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Monika und Fritz Ehn beim Rennen „Um den Blauen Donaupokal“ 1967.

Im Blickpunkt: Motorrad-Rennlegende Mike Hailwood 1971 mit Motorrädern aus der Sammlung Ehn.

Fritz Ehn mit einem seiner Glanzstücke, der Brough Superior Typ 680 Overhead.

Legendäre Engländer darunter BSA, Brough Superior, Norton und Rudge Ulster.

 
Leben 27. Juni 2016

Leidenschaft für Zweiräder

Aus der reichen historischen Motorradsammlung von Prof. Ing. Friedrich Ehn beleuchten derzeit in Sigmundsherberg unter dem Titel „Motormaiden“ einige Exemplare das Thema Motorrad-Fahrerinnen.

Als Sammler historischer Motorräder hat sich Prof. Ing. Friedrich Ehn weit über Österreich hinaus einen Namen gemacht. Als Autor zahlreicher Bücher über österreichische Zweiradgeschichte gilt er zudem als ausgewiesener Kenner dieser Materie. In der 1. Österreichischen Motorradmuseum Sammlung Ehn in Sigmundsherberg im Waldviertel sind derzeit etwa 300 Exponate – vom Fahrrad bis zu großvolumigen Motorrädern – zu besichtigen.

Bis in die Kindheit in den 1940er Jahren reicht Fritz Ehns Leidenschaft für Motorräder zurück: „Ich war während des 2. Weltkriegs bei einem Onkel, einem Weinbauern im Weinviertel untergebracht. Beim Rückzug der deutschen Truppen war auch ein völlig ausgebranntes Leichtmotorrad zurückgeblieben. Das hab ich als Sechsjähriger heimgeschleppt. Ein Knecht meines Onkels hat mir aus einem Haselnuss-Stecken ein Gouvernal (Lenker) gemacht, dann hab ich es immer wieder eine Böschung raufgeschoben, mich draufgesetzt und runterrollen lassen.“ Mit zwölf Jahren folgten Fahrversuche mit der Foxinette des Onkels, einem Fahrrad mit Hilfsmotor.

Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft war Ehns Vater als Lebensmittelkaufmann im 3. Bezirk in Wien tätig und fuhr eine Puch 500 mit Beiwagen. Unter der Woche war für Lieferungen eine Holzkiste montiert, am Wochenende der elegante Personenbeiwagen. Jeden Mittwoch ging es zum Speedway-Rennen am Tschechischen Herz Platz: „Ich saß in der ‚Geschäftskiste‘ und mein Vater hat gefragt ‚Was is Bua, lass ma die Kistn fliagn?‘ und hat Gas gegeben.“ Die Mutter war zwar gegen die Zweiräder, vom in der Ferial-Praxis verdienten Geld wurde mit Duldung des Vaters dennoch eine Puch MS 50 gekauft. „Eine Kundin, eine richtige Tratschn, hat mich fahren gesehen und das meiner Mutter erzählt. Darauf musste ich die MS 50 unter Protest verkaufen.“

Motorrad-Obsession

Ein Auto- und Gebrauchtmotorräderplatz in einer Baulücke auf der Praterstraße hatte es Fritz Ehn in den späten 1950er Jahren angetan, dort erwarb er sein erstes richtiges Motorrad, eine Puch 250 SGS. „Ich habe damals schon mitbekommen, was für wunderschöne Motorräder für ‚ein Dachl überm Kopf‘ beim Koller in Zahlung gegeben wurden.“ Viele interessante Motorräder waren zu dieser Zeit einfach weggestellt worden. „Die neu angeschafften Autos waren zu gut, um während des Einfamilienhaus-Baubooms das Baumaterial zu transportieren. Dafür haben die Motorradgespanne herhalten müssen. In Eichgraben hab ich ein völlig verdrecktes Norton-Gespann vor einer Baustelle gesehen und gefragt, ob die Maschine zu verkaufen sei. Die gebotenen 50 Schilling waren dem Besitzer zu wenig, aber um 70 Schilling hab ich sie dann doch bekommen. Damals hab ich begonnen, Motorräder zusammen zu tragen. Friedrich und Manfred Holly waren auch Teil dieser beginnenden Zweirad-Oldtimerszene. Ende der 1960er Jahre wurde der ‚Österreichische Motorveteranenclub‘ (ÖMVC) ins Leben gerufen. Vom Vorstand wurde ich schließlich gefragt, ob ich nicht die Motorradsektion übernehmen wolle und habe zugestimmt. Ähnlich wie ich in Ostösterreich tätig war, hat sich Dr. Helmut Krackowizer in Westösterreich um historisch wertvolle Motorräder verdient gemacht. 1967 gab es bereits ein Rennen ‚Um den Blauen Donau Pokal‘, bei dem ich auf einer New Hudson 500ccm von 1924 gestartet bin.“

Anfang der 1970er Jahre hatte das Sammeln von Motorrad-Oldtimern bereits deutlich Fahrt aufgenommen. Etwa 30 Motorräder fanden in den Keller- und Nebenräumen des Hauses im 13. Bezirk Platz, das Fritz und seine Frau Monika bewohnten. Diese unterstützte ihn auch später tatkräftig als „Gute Seele“ des Museums bis zu ihrem Tod 2014. „Beim Umzug haben mir auch einige vom Verein geholfen. Mein VW-Käfer musste das mit dem jeweils mit drei Motorrädern beladenen, selbstgebauten Anhänger bewältigen.“

Von Eggenburg nach Sigmundsherberg

Ab 1980 war Fritz Ehn Lehrer an der Berufsschule für KFZ-Technik in Wien. Der Direktor, Ing. Alfred Klampfer, wusste über seine Leidenschaft Bescheid und ermöglichte, da er selbst aus Eggenburg stammte, dass die Sammlung 1980 in den Räumen der dortigen ehemaligen Berufsschule, vormals die „Erste Waldviertler Feigenkaffee-Fabrik“, eine Heimat fand. Nach einem Zerwürfnis mit der Stadtgemeinde Eggenburg und der Kündigung des Mietverhältnisses stand 2008 ein Neuanfang an. Das leerstehende Firmengebäude der ehemaligen Strickwarenfabrik Thiel in Sigmundsherberg wurde zum neuen Standort des Motorradmuseums, das seither 1400 Quadratmeter Ausstellungsfläche samt Werkstätte umfasst.

Die Sammlung Ehn verfügt nicht nur über annähernd 300 Exponate, Fritz Ehn hat zudem ein bemerkenswertes Archiv über die Geschichte historischer Zweiräder aufgebaut. „Archivmäßig war lange über Motorräder nicht sehr viel bekannt. Für mich war es eines der wesentlichsten Anliegen ein Archiv anzulegen, um Teile der österreichischen Motorradgeschichte in Buchform zu bringen. Ich war auch der erste österreichische Autor auf diesem Gebiet. Es liegt mir viel daran, allen Interessierten die Geschichte nahe zu bringen, die mit den Motorrädern verbunden ist. Mein Herz schlägt für die großen Motorräder ab 350 ccm – als große Vorliebe englische Motorräder, darunter Norton, Scott, Brough Superior, Vincent, HRD, aber die Puch-Geschichte ist mir ebenso wichtig. Bei aller Sammelleidenschaft interessiert mich immer die Ingenieurskunst. Hinsichtlich der Zukunft würde ich mir wünschen, dass mir mein wacher Geist erhalten bleibt und meine Konstitution es mir weiter gestattet, mobil zu sein. Als Sammler wünsche ich mir, dass historische Motorräder aus Leidenschaft gesammelt und gefahren werden und nicht zu Spekulationsobjekten verkommen.“ Derzeit ist die kleine Sonderausstellung „Motormaiden“ im Museum zu sehen, die unter Mitarbeit von Yvonne Lang entstand. Sie ist den Motorrad-Fahrerinnen gewidmet und deckt damit ein nicht nur für die Zweirad-Geschichte Österreichs längst überfälliges Kapitel ab.

www.motorradmuseum.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 26/2016

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