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Ein großes Wagnis: Blick in die von Jasper Sharp kuratierte Ausstellung „Joseph Cornell – Fernweh“, 2015
© (4) KHM-Museumsverband

Ausstellungsansicht „Lucian Freud“ 2013 im Kunsthistorischen Museum Wien.

Moderne Kunst unter historischem Gewölbe: Ron Mueck, Man in a Boat 2002

 
Leben 5. Juli 2016

Das Besondere wagen

Ein Risiko eingehen, um etwas Außergewöhnliches zu ermöglichen: Für Jasper Sharp, Kurator am Kunsthistorischen Museum Wien, bieten sich beste Voraussetzungen, um besondere Ausstellungsvorhaben zu verwirklichen.

Jasper Sharps bringt bedeutende Künstler des 20. Jahrhunderts in Zusammenhang mit den Sammlungen des Kunsthistorischen Museums in Wien. Das führte bislang – wie etwa im Falle Lucian Freuds und Joseph Cornells – zu bemerkenswerten Ausstellungsereignissen.

Eigentlich stand während des Studiums das genaue Berufsziel noch nicht fest. Im dritten Studienjahr fiel die Entscheidung, nach Paris zu gehen. „Mit 21 Jahren, im Rahmen eines Praktikums beim international renommierten Auktionshaus Christies, hat sich innerhalb von drei Tagen meine berufliche Zukunft völlig geändert. Das war wie eine plötzliche Erkenntnis, wie dieser Weg zukünftig verlaufen soll“, so der Kunsthistoriker Jasper Sharp über seine Entscheidung, Kurator zu werden. Nach dem Studienabschluss folgte der Sprung nach Italien zur Peggy Guggenheim Collection, zunächst als Praktikant, dann als Registrar. „Das war der erste Kontakt mit der Welt der Kunstausstellungen und allem, was damit zusammenhängt: Recherche, Transport- und Versicherungsfragen sowie internationale Kurierreisen mit wertvollen Leihgaben im Gepäck. Zudem gehörte die Neuhängung der Sammlung zu meinen Aufgaben.“ In seinen letzten vier Jahren an der Peggy Guggenheim Collection war Jasper Sharp schließlich verantwortlich für die Ausstellungen und Leiter der Sammlung.

Lernen durch Erfahrung und mit Mentoren

„Ich habe ‚Curating‘ also nie so studiert, wie das nun in sehr guten Lehrgängen vermittelt wird. Wenn ich gefragt werde, was ein möglicher Weg wäre, Kurator zu werden, kann ich in meinem Fall nur sagen, am besten lernt man dies ‚on the job‘ mit guten Kuratoren als Mentoren.“ Der weitere Schritt nach der Peggy Guggenheim Collection war indes nicht eindeutig klar. „Ich könnte in keiner Kunsthalle arbeiten, obwohl ich das Konzept gut finde, ich bin ein Museumsmensch, das hat auch mit dem Sammeln, wie es solche Institutionen betreiben, zu tun. Ich liebe die Idee, mit einer bestehenden Sammlung zu arbeiten, da steht bei aller Ernsthaftigkeit zunächst etwas Spielerisches im Vordergrund, das einen oft in Staunen versetzt. Erst dann kommt die Vermittlung.“ Einer, der seine Rolle als Kurator so verstanden hat und damit Vorbild wurde für Jasper Sharp, ist Walter Hopps mit seinen wegweisenden Ausstellungen über Merce Cunningham oder auch Marcel Duchamp.

Mut zum Risiko

Nach seiner Tätigkeit als Kurator für Francesca Habsburg hat Jasper Sharp seine Arbeitsheimat nun am Kunsthistorischen Museum in Wien gefunden. Der überwiegende Teil der von ihm kuratierten Ausstellungen waren Österreichpremieren international bekannter Künstler, ohne dabei immer auf die zehn gleichen bekannten Namen aus dem internationalen Kunstbetrieb zurückzugreifen. Kuratieren bedeutet auch, Diplomatie und Fingerspitzengefühl zu beweisen. „Im Kunsthistorischen Museum sind so viele große und bedeutende Namen versammelt, da muss man schon sehr überlegt vorgehen. Mit einem Ausstellungskonzept dort ein Risiko einzugehen, ist nur dann gut, wenn es dem Konzept dient.“ Scheitern ist dabei nicht ganz ausgeschlossen. Die Ausstellung mit den Arbeiten von Joseph Cornell hätte scheitern können. Es gibt eben kein sicheres Programm.

Nicht immer sind es nur Großausstellungen im Haus am Ring, auch der Theseustempel im Wiener Volksgarten, der einst für Antonio Canovas Theseus-Gruppe geschaffen wurde, dient Sharp als kuratorische Bühne wie beispielsweise für die gegenwärtige Präsentation eines Werkes von Ron Mueck. Dabei befindet er sich in bester Gesellschaft, denn auch der englische Maler William Turner hat Ausstellungen mitunter nur einem von ihm ausgewählten Werk gewidmet. Manchmal ist diese Konzentration auf das Wesentliche weit besser als eine überbordende Fülle von Werken. Wenn es einen roten Faden in Jasper Sharps kuratorischer Tätigkeit gibt, so jenen, sich ganz und gar dem jeweiligen Raum und den dort präsentierten Kunstwerken konsequent zu widmen. Das erfordert hoher Professionalität sowie Ernsthaftigkeit und Disziplin.

Neben den Ausstellungen finden regelmäßig Gesprächsrunden im Kunsthistorischen Museum in Wien mit führenden Persönlichkeiten aus der Kunstwelt statt. Ein Novum, das unter Sabine Haag als engagierter Direktorin des Hauses, von Jasper Sharp etabliert wurde. „Natürlich ist es wichtig, gute Ausstellungen zu kuratieren, aber darüber hinaus sind diese alle zwei Monate stattfindenden Gespräche ebenso wichtig, in denen es letztlich um eine Standortbestimmung geht, die direkt mit dem Haus zusammenhängt.“ Diese Gespräche mit international bedeutenden Künstlern und Leitern international wichtiger Kunstinstitutionen sind mittlerweile zu einem wesentlichen Bestandteil der umfassenden Arbeit Jasper Sharps geworden. „Das Kunsthistorische Museum in Wien ist schließlich eines der schönsten Museen der Welt. Was dort stattfindet, muss dieser hohen Qualität entsprechen. Ich werde darum immer versuchen, Ausstellungen zu machen, die den Besucher herausfordern, wiederzukommen.“

www.khm.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 27/2016

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