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© Jan-Peter Kasper/Universität Jena FSU-Fotozentrum
Laborkolben mit Wasserlinsen: Diese zwergwüchsigen Wasserpflanzen könnten künftig als neue Proteinquelle für die menschliche Ernährung dienen.
 
Leben 20. Jänner 2017

Kleine Linse, große Wirkung

Ernährung. Entenlinse wird in Asien gern gegessen und auch im Westen werden die Pflanzenwinzlinge laut Ernährungswissenschaftlern aus Jena wegen ihres hohen Proteingehalts noch groß rauskommen.

Die Entenlinse, Wolffia globosa, benannt nach einem deutschen Arzt der Barockzeit und nicht nach dem Tier, ist eine wurzellose Wasserpflanze, die in stehenden Gewässern lebt. Wenn sie blüht und sie sehen das, dann haben sie Adleraugen, denn Wolffia ist winzig. Und diese zwergwüchsige Wasserpflanze könnte „durchaus als Proteinquelle für die menschliche Ernährung dienen“. Das sagt Prof. Dr. Gerhard Jahreis von der Universität in Jena. Nicht von ungefähr würden Wasserlinsen „grüne Maschinen“ genannt, sagt der Ernährungswissenschaftler.

Der Eiweißgehalt sei vergleichbar mit Lupine, Raps oder Erbsen, er liege bei 30 Prozent der Trockenmasse. Außerdem enthielten die Pflanzenwinzlinge wertvolle Omega-3-Fettsäuren wie Stearidonsäure und Alpha-Linolensäure. Mögliche Einsatzgebiete der Linsengewächse seien die beliebten Smoothies und Gebäck, das glutenfrei produziert werde.

„Die Wasserlinsen vermehren sich rasch, benötigen aber keine zusätzlichen Anbauflächen“, sagt PD Dr. Klaus Appenroth von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Angesichts schwindender Ackerflächen sei das ein enormer Vorteil gegenüber Soja. Bereits seit Jahrtausenden würden Wasserlinsen in asiatischen Ländern wie Thailand, Kambodscha und Laos auf dem Speiseplan stehen. Appenroth hat als Pflanzenphysiologe beinahe sein gesamtes Forscherleben den Zwerglinsen gewidmet und eine umfangreiche Sammlung verschiedener Wasserlinsengewächse angelegt. Er verweist besonders auf die vielversprechende Art Wolffia globosa – ein Individuum ist nur 0,7 bis 1,5 mm groß – die in Asien als Suppe, Gemüsebeilage oder Omelette auf den Tisch kommt.

In ihren Herkunftsländern werden die Zwerglinsen nicht kultiviert, sondern einfach von den Gewässern geerntet. Erste Versuchsanlagen stehen bereits in Israel und Holland. Einen Vertreter der Gattung Wolffia gab es einst in Österreichs Natur, Wolffia arrhiza. Heute ist die kleinste Blütenpflanze Europas hierzulande vermutlich ausgestorben ( bit.ly/2jQqKRY ).

Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 4/2017

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