zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 1. März 2016

Ein Band zwischen Tier und mir

Immer mehr Therapeuten, Pädagogen, Kliniken, Heime und Schulen setzen auf tiergestützte Behandlungskonzepte.

Streicheln, kuscheln, Nähe zulassen: Der Kontakt zu Tieren kann Menschen helfen, Ängste abzubauen und Nähe zuzulassen. Denn Tiere sind unvoreingenommen, kümmern sich nicht um körperliche oder seelische Makel und nehmen eine Person so an, wie sie ist.

Auf leisen Pfoten laufen die Chihuahuas Jasper und Faye über die Klinikflure der Tübinger Psychiatrie. Die Patienten können sich dem Charme der beiden nicht entziehen; sie schmunzeln, streicheln die kleinen Hunde und kraulen ihnen das Fell. Das tierische Duo hat eine verantwortungsvolle Aufgabe: ein Lächeln in die Gesichter der Menschen zu zaubern. Jasper und Faye gehören seit Kurzem quasi zum Personal der Psychiatrie: Die Tübinger Klinik setzt auf tierische Therapeuten. Zu den Helfern auf vier Pfoten gehören auch die beiden Labradoodle Layla und Keegan.

Noch sind solche vierbeinigen Therapiebegleiter eher die Ausnahme. Doch immer mehr Therapeuten, Pädagogen, Kliniken, Heime und Schulen nutzen tiergestützte Therapien. Die Idee hatten an der Tübinger Klinik zwei Krankenpfleger, denen die Tiere gehören. Alles begann, als einer der Pfleger bei einem Patientenausflug seinen Hund mitnahm. Dabei beobachtete er, dass besonders die schwerkranken Patienten den Kontakt zum Tier suchten und eine Beziehung zulassen konnten. Seither können die Patienten auch auf der Station mit den Hunden spielen, sie streicheln oder einfach nur ansehen. Jeder Patient entscheide selbst, ob und wie viel Kontakt er zulasse, betonen die Pfleger.

„Tiere helfen in einem therapeutischen Prozess vor allem, indem sie die Kommunikation erleichtern, Angst und Stress mindern, das Wohlbefinden steigern und die Motivation erhöhen“, sagt Rainer Wohlfarth, Präsident der Europäischen Gesellschaft für tiergestützte Therapie. Vor allem Menschen mit Autismus, geistiger Behinderung oder Demenz, aber auch Patienten, die über ein Trauma nicht sprechen können, profitierten von tiergestützten Therapien.

Schwerkranke profitieren

„Tiere sind unvoreingenommen, sie kümmern sich nicht um körperliche oder seelische Makel und nehmen eine Person so an, wie sie eben ist“, erklärt Wohlfarth. Da Krankheiten häufig mit Stigmatisierung einhergingen, sei diese tierische Neutralität ein hohes Gut. Die Tübinger Pfleger sagen, dass die Hunde besonders den Zugang zu Menschen mit schweren Krankheiten erleichtern. Depressive, selbstmordgefährdete oder schizophrene Patienten lernten, Nähe zuzulassen und Vertrauen aufzubauen.

Hunde können Menschen aus der Isolation und Einsamkeit holen. Diese Erfahrung hat auch das Berliner Vivantes-Klinikum gemacht. Der Klinikkonzern setzt bei der Behandlung von psychiatrischen und geriatrischen Patienten seit Jahren Therapiehunde ein. Eine Art Allheilmittel seien die Hunde aber nicht, betont Wohlfarth. „Die bloße Anwesenheit eines Tieres sagt noch nicht vorher, ob die Therapie gut oder schlecht verlaufen wird.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben