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Vintage Vorarlberg: Disziplinierungsmaßnahmen sollten die Durchflussgeschwindigkeit der Skiläufer an die schnelleren Lifte anpassen. Schmale abgetrennte Wartebereiche zwangen die Wartenden in Zweierreihen auf leicht abschüssigem Terrain. Bildpostkarte Ris
 
Leben 7. Februar 2017

Winterfrische in Vorarlberg

Wie der Wintertourismus alpine Täler in Vorarlberg geprägt hat, dokumentieren Umwelthistorikerin Verena Winiwarter, Wissenschaftlerin des Jahres 2013, und der Humanökologe Robert Groß. Anhand dreier Skigebiete wurden die Auswirkungen des Skisports auf Naturraum, Gesellschaft, regionale Wirtschaft und Menschen zwischen 1920 und 2010 nachgezeichnet.

Das Versprechen einer kollektiven Winterfrische macht die Alpen ökologisch verletzlich. Der Wintertourismus verwandelt alpine Täler in Industrieflächen. Das zeigt ein vom Wissenschaftsfonds FWF gefördertes Forschungsvorhaben über die Entwicklung des Wintertourismus im 20. Jahrhundert unter Leitung der Umwelthistorikerin Verena Winiwarter. Winiwarter: „Umweltgeschichte muss jene gesellschaftlichen Bereiche in den Fokus nehmen, die großen Einfluss auf die jeweilige Umwelt haben. Diese Kräfte unterscheiden sich von Region zu Region, von Land zu Land. Für die Umweltgeschichte Österreichs müssen wir den Tourismus untersuchen, der die heimische Landschaft – neben Land- und Forstwirtschaft – ganz intensiv als Ressource nutzt.“

Als der Wintersport noch ein exklusives Vergnügen war, kam er der Land- und Forstwirtschaft nicht in die Quere. Um 1920 arbeiteten die Bewohnerinnen und Bewohner zumeist in der Alm- oder Elektrizitätswirtschaft, der Holzgewinnung oder im Warentransport (Säumerei). Der erste Schlepplift Österreichs wurde 1937 in Lech am Arlberg errichtet. Ab den 1950er-Jahren wurden viele Lifte mit günstigen Krediten im Rahmen des Marshallplans gebaut. Für die Infrastruktur rundum mussten die Gemeinden tief in die Taschen greifen. Als in den 1970er-Jahren die Naturschutzbewegung aufkam, wurden Pisten zu gesellschaftlichen Reibungsflächen.

„Wir erkennen im Wintertourismus eine Industrielandschaft, die nach Kriterien der Effizienz bebaut wird, wobei das Produkt ‚Touristische Zufriedenheit‘ heißt“, sagen Winiwarter und Humanökologe Robert Groß. Mit immer höherem Einsatz von finanziellen Mitteln, natürlichen Ressourcen, Menschen und Maschinen wird die Effizienz der Skitourismus-Technosphäre erhöht.

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