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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 5. Oktober 2015

Patienten vom Mars

Mit Antibiotika gegen außerirdische Erreger.

Im Angesicht von Flüchtlingskrisen, kriegerischen Auseinandersetzungen, Weltwirtschaftskalamitäten und seltsamen inländischen Wahlergebnissen, möchte ich aus aktuellem Anlass den Fokus auf eine wirklich relevante Sache richten: den Mars. Kürzlich hat die NASA angekündigt, eine Art Breaking-News-Pressekonferenz geben zu wollen, in der der Weltöffentlichkeit eine spektakuläre Erkenntnis über unseren Nachbarplaneten offenbart wird. Meine Kinder stellten sich bereits auf ein erstes CNN-Interview mit einem grünen Männchen ein. Er würde den Erdenbürgern wohl eine Technik schenken, die es ermöglicht, schwebende Skateboards mit einem holografischen iPhone zu steuern. Als Erwachsener ist man aufgrund der Lebenserfahrung realistischer, sodass ich mir lediglich erwartete, dass das Männchen ein Heilmittel gegen den gemeinen Schnupfen hat. Nebenbei bemerkt musste ich meinen Kindern natürlich auch erklären, dass Marsmännchen auch Menschen wie du und ich sind, sie selbstverständlich Recht auf Asyl und Niederlassungsfreiheit hätten und es zudem politisch nicht korrekt wäre, davon auszugehen, dass es sich um ein männliches Exemplar handelt, sondern es durchaus auch ein Marsweibchen sein könnte. Damit hatte ich meine erzieherische Aufgabe wahrgenommen und die Kinder waren froh, sich wieder ihren irdischen iPhones widmen zu können.

Dann kam die Auflösung: Die von der Raumfahrtbehörde angekündigte „bedeutende wissenschaftliche Entdeckung“ entpuppte sich, trotz der unbestreitbaren Sensation, als ein wenig enttäuschend: Es soll Wasser auf dem Mars geben, also wahrscheinlich vielleicht, jetzt grad nicht, aber manchmal, wenn im Marssommer die Temperatur um den Gefrierpunkt liegt, dann ein bisschen, möglicherweise. Naja. Immerhin ein Anfang. Und dass die Meldung den hohen Erwartungen nicht ganz gerecht werden kann, ist nicht Schuld der Meldung.

Allerdings stellt sich auch für Mediziner die Frage: Was bedeutet das für uns? Denn wo Wasser ist, ist bekanntlich auch Leben. Obwohl wir uns die ersten außerirdischen Wesen, die wir kennenlernen dürfen, wohl etwas anders vorgestellt haben, als ein paar Mikroorganismen, die sich möglicherweise im Wasser tummeln und sicher kaum in der Lage sind, Raumschiffe zu bauen, wäre das der Beweis, dass wir 7 Milliarden Menschen nicht alleine auf der Welt sind!

Wo Leben ist, sind natürlich auch Keime, sodass wir gleich mal Antibiotika entwerfen könnten, die dagegen helfen. Quasi als Willkommensgeschenk für den ersten Kontakt mit Außerirdischen. Doch die Hoffnung, bald schon außerirdische Patienten in unseren Ordinationen begrüßen zu dürfen, die nicht nur das medizinische Wissen revolutionieren, sondern allesamt auch privat zahlen würden, dürfte nicht so rasch befriedigt werden. Dennoch könnte man schon vorab das „Additivfach für extraterrestrische Nephrologie“ ins Leben rufen und ein paar Curricula anbieten. Man will ja gerüstet sein. Wenn schon nicht für die Probleme auf der Erde, dann doch für jene im All.

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