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Liebe lieber ungewöhnlich: Für Heidi Klum spielt der Altersunterschied von 13 Jahren zu ihrem Freund Vito Schnabel keine Rolle. Und womit? Mit Recht.

 
Leben 9. Jänner 2017

Zwischen Taubenfüttern und Toyboy-Liebhaber

Lust aufs Alter. Der Traum von der ewigen Jugend besteht schon lange. Doch welchen Preis ist man bereit dafür zahlen? Statt sich jünger zu machen, sollte man sich mehr um ein würdiges Alter bemühen. Zu sich und seiner Hinfälligkeit zu stehen ist die Lehraufgabe des Anti-Aging.

Die wunderbare Idee besteht seit Jahrtausenden: Das Alter verhindern, das Altern verzögern, den Jungbrunnen finden. Die Medizin hat durch die Synthetisierung des Östrogens durch Carl Djerassi (1923 bis 2015) einige Jahre Frauen Hoffnungen machen können, dass sie jung bleiben. In der Tat ist eine heute sechzigjährige Frau einer vierzigjährigen vor wenigen Jahrzehnten oft gleich. Filmschauspielerinnen, Sängerinnen und Models wie Madonna, oder Heidi Klum gehen Beziehungen zu jungen Männern ein, in denen sie keinesfalls lächerlich wirken.

Jugendliche Liebhaber

Die Bezeichnung „toyboy“, die diesen Männern gegeben wird, ist in diesem Zusammenhang unpassend. Es ist eben gerade nicht die Beziehung zwischen der „alten“ Frau und ihrem jugendlichen Liebhaber, sondern es sind durchaus angemessene Beziehungen, die lediglich den Rahmen des Gewohnten sprengen.

Allerdings muss die Frage gestellt werden, ob ewige Jugend anstrebenswert ist und welchen Preis der/die Einzelne dafür zu zahlen hat. Dies beginnt bei der Hormonbehandlung, setzt sich bei der kosmetischen Chirurgie fort und hat naturgemäß große Auswirkungen auf die alltägliche Lebensführung.

In meinem Buch „Lust aufs Alter“, habe ich salopp formuliert: „Es vereinen sich die Todesangst der Patienten mit der Geldgier der Ärzte. Daraus entstehen im schlimmsten Fall Empfehlungen und Anordnungen, sowie Behandlungen, die nicht gerechtfertigt erscheinen.“ Denn in der Tat ist der einzige statistisch valide Einflussfaktor auf das Älter- und Krankwerden die finanzielle Lage. Reichere ernähren sich besser, achten besser auf sich, sind seltener dick, bewegen sich mehr und gehen eher zum Arzt.

Wie werden wir alt?

So weit wir Aufzeichnungen aus vergangenen Jahrhunderten haben, können wir sagen, dass das immer schon so war. Damals mag es auch noch mit dem besseren Eiweißangebot des Adels zusammengehängt haben (Jagderlaubnis nur für den Adel), aber Wohlhabenheit war und ist der wichtigste Faktor, wie man alt wurde und wird.

Bewegung und Nächstenliebe

Meine Bücher zum Alter sind im Grunde positiv. In dem ersten, das den Übergang ins Alter beschreibt, weise ich darauf hin, dass als Anti-Aging verwendet werden kann:

1. Bewegung

2. Nächstenliebe und

3. Beitragsleitung zur Verbesserung des Lebens Aller.

Im „Lust aufs Alter“ bin ich noch weitergegangen: Es gibt dort einige Empfehlungen zur persönlichen Lebensführung:

1. Werden Sie unwichtig – bemühen sie sich, nicht „wichtig“ zu sein.

2. Beachten Sie die ABG Regel:

a. Bekämpfen Sie die Ängstlichkeit des Alters. Sie kommt von selbst und schadet ihnen und der Umgebung.

b. Unterdrücken Sie Besserwisserei: Warten Sie bis man Sie um ihre Lebenserinnerungen fragt. Halten Sie ungefragte Kommentare („Aus meiner Erfahrung“) zurück.

c. Seien Sie großzügig: Geiz macht hässlich und verkrampft. Geben Sie, soweit Sie können, mit warmer Hand, dann gibt’s auch keine Erbstreitigkeiten.

3. Zusätzlich denken Sie daran: Sorge und Schmerz kommen ungefragt zur Tür des älterwerdenden Menschen herein. Sorgen sind sinnlos, der Alte hat nichts mehr zu fürchten, als den Tod und – da dieser unausweichlich kommt – ist er nicht zu fürchten. Schmerzen können heute so weit gelindert werden, dass sie zu ertragen keine Heldentat mehr sind.

Statt sich jünger zu machen, sollte man sich mehr um ein würdiges Alter bemühen. Die Situation der Alten in einer Gesellschaft, die die Jugend bevorzugt (vor allem in überalterten Gesellschaften) ist schwer. Sich da als jung auszugeben, scheinbar leicht. Zu sich und seiner Hinfälligkeit zu stehen ist die Lehraufgabe des Anti-Aging.

Forever-young Ideologie

Betrachten wir das Alter ohne Furcht und den Tod als Teil des Lebens wird beides leicht. Jeder Moment ist schon gewesen und es gibt keine neue und keine zweite Chance. Sie können sie nicht noch einmal einholen indem sie Ratschläge geben und den Jungen auf die Nerven fallen. Stattdessen ist die „forever-young Ideologie“ zu bekämpfen, die den Alten das Gefühl gibt hässlich und unnötig zu sein. Stolz ist das Leben leicht und freudig zu genießen, an nichts festzuhalten und den Tag ebenso wie das Leben verstreichen zu sehen.

Bücher von Peter Scheer:

1. Lust aufs Alter. Unkonventionelle Gedanken über das Älterwerden, Falter, Wien, 2016

2. Taubenfüttern ist nicht genug. Warum Älterwerden Spaß macht. Metro, Wien, 2012


Peter J. Scheer

, Ärzte Woche 1/2/2017

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