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© Stefan Oláh
Einblick in einen der Räume des zusammen mit Josef Wlach entworfenen Haus Beer, Wenzgasse, Wien, 1929 – 1931.
© Aslan Kudrnofsky

Formale Strenge und kreative Verspieltheit: Möbel und Dekorstoffe von Josef Frank.

© Aslan Kudrnofsky

Der runde Tisch als prägendes Stilelement: Ausstellungsansicht JOSEF FRANK: Against Design.

© Svenskt Tenn, Stockholm, Schweden

Einer der wichtigsten Vertreter der Moderne: Josef Frank, um 1960.

 
Leben 16. Jänner 2016

Wille zur Gestaltung

Eine Retrospektive im MAK in Wien würdigt Josef Frank.

International gehört Josef Frank als bedeutender Kreativer zu den Hauptvertretern der Moderne. Die derzeit präsentierte Ausstellung „JOSEF FRANK: Against Design“ vermittelt einen umfassenden Eindruck vom Denken und Wirken des 1933 nach Schweden Emigrierten.

Kaum ein Zweiter hat die österreichische Moderne nach dem Ersten Weltkrieg so beeinflusst, wie der 1885 in Baden bei Wien geborene Josef Frank. Sein späteres Schaffen als Architekt wurde durch das Studium an der Technischen Hochschule in Wien bei Karl König geprägt. Die Zeitspanne, die Josef Frank blieb, um Bauten im öffentlichen wie im privaten Bereich zu verwirklichen, bevor er 1933 nach Schweden emigrierte, war verhältnismäßig kurz. Während der Ersten Republik wurde speziell in Wien in den 1920er Jahren der öffentlich-soziale Wohnbau vehement vorangetrieben, zudem gab es für Frank eine Reihe privater Bauaufträge, darunter Privathäuser und Villen, wie etwa das Haus Beer, das er gemeinsam mit Oskar Wlach 1931 realisierte oder das Haus für Hugo und Olga Bunzl, beide in Wien gelegen. Auch mit Oskar Strnad hat Josef Frank des Öfteren zusammengearbeitet.

Ideale Räume

Durch sein Engagement und Wirken für das zusammen mit Oskar Wlach 1925 ins Leben gerufene Einrichtungsunternehmen „Haus & Garten“ wurde Wiener Wohnkultur auch international zu einem Begriff. Die Wiener Werkbundsiedlung, die ab 1932 unter Josef Franks Mitwirkung und Leitung sowie unter Beteiligung führender namhafter Architekten wie etwa Josef Hoffmann, Adolf Loos, Richard Neutra, Margarethe Schütte-Lihotzky, Ernst Plischke und Oskar Wlach Gestalt annahm, zeigt eindrucksvolle Beispiele des „Neuen Wiener Wohnens“. Josef Franks erheblicher Einfluss schlug sich nicht nur in baulich-architektonischer Hinsicht, sondern in besonderem Maß auch in der Gestaltung von Innenräumen nieder. „Die Regeln für das gute Haus als Ideal ändern sich prinzipiell nicht und müssen nur immer neu betrachtet werden (...)“, so seine knapp formulierte zusammenfassende Sicht moderner Architektur. Was letztlich für ihn zählte, war immer eine kreative Lösung statt reinem Formalismus.

Mehr als 1000 Möbel- und 200 Stoffmusterentwürfe stammen aus seiner Feder. Dabei ging er weit weniger dogmatisch vor als dies etwa von wichtigen Repräsentanten der Moderne formuliert und eingefordert wurde. Josef Frank prägte in diesem Zusammenhang den Begriff des „Akzidentismus“: Die Wohn- und Lebensumgebung sollte so gestaltet werden, als wäre sie durch Zufall entstanden. Zugleich kam ihm das industriell zu sehr Normierte nicht gelegen, handwerkliche Qualität und Ausführung sollten stattdessen immer im Vordergrund stehen.

Etwa 70 Wohnräume von Josef Frank sind bildlich dokumentiert, wobei er klare Raumstrukturen durch entsprechendes Mobiliar gestaltete. Weder reiner Funktionalismus noch purer Formalismus fanden dabei Platz, obwohl Franks Architekturverständnis nicht antihistoristisch im Sinne Otto Wagners, sondern eher klassisch-traditionell – beeinflusst vom bedeutenden Renaissancearchitekten Leon Battista Alberti – ausgerichtet war.

Josef Frank und Svenskt Tenn

Neben seiner Arbeit als Architekt fand Josef Frank ein weiteres Betätigungsfeld beim Entwerfen von Mobiliar, Dekorstoffen, Lampen und Wohnaccessoires. Er war kein Designer im gegenwärtigen Sinn – vielmehr ein genauer Beobachter, der frei nach seinem Motto „Man kann alles verwenden, was man verwenden kann“ sich zeitlebens in seiner Entwurfsarbeit keinerlei Beschränkungen auferlegte. Seine Entwürfe für „Haus & Garten“ zeigen, wie sehr das Raumempfinden von dem Willen getragen war, klare reduzierte Formen etwa mit floraler Üppigkeit zu kombinieren. Die von ihm entworfenen Möbel und Wohntextilien spiegeln diese Verbindung von Opulenz und skandinavisch klarer Formensprache wider.

Josef Frank propagierte Vielfältigkeit statt einschränkender Dogmatik. „Je freier das Muster, desto besser“, so lautet ein anderer programmatischer Ausspruch des voller Gestaltungslust Entwerfenden. In seiner neuen Heimat Schweden sorgte Josef Frank zusammen mit Estrid Ericson (1924 hatte sie das Einrichtungshaus Svenskt Tenn in Stockholm gegründet) unermüdlich dafür, dass eine große Anzahl neuer Möbel- und Stoffentwürfe das Licht der Welt erblickten. Vieles davon ist heute noch bei Svenskt Tenn in Produktion.

Als Architekt war er nach der Emigration kaum mehr tätig. Dazu hielt Frank in einem Schreiben an die befreundete Schriftstellerin Trude Waehner fest: „Ich habe nicht das erreicht, was ich mir vorgenommen hatte und wozu ich in der Lage gewesen wäre, sondern nur das, was unter den gegebenen Umständen möglich war.“ Josef Frank und dessen Schaffen gerieten dadurch in Österreich – anders als in Schweden – nahezu in Vergessenheit. Die Absicht, die Spuren jüdischer Architekten während des Dritten Reiches möglichst auszulöschen, war damit fast aufgegangen.

1960 erhielt er, seit 1939 Schwedischer Staatsbürger, als Zeichen einer späten Anerkennung seiner großen Verdienste um die Wiener Moderne, den Preis der Stadt Wien für angewandte Kunst. 1965 folgte, zwei Jahre vor seinem Tod, der Große Österreichische Staatspreis für Architektur. 1981 wurde von Hermann Czech und Johannes Spalt das Lebenswerk von Josef Frank in einer ersten großen Retrospektive im MAK Wien gewürdigt und ein fast Vergessener einem größeren Publikum hierzulande wieder nahegebracht. 35 Jahre dauerte es bis zur gegenwärtigen Ausstellung, deren Titel erst durch nähere Erläuterungen verständlich wird. Kuratiert von Hermann Czech und Sebastian Hackenschmidt, vermittelt die sehr akademisch wirkende Schau umfassend Josef Franks Gedanken zur Architektur der ausgeführten Bauten und Innenräume sowie dem Gestalten der entworfenen Möbel und Stoffe.

Ausstellungsdauer: bis 3. April 2016

www.MAK.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 1/2/2016

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