zur Navigation zum Inhalt
© Drobot Dean / fotolia.com
Je früher sich Jungmediziner mit wissenschaftlichem Schreiben befassen, umso mehr Karrierechancen eröffnen sich ihnen.
 
Leben 20. Jänner 2017

Was, warum, wer, wann, wo, wie?

Thema abstecken, Hypothese formulieren, Literatur recherchieren, Quellen exzerpieren: Das Abfassen wissenschaftlicher Werke stellt Jungmediziner vor Herausforderungen.

Wissenschaftliche Texte zu verfassen, ist ein Kernbestandteil jeder Tätigkeit im wissenschaftlichen Betrieb. Die Arbeiten halten neue Forschungsergebnisse fest, berichten über den Status quo von Projekten und dienen dem Austausch bzw. der Diskussion in der Scientific Community. Gerade (Jung-)Mediziner stehen vor der Herausforderung, Publikationen zu produzieren und somit erfolgreich in die medizinische Forschung einzusteigen.

Umso hilfreicher ist es, sich eine strukturierte Arbeitsweise anzueignen und sich die wichtigsten Kriterien des wissenschaftlichen Arbeitens stets vor Augen zu halten. Wissenschaftliche Texte basieren auf klaren Methoden, ihre Quellen müssen belegt werden. Es bedarf sowohl der Genauigkeit bei der Auswertung des Materials als auch eines kritischen und seriösen Umgangs mit jeder Art von wissenschaftlicher Literatur oder anderen Quellen – sei es aus dem Internet, von Audio- oder Videoquellen. Zudem schränkt eine fachspezifische Terminologie die Leserschaft von einer breiten Masse auf eine Fachgruppe ein.

Welche Frage will ich beantworten?

Häufig ergeben sich konkrete Fragen, etwa: Wie komme ich zu einer Forschungsfrage, und was macht eine gute Forschungsfrage aus? Wie baue ich eine wissenschaftliche Arbeit strukturiert auf? Welche Forschungsmethoden passen zu meinem Thema? Was ist ein Plagiat? Und wie kann ich es vermeiden?

Jeder wissenschaftliche Prozess beginnt mit einem Problem. Ein Problem ist im weitesten Sinne immer die erkannte Diskrepanz zwischen einem Soll- und einem Ist-Zustand. Anhand der Forschungsfrage – es können auch mehrere sein – wird das Thema präzisiert und untersuchbar gemacht. Es können mehrere Probleme definiert werden, die anschließend eingegrenzt werden. Als Hilfestellung dienen unter anderen Visualisierungstechniken wie etwa eine Mindmap.

Im Idealfall sind die Fragen:

- inhaltsoffen,

- konkret,

- potenziell zu beantworten,

- trennscharf (Definitionen werden berücksichtigt).

Zudem lassen sie sich bestenfalls durch folgende Fragetypen (sogenannte W-Fragen) formulieren:

- Was: Gegenstandsbestimmung;

- Warum: Gründe, Ursachen, Zweck, Ziel;

- Wer: Zielgruppen, soziale Gruppen, Personen;

- Wann: Entwicklung, Zeit, Verlauf;

- Wo: Verortung, Verbreitung und Geltungsbereich;

- Wie: (Gegen)Maßnahmen, Art und Weise.

Eine Zuspitzung des Forschungsfeldes ermöglicht sowohl die Strukturierung der Arbeit als auch eine zielführende Literaturrecherche: Welche Quellen sind in dem Forschungsfeld unabdingbare Werke? Welche neuen Erkenntnisse gibt es dazu? Und wo tun sich möglicherweise Erkenntnislücken auf? Prinzipiell gilt: Je klarer und exakter die Fragen das Thema abstecken (und auch dezidiert festmachen, welche Teilaspekte eventuell nicht behandelt werden), umso besser lässt sich im Anschluss das gesamte Paper bearbeiten.

Forschungsfragen können im Laufe des Projekts immer wieder konkretisiert, fokussiert, weiter eingegrenzt und revidiert werden. Basierend auf der Forschungsfrage, definiert sich schließlich die wissenschaftliche Hypothese, also eine Annahme über einen bestimmten Verhalt. Diese muss falsifizierbar bzw. verifizierbar formuliert sein.

Suche nach Tags und Keywords

Zur Literaturrecherche gibt es unterschiedliche Strategien, anhand derer das Forschungsfeld aufgearbeitet werden kann. Je nach Bedarf und Vorwissen bieten sich verschiedene Zugänge an. Wenn beispielsweise der Autor in dem Themenfeld schon bekannt ist, bietet sich die formale Suche nach Verfasser, Titel und Jahr an. Werden inhaltlich neue Inputs gesucht, ist eine Suche nach Kategorien, Tags, Thesauri bzw. Keywords zu empfehlen. Bei Mehrdeutigkeiten von Ober-und Unterbegriffen (z. B. „Attraktivität“) kann eine hierarchische Suche die gewünschten Ergebnisse bringen.

Die realistische Einschätzung von Zeitabläufen beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit sehen zwar viele als Nebensache an, kristallisiert sich jedoch oft als zentrale Herausforderung heraus. Im Groben lässt sich das wissenschaftliche Schreiben in drei Phasen einteilen:

1. Vorbereitung und Erkundung,

2. Strukturierung und Schreiben,

3. Reflexion.

In der Vorbereitungs- und Erkundungsphase werden das Thema abgesteckt, die Forschungsfrage formuliert sowie eine wissenschaftliche Hypothese definiert. Steht dieses erste Grobgerüst, geht es an die Strukturierung. Dabei sind die zielgerichtete Literaturrecherche sowie das strukturierende Lesen unumgänglich. Essentiell ist, die Quellen von Anfang an zu systematisieren und zu exzerpieren. Dies hat viele Vorteile, denn der Inhalt des Textes wird dadurch klarer, Quellen müssen nicht wiederholt gesichtet werden, und es werden Unterlagen erstellt, mit denen man effizient am tatsächlichen Text weiterarbeiten kann.

Der exzerpierte Text besteht aus Stichworten, der weitere Schritt ist die erste Ausformulierung der Stichworte in ganze Sätze. Der so entstehende Text stellt eine Erstfassung dar, die in späteren Arbeitsphasen überarbeitet und ergänzt wird.

Um den Ablauf weiter zu strukturieren, ist es hilfreich, sich Meilensteine zu setzen. Der Zeitpunkt dieser Kontrollpunkte sollte realistisch gesetzt werden, um ein Aufschieben zu verhindern. Somit ist das Projekt „Verfassen eines wissenschaftlichen Textes“ auch zeitlich gut strukturiert und übersichtlich machbar.

Dr. Katharina Resch ist Head of Lifelong Learning Projects and Corporate Programs am Postgraduate Center der Universität Wien.

Katharina Resch

, Ärzte Woche 4/2017

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben