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Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist
 
Leben 18. August 2017

Was vom Urlaub bleibt!

Während sich die einen wieder auf ihre Patienten freuen, wünschen sich die anderen wieder zurück auf die Ferieninsel.

Wieder einmal weicht die kollektive Gelassenheit der kollektiven Unzufriedenheit darüber, dass die Gelassenheit vorbei ist. Saß man vor Kurzem noch gemütlich in einer griechischen Taverne, ließ sich die Sonne auf und den Ouzo in den Bauch scheinen, erinnert nur noch die ungesunde Bräune an die Auszeit.

Dennoch lässt sich der Erholungseffekt des Urlaubes auch in den Herbst hinüberretten. Man kann im Kleinen anfangen und sich ein Foto der Taverne als Hintergrundbild auf sein Smartphone laden. Das ist ein kleiner optischer Anker, der im grauen Alltag das Urlaubsfeeling wieder in die Seele zu zaubern vermag. Andere Anker wären eine mitgebrachte Flasche Olivenöl, das man sich noch ein paar Wochen in den Salat träufeln kann oder eine mitgebrachte Flasche Ouzo, den man sich ins Frühstücksmüsli träufeln kann, um besser gelaunt in die Arbeit zu stapfen. Wer es wörtlich nimmt, kann natürlich auch einen mitgebrachten Anker als Anker nehmen. Obwohl das vielleicht etwas komisch aussieht, wenn man im Krankenhausflur einen Anker hinterher schleift. Letztlich kann man natürlich auch den Griechischen Tavernenwirt nach Hause mitnehmen. Allerdings blüht ihm dasselbe Schicksal, wie dem Urlaubsfeeling und nach ein paar Wochen verblasst auch der stolzeste Grieche.

Ein Kollege hat mir ein gutes Hausmittel verraten: In dem Moment, wo er Sehnsucht nach Griechenland bekommt – fährt er einfach wieder hin. Natürlich braucht man dazu ein gut gefülltes Portemonnaie, viel Tagesfreizeit, wenig Familie und Kollegen, die die Wochenenddienste freiwillig übernehmen. Doch er zieht es durch, pendelt zwischen den Welten, fühlt sich bereits als halber Grieche und plant, bei der nächsten Griechenlandkrise eine kleine Insel zu kaufen. Kreta etwa. Ob er glücklich ist? Wer weiß, er sieht zumindest so aus. Und er ist deutlich gebräunter als seine blassen Kollegen aus dem Untertagbau der Klinik. Selbst im Dezember.

Worauf auch immer die Wahl fällt – auf den Ouzo, den Tavernenwirt oder Kreta – die meisten entscheiden sich für keine dieser Optionen, sondern fürs Lamentieren. Darüber, dass nicht nur das Wetter hier schlecht ist, sondern auch all die Kollegen, die Patienten, die Politiker und die in unserem Land herumlungernden griechischen Tavernenwirten. Dabei kann man sich den Alltag mitunter genauso schön gestalten, wie einen Strandtag. Denn ob ein Tag am Strand oder ein Tag im All genießenswert ist, entscheidet man zum Glück immer noch selbst, das wusste schon Karl Valentin („Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch“).

So wünsche ich allen Daheimgebliebenen, den Wiedergekehrten, aber auch den im September-erst-Wegfahrenden nicht, dass die Sonne im Krankenhaus, der Ordination, am Strand oder aus dem Hintern scheint. Sondern das Gefühl, sie täte es – unabhängig vom Wetter. Willkommen daheim.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

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