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© Gartensommer Niederösterreich
Kaiser Franz I: Herrscher und Gartenliebhaber.

Rosen, die die Zeit überdauerten – aus dem Herbarium von Anton Rollett.

Das Gartenrefugium Erzherzog Karls: Die Ehrenhofseite der Weilburg.

© (3) Rollettmuseum Baden Städtische Sammlungen

Die Franzensburg im Laxenburger Park um 1820

 
Leben 22. August 2016

Gartenlust

Monarchen und ihre Gärten: Ein besonderes Kapitel wird in der sehenswerten Ausstellung „Die Gartenmanie der Habsburger“ in Baden bei Wien kenntnisreich vermittelt.

Kaiser Franz I. und die erzherzoglichen Mitglieder seiner Familie widmeten sich mit besonderer Hingabe der Anlage von Gärten. Die Ausstellung im Kaiserhaus in Baden bei Wien zeigt dazu Informatives und wenig Bekanntes.

Denkt man an berühmte Gärten, so kommt einem das stattliche Schloss Vaux-le-Vicomte südöstlich von Paris mit seiner prächtigen barocken Gartenanlage in den Sinn. Seinem Besitzer, dem Finanzminister Ludwigs des XIV., Nicolas Fouquet, brachte das prächtige Anwesen aus der Feder des Architekten Louis Le Vau und des Gartenarchitekten André Le Nôtre kein Glück, da ihn der Monarch der Verschwendungssucht bezichtigte und verhaften ließ. Diese Anlage bildete jedoch die Inspiration für das Versailler Schloss, das mit seinen ausgedehnten Parkanlagen dem absolutistischen Selbstverständnis des französischen Königs entsprach und auch für Schönbrunn maßgebend war.

Der Typus des französischen Gartens folgt in seiner geometrischen Anlage ordnenden Gesetzmäßigkeiten: Dem Willen des Herrschers gemäß, sollte auch die Natur ihm Untertan sein. Hecken und Rabatten, Gartenparterres und Wasserbassins fügten sich dem Gestaltungswillen. An der Wende zum Klassizismus wurde die streng geometrische Anlage des Barockgartens dann vom englischen Landschaftsgarten abgelöst.

Die Gärten der Habsburger

In Österreich setzte diese neue Strömung vergleichsweise verhalten ein. Der profunden Gartenleidenschaft von Kaiser Franz I. hat etwa der Laxenburger Park seine heutige Ausprägung als Landschaftsgarten zu verdanken. Der Garten der Weilburg bei Baden, der auf Initiative von Erzherzog Karl geschaffen wurde, ist ein weiteres Beispiel für das erwachende Garteninteresse der Habsburger.

Allgemein hatte das Interesse an Botanik und der Anlage von Ziergärten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts enorm zugenommen. Der berühmte Botaniker Karl von Linné hatte mit Hilfe seiner umfassenden Pflanzenklassifikation im 18. Jahrhundert die Grundlagen dafür gelegt. Neben den Landschaftsgärten entstanden nach und nach auch botanische Gärten mit imposanten Glashäusern.

Auch für das Bürgertum, das sich nach den napoleonischen Kriegen gegenüber dem Adel stärker emanzipiert hatte, wurde der Garten zu einem wichtigen Thema. Aus den traditionellen Hausgärten entstanden so die Biedermeiergärten als Rückzugsbereiche. Nutz- und Ziergarten standen dabei nicht mehr im Gegensatz zueinander. Florale Ornamente wie Blumen und Ranken fanden sich zudem als Dekor auf Porzellan oder Borten und in gemalten Stillleben, sowie als Gestaltungselemente in bürgerlichen Interieurs wieder.

Der Blumenkaiser

Die Freude an reich bestückten Gärten teilte Franz I. mit seinen Untertanen. Auf einem Ölgemälde von Leopold Fertbauer aus dem Jahr 1826 ist der Kaiser im Kreise seiner Familie gar in einem Gartensalettl abgebildet. Franz war aber nicht nur ein Gartenliebhaber aus Leidenschaft, er förderte ebenso engagiert Botanik und Landwirtschaft. 1807 gründete er das botanische Hofkabinett, den späteren Grundstock der botanischen Abteilung des Naturhistorischen Museums. 1812 wurde auf sein Betreiben an der kaiserlichen Akademie der bildenden Künste ein eigener Lehrstuhl für Blumenmalerei eingerichtet. Die Bezeichnung „Blumenkaiser“ basiert auf dem gleichnamigen Werk Joseph Pfundhellers aus dem Jahr 1881 und geht auf zeitgenössische Berichte zurück, in denen Franz I. als gartenkundiger Fachmann dargestellt wird.

Belegt sind beträchtliche finanzielle Aufwendungen für die kaiserlichen Gärten in der Residenzstadt wie etwa dem Augarten, dem Belvederegarten, dem später aus dem innerstädtischen Bereich nach Hirschstetten im 22. Bezirk übersiedelten Reservegarten mit seinem Bestand an exotischen Pflanzen und Obstbäumen, sowie dem nicht erhalten gebliebenen Terrassengarten im Bereich der Hofburg. Der Wiener Volksgarten befand sich als Privatgarten zunächst im Eigentum der Erzherzöge und wurde 1823 öffentlich zugänglich gemacht. Darüber hinaus nannte der Monarch außer Schloss Artstetten 15 weitere Schlösser in dessen näherer Umgebung samt Gartenanlagen sein eigen.

Die kaiserliche Familie in Baden

In Baden weilte die kaiserliche Familie zur Sommerfrische und bewohnte das Kaiserhaus, in dessen Räumen diese Ausstellung präsentiert wird. In Baden selbst gab es bereits den Theresiengarten aus der Zeit des Barock und die sogenannte Lang‘sche Anlage, die auf den Fabrikanten Ignaz Freiherr von Lang zurückgeht. Beide Gartenanlagen bilden heute zusammen mit dem Doblhoffpark den Badener Kurpark. Ganz dem Ideal des englischen Landschaftsgartens verpflichtet, widmete sich Erzherzog Anton dem Helenental und schuf für die Gäste des mondänen Kurorts dort anmutige Fahr- und Fußwege durch Alleen samt Ruheplätzen und exotischen Pflanzen. Der Erzherzog besaß in Baden außerdem ein Anwesen mit einem bemerkenswerten Palmenhaus und kultivierte dort auch Obstsorten. Erzherzog Karl hingegen ließ seiner Gartenmanie rings um die Weilburg freien Lauf. Über die genaue Anlage dieses Gartens ist nur wenig bekannt, ihr Höhepunkt waren jedoch die Rosensammlungen mit 1068 Rosenarten und Rosensorten. Das Badener Rosarium erinnert noch heute an diese außergewöhnliche Vielfalt. Das Rahmenprogramm des „Gartensommers“ bietet für eine weitere Vertiefung in Sachen „Gartenmanie“ Gelegenheit – therapeutische Wirkung nicht ausgeschlossen.

Die Gartenmanie der Habsburger

Kaiser Franz und seine Familie

bis 1. November 2016

Kaiserhaus Baden

Baden bei Wien

www.kaiserhaus.baden.at

www.gartensommer.info

Thomas Kahler, Ärzte Woche 24/2016

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