zur Navigation zum Inhalt
© ilbusca / Getty Images / iStock
Die Wiener Hof- und spätere Staatsoper ist seit Jahrhunderten ein symbolbeladenes Ornament.
 
Leben 28. Februar 2017

Auch Mahler war kein Revoluzzer

Kulturgeschichte. Die Staatsoper ist ein Symbol der Hochkultur, fern des Alltags. Und auch wieder nicht: Wiener Musikforscher untersuchten die Einflüsse der Politik und die Rücksichtnahme der Kulturschaffenden auf Politik, vom Ende der liberalen Ära bis zur Wiedereröffnung.

„Das Interessante ist“, sagt Prof. Christian Glanz, „dass ausgerechnet im Wien des 19. Jahrhunderts auf die Oper als Mittel politischer Kommunikation verzichtet wurde.“ Zu einer Zeit, in der Verdi in Italien und Wagner in Deutschland klangmächtig Visionen beschreiben, herrscht in Wien schöpferische Stille. Die Hofoper lebt, aber sie schöpft aus dem Repertoire Mozarts, Glucks und der italienischen Komponisten. Und der Kaiser findet ohnedies nur am Radetzkymarsch Gefallen.

Dennoch lautet der Titel des vom FWF geförderten Projekts am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung „Eine politische Geschichte der Oper in Wien, 1869 bis 1955“ ( www.iwk.ac.at/oper ).

Entscheidend ist das Jahr 1897: Karl Lueger wird Bürgermeister und mit ihm etablieren sich Massenparteien und Populismus; „Alt-Wien“ wird gegen „Neu-Wien“ in Stellung gebracht; die autochthone Wiener „Kultur von Grund“ wird als Antithese zur höfischen Hochkultur propagiert; im Reichsrat bringt Ministerpräsident Kasimir Felix Badeni seine Sprachverordnungen für Böhmen und Mähren ein, was prompt zu Straßenschlachten, und – Gustav Mahler wird zum Hofoperndirektor berufen. Der setzt als seine erste Premiere am 4. Oktober 1897 Friedrich Smetanas „Dalibor“ aufs Programm. Ein Stück, dessen Protagonist sich gegen König, Adel und Polen stellt und die Bauern unterstützt. Künstlerisch ein Erfolg und von der Kritik wohlwollend aufgenommen, ist es politisch eine Erregung. Medial getragen und verbreitet durch das „Deutsche Volksblatt“, die „Deutsche Zeitung“ und die „Reichswehr“, die darin eine „Versklavung der Hofoper“ erkennen will.

Doch bleibt die Hofoper, auch unter Mahlers Leitung, eine Hofoper. Finanziert aus der Privatschatulle des Kaisers, mehr Ornament als Ort der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Gegenwart. „Interessant ist wie die Oper nach 1945 positioniert wurde“, sagt Glanz. „Der Wiederaufbau des Gebäudes wurde von offizieller Seite mit dem Wiederaufbau Österreichs gleichgesetzt. In den USA wurden Gelder dafür mit dem Argument eingeworben, dass sie Österreich von Deutschland abgrenze.“ Die Oper als symbolbeladenes Ornament.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben