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S. Rothwangl, Endzeit, Edition Innsalz
 
Leben 25. Jänner 2016

Kontroverser Kalender

Autor Sepp Rothwangl plädiert für ein Zeitrechnen ohne Christentum, dafür aber mit wissenschaftlicher Präzision.

Bislang konnte sich die christliche Zeitrechnung halten, trotz aller kalendarischen Schwächen und Fehlberechnungen. Einige zählt Rothwangl in seinem Buch „Endzeit“ auf.

Weltweit herrscht die christliche Jahreszählung nach Anno Domini (A. D.) vor. Die Geburt Christi und damit der Beginn der christlichen Zeitrechnung wurde rückwirkend im frühen 6. Jahrhundert durch den skythischen Gelehrten Dionysius Exiguus eingeführt. Er kalkulierte für das Jahr 2000 das Ende der Welt mit der Wiederkehr Christi. Entsprechend wurde der A. D.-Kalender quasi als Countdown zur Apokalypse so angelegt, dass eine extrem seltene, damals schon berechenbare Konjunktion aller Planeten genau ins Jahr 2000 fällt. Die Endzeit blieb aus. Geblieben ist ein esoterisches Kalendersystem, das nicht mit realen und astronomischen Fakten übereinstimmt.

In seinem Buch klärt der Kalenderexperte und Archäoastronom Sepp Rothwangl über die Hintergründe verschiedener Zeitrechnungssysteme auf. Der Waldbauer und Autodidakt, der sich seit seiner Jugend für Sternenkunde in Verbindung mit Mythen und Religion begeisterte, legt eine Bearbeitung der Anno Domini Zeitrechnung vor. Das Buch zeigt nicht nur, wie die frühen Christen in Anlehnung an antike Mythen und die Apokalypse Anno Domini erstellt haben. Es ist eine Geschichte der Jahreszählungen überhaupt. Mit einer Vielzahl von Originalzitaten und Bildern untermauert, eröffnet es auch Perspektiven für eine „säkularisierte Zeitrechnung“.

So steht der biblische Mythos, wonach Herodes die Tötung des neugeborenen Jesus angeordnet hat, in Widerspruch zu A. D., denn Herodes starb 4 Jahre vor der Zeitrechnung nach Chr. Geb. Ebenso entlarvt Rothwangl den Kreuzigungstermin als kalendarisch unmöglich: Es gab in der fraglichen Zeit keinen Pessachtermin, der mit den Wochentagen und dem Vollmond übereinstimmt. Auch die erwähnte Sonnenfinsternis zur Kreuzigung Christi ist Utopie, denn eine Sonnenfinsternis kann nur bei Neumond auftreten. Das überlieferte Pessachfest am Tag nach der Kreuzigung war jedoch an den Frühlingsvollmond gebunden. Eine mögliche Geburt Christi kann nicht im Jahr 1 A. D. gewesen sein.

„Heute versucht man mit dem SI, dem metrischen Einheitssystem, zu normieren und mit Naturkonstanten in Einklang zu bringen. Daher sollte unser päpstlicher Gregorianischer Kalender durch eine neue Zeitrechnung ersetzt werden“, meint Rothwangl.

Edition Innsalz, Ärzte Woche 4/2016

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