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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 14. Dezember 2015

Einkehrschwung ins Krankenhaus

Der Wintersport als Zuweiser für inneralpine Ordinationen.

Unlängst durfte ich in meiner Funktion als Ö1-Rediodoktor zwei überaus nette und kompetente Kollegen zum Plausch über Wintersportarten und die damit verbundenen gesundheitlichen Gefahren bitten. Schließlich ist immer wieder vom „Schlachtfeld Piste“ zu hören. Wenn sich Snowboarder, Skifahrer, Carver und Mit-dem-Zipfbob-volltrunken-die-schwarze-Piste-Hinunterfahrenden in die Quere kommen, kann das böse enden.

Soviel hab ich von den Experten gelernt: Bei aller Gefährdung, die man durch Stürze vermuten würde – wie Kollisionen, Lawinenabgänge, Zirbengeist-Intoxikationen oder Impressionsfrakturen durch das Füße-in-den-Bauch-stehen bei der Talstation –, ist der alpine Wintersport statistisch nicht gefährlicher, als andere Sportarten wie Boxen oder Basejumping.

Natürlich hat die Bergrettung Hochsaison, die örtlichen Unfallkrankenhäuser verhängen Urlaubssperren, um die rund 60.000 Verletzten zu versorgen. Doch sie versorgen die Personen gerne, schließlich handelt es sich meist um Touristen, und es eigentlich egal ist, ob sie die Devisen für einen Jagatee oder einen Gipsverband im Land lassen.

Obwohl diese Unfälle natürlich die heimische Wirtschaft beleben, muss man die Ski-Touristen auch ermahnen, gewisse Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Die Vernunft hat bei vielen Skisportlern ohnehin schon Einzug gehalten und so fahren die meisten Hobbyathleten bereits mit Helm ineinander. Und so mancher hat sich aus dem Sportartikelladen bereits einen Rückenprotektor organisiert, um die Verletzungsgefahr beim Sturz von der Langlaufloipe in den Tiefschnee zu minimieren. Wichtig ist natürlich, sich an die altbekannten Pistenregeln zu halten: „Geschwindigkeit und Können müssen den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen angepasst sein“, „Die Aufenthaltszeit in der Hütte muss dem Konsumationsverhalten angepasst sein“ oder „Der Liftwart hat immer Recht!“ Vielerorts wacht ein Pistensicherheitsdienst darüber, ob sich die Skifahrer auch an die Regeln halten, nicht rasen, drängeln, schubsen oder in den Schnee pinkeln. Inwieweit sich die Skipolizisten auch einmischen dürfen, wenn man zu viel lacht, einen Schneeball wirft oder den Innenski zu sehr belastet, wird noch diskutiert.

Für uns als Mediziner muss im Vordergrund stehen, dass die Patienten wieder heil vom Berg runterkommen und in den zwei Skitagen, die sie sich übers Jahr leisten können – da eine Tageskarte mittlerweile so viel kostet, wie ein Flug nach Bangkok –, auch möglichst viel Bewegung machen. Hier sind natürlich die Ausdauersportarten, also Langlaufen, Tourenskigehen oder Schneeschuhwandern gut geeignet. Die meisten schaffen es an einem durchschnittlichen Halbtag allerdings höchstens mit der High-Speed-Bubble-Gondel vom Doppelmayr auf den Gipfel zu fahren, den Hang drei Meter von der Bergstation zur Hütte zu queren und sich dort beim Abstieg mit den Schischuhen über die rutschige Treppe zur Toilette beide Beine zu brechen. Das nennt man dann Hüttengaudi!

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