mlenek immer wieder neu zusammensetzt. Und die Bilder wurden immer größer – weil die Einzelbilder nebeneinander gehängt zusätzlich an Spannung gewinnen, weil er gedanklich für museale Ausstellungsräume arbeitet, weil er in den öffentlichen Raum geht und damit mehr öffentliche Beachtung findet, aber auch, weil im Atelier mehr Platz zur Verfügung stand und weil Hannes Mlenek von Statur und Energie ein beträchtliches Ausbreitungs- und Aktivitätsbedürfnis hat.

Malen in diesen Größenordnungen ist auch kraftintensive, körperliche Arbeit. Grenzen werden dabei in jeder Hinsicht jedes Mal neu ausgelotet. Und mit dem neuen Arbeitsraum in einem der Bildhauerateliers in der Wiener Krieau mit einer Raumhöhe von acht Metern lassen sich die Grenzen weiter hinausschieben.

Aus der Fläche in den Raum

Kein Bildhauer im klassischen Sinn ist Mlenek, der nach einem kurzen Hineinschnuppern an der Akademie der bildenden Künste in Wien, seinen Weg ziemlich autonom ging. Aber ein Künstler, der zunehmend auch aus der ursprünglichen Beschäftigung mit der Fläche in den Raum strebt. So bespielte er mit seinen Installationen als 11 x 2,5 Meter große Fahnen die Michaelerkirche, stellte im Museumsquartier 18 x 3 Meter große freistehende „Transforming Walls“ mit Durchgangstüren auf oder bemalte für Paulus Mankers Wagnerprojekt Böden und Decken. Insgesamt 360 Quadratmeter. Gemalt wird da mit Walze an der Teleskopstange und hineingezeichnet mit dem Ölstift. Im Leopold Museum platzierte er eine mehrere Meter hohe Zeichenhand aus Acryl, die scheinbar mitten im Begriff war, die Wände mit den Mlenek’schen Figuren zu füllen. „In situ“. Skizzen, wie hingeworfen. Oder die Rauminstallation und Malerei zum Performance Projekt Medusa* in New York.

„Er will es einfach wissen“, bekräftigt Manfred Lang und empfiehlt: „Man muss mitgehen: Das Gesamtkunstwerk erspüren, erahnen, herausholen. Denn Hannes Mlenek ist ein wirklich großer Zeichner.“

Wie bei allen Ausstellungen in der Veranstaltungsreihe „Medizin & Kunst“ in der Ärztekammer für Wien gehen 30 Prozent des Verkaufspreises an ein Sozialprojekt. Diesmal fiel die Entscheidung auf ein medizinisches Projekt in Tanzania.

Ausstellung

Hannes Mlenek: „Körperlichkeiten“ Bis 13. Oktober 2017 Ärztekammer für Wien

Veranstaltungszentrum 1., Weihburggasse 10-12

www.aekwien.at

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