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© M. Amini
Hassan Hayatbakhsh
 
Leben 1. September 2017

„Sehr emotionale Begegnungen“

Interview. Der Gründer des Bbanga-Projects, Hassan Hayatbakhsh, begann mit nur einem Patenkind, nun betreut seine NGO 32. Alle Kinder und Jugendliche in der Obhut der Hilfsorganisation können mit ihren Pateneltern videofonieren.

Sie könnten sich das Leben erheblich leichter machen, indem Sie bei einer bereits etablierten Organisation andocken. Warum wollten Sie ein eigenes Projekt auf die Beine stellen?

Hayatbakhsh: Das Projekt in Uganda war in dieser Form gar nicht geplant. Ich begann Gideon, unser erstes Patenkind, zu unterstützen, damit er nicht mehr fischen musste, sondern eine Schule besuchen konnte. Als immer mehr Freunde nachfragten, ob sie mitmachen und anderen Kindern helfen könnten, entstand die Idee mit dem Projekt. Kalangala in Uganda ist leider eine ziemlich verlassene Insel, was gemeinnützige Organisationen angeht. Natürlich wäre es einfacher, an einer bereits etablierten Organisation anzudocken, aber ich wollte eine NGO schaffen, die nicht nur maximale Transparenz bietet, sondern auch die Distanz zwischen Europa und Afrika auflöst.

Zum Beispiel ermöglichen wir es, dass unsere Patenkinder mit ihren Pateneltern videofonieren. Diese Begegnungen sind meist sehr emotional.

Was sind die größten Unterschiede, woran mangelt es am meisten, und was können wir hier im reichen Österreich von den Menschen im bitterarmen Kalangala lernen?

Hayatbakhsh: In Kalangala mangelt es den Menschen an allen Ecken und Enden: notwendige Medikamente, Kliniken, Arbeit, ordentliche Infrastruktur, transparente Behörden, gute Schulen und qualifizierte Lehrkräfte. Das sind viele Faktoren, die das Leben der Menschen, die hauptsächlich in der Fischerei tätig sind, erschweren. Den meisten Österreichern fällt jedoch bei einem Besuch der Insel Kalangala auf, dass die Bewohner trotz ihrer Armut lächeln und gastfreundlich sind.

Wie läuft die Abstimmung unter den Hilfskräften, gibt es Reibungspunkte mit anderen Nichtregierungsorganisationen oder arbeitet jeder autonom?

Hayatbakhsh: Wir vernetzen uns immer mehr mit anderen Organisationen, da alle an einem Strang ziehen müssen, um nachhaltige Verbesserungen zu erreichen. Was nutzt ein perfektes Bildungssystem, wenn in dem Bereich der Gesundheitsversorgung noch massive Probleme wie HIV vorhanden sind? Konkreter gesagt: Wie schwer fällt es den Kindern, Bildung ernst zu nehmen, wenn zum Beispiel ihre Eltern HIV-positiv sind?

Neben der beruflichen Tätigkeit Spenden zu organisieren und Hilfseinsätze zu fahren, ist aufreibend. Auch für Mitarbeiter von großen Organisationen. Wie geht es Ihnen nach einem Einsatz?

Hayatbakhsh: Abends und an Wochenenden am Bbanga-Project zu arbeiten, ist mittlerweile Teil meiner Freizeit. Das Lächeln der Kinder reicht mir als Belohnung. Die Bedeutung meiner Arbeit wird mir erst in Uganda richtig bewusst. Die Einsätze selbst fallen mir leicht, aber die Kinder in Uganda zurückzulassen und nach Europa heimzukehren, das ist eine andere Sache. Die Emotionen bleiben die gleichen, auch nach vier Jahren. Heute fällt es mir aber einfacher zu reflektieren – ich kann meine Gedanken und Gefühle besser beobachten und beschreiben. Ich verstehe mehr und habe aufgehört, Mitleid oder Wut zu verspüren.

Was fasziniert Sie an der Begegnung mit unbekannten Kulturen?

Hayatbakhsh: Dass diese mir immer wieder aufs Neue zeigen, wie viele ungeahnte Lebens- und Denkweisen es zu entdecken gibt.

Näheres Infos unter +43 699 10705910

Spendenkonto „Bbanga-Project“: IBAN: AT16 2011 1826 3946 9200,BIC: GIBAATWWXXX


Mit Hassan Hayatbakhsh hat Martin Křenek-Burger gesprochen

, Ärzte Woche 36/2017

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