zur Navigation zum Inhalt
Die Außenansicht von Livadas‘ Apotheke: Mit den Reformen werden auch Supermärkte Medikamente frei verkaufen können.

Apothekerin Sofia Kasidiaraki kämpft mit dem Umstand, dass viele Patienten ihre Medikamente nicht mehr zahlen können.

 
Leben 14. September 2015

Probleme der Apotheker in Athen

Griechenland in der Krise: Die Apotheker berichten von ihren Sorgen und Nöten und erläutern, warum sie der Zukunft skeptisch entgegenblicken.

Die Apotheker in der griechischen Hauptstadt sehen überwiegend pessimistisch in die Zukunft. Schleppende Rückzahlungen der Versicherungen und immer weniger verfügbares Geld bei den Kunden bringen die Apotheken an den Rand des wirtschaftlichen Überlebens.

Olga Tavropoulou weiß nicht, wie sie die nächste Rechnung an den Großhandel zahlen soll. Die Apothekerin steht hinter dem Tresen in ihrer kleinen Apotheke in Athens Innenstadt und zuckt mit den Schultern. „Ich habe bereits die Schecks für neue Arzneimittellieferungen unterschrieben, aber wovon soll ich sie zahlen?“ Sie wartet auf Rückzahlungen der staatlichen Einheitsversicherung EOPYY, die auf den März zurückgehen. „Bis Ende Juni sind wenigstens 50 Prozent der März-Rückerstattungen ausgezahlt worden“, sagt Olga Tavropoulou im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“, der deutschen Schwesterzeitung der Ärzte Woche. „Und der Rest? Und April? Wer weiß ...“

In Griechenland zahlen versicherte Patienten bei Arzneimittelverschreibungen zwar einen relativ hohen Eigenanteil – im Normalfall 25 Prozent, in seltenen Fällen, vor allem bei sehr neuen Medikamenten, bis zu 70 Prozent. „Den Großteil des Preises bekommen wir aber von EOPYY erstattet, wozu wir die Rezepte am Monatsende einreichen“, sagt Takis Livadas, der seine Apotheke seit zwölf Jahren betreibt. Per Vertrag zwischen EOPYY und Apotheken sollte die staatliche Versicherung, die mit dem englischen NHS vergleichbar ist, den Apothekern die Beträge innerhalb von 60 Tagen erstatten. „Heute sind vier Monate Wartezeit die Regel“, sagt Livadas. Viele ihrer Kollegen teilten ihren Ärger, sagt Tavropoulou.

Viele Patienten können ihre Medikamente nicht bezahlen

Die Bürger, die über mehrere Wochen nur 60 Euro pro Tag am Geldautomaten abheben konnten, erfuhren schließlich gewisse Zeichen von Normalisierung: Die Banken öffneten wieder, zunächst konnten bis zu 300 Euro, dann bis zu 420 Euro auf einen Schlag abgehoben werden.

Trotz neuer Belastungen – die Mehrwertsteuer für Lebensmittel steigt von 13 auf 23 Prozent – keimt damit Hoffnung auf. Nicht jedoch in den Apotheken: Hier sieht kaum jemand Besserung in naher Zukunft. „Bis es für uns auch wieder bergauf geht, können sicher noch Jahre vergehen“, meint Sofia Kasidiariki. Die Apothekerin hat zusätzlich zu den ausstehenden Rückzahlungen mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Mit Patienten, die ihre Medikamente nicht mehr selber zahlen können.

Der Anteil der Barzahler – meist Patienten, die beispielsweise wegen Arbeitslosigkeit ihre Versicherung verloren haben – variiert von Pharmazie zu Pharmazie. Bei Kasidiariki sind es etwa 50 Prozent. „Sie konnten eines Tages einfach nicht mehr zahlen.“ Hinzu kämen hohe Steuern und Versicherungen, sodass ihr am Ende rund zehn Prozent des Arzneimittel-Preises als Gewinn blieben. „Wenn mit den neuen Reformen auch Supermärkte rezeptfreie Medikamente verkaufen können und die ohnehin schon niedrigen Arzneimittel-Preise noch weiter sinken, stellt das für viele Apotheker ein großes Problem dar. Bereits heute müssen viele Apotheken schließen“, sagt Kasidiariki.

Arzneilieferungen: Bis zu zehn Tage Verzögerung

Die Apothekerin sieht vor allem die Öffnung des Arzneimittelmarktes für Supermärkte kritisch: „Medikamente völlig ohne Beratung abzugeben ist unverantwortlich“, sagt sie. Sie befürchtet „Ernst zunehmende Gesundheitsgefahren“. Ihr Kollege Livadas weist auf ein weiteres Problem hin: Die Beschaffung von Arzneimitteln. „Das Problem ist nicht, dass die Medikamente nicht vorhanden wären“, sagt der Apotheker. „Das Problem ist, dass uns die Arzneien nicht erreichen.“ Früher habe es bei Lieferungen Verzögerungen von zwei oder drei Tagen gegeben. „Heute sind es bis zu zehn“, sagt Livadas, der in dringenden Fällen ein Dutzend Kollegen anruft, um ein Medikament für seine Patienten zu beschaffen. „An dieser Situation wird sich so schnell nichts ändern.“

ÄZ/red

Jana Kötter, Apotheker Plus 7/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben