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Leben 18. August 2015

Die Welt ist gefährlicher denn je

Weltweit verfügen heute bereits neun Länder über Atombomben.

70 Jahre nach der apokalyptischen Erfahrung der Atombombenabwürfe zieht Japan Bilanz – auch über die medizinischen Folgen für die Bevölkerung.

Am 6. August 1945 explodiert die nach heutigen Maßstäben eher kleine Uranbombe „Little Boy“ 600 Meter über der Stadt Hiroshima. Sie setze die Energie von 13.000 Tonnen TNT-Sprengstoff frei. Dabei sterben etwa 140.000 Menschen, was der heutigen Einwohnerzahl der Stadt Salzburg entspricht, sofort oder in den Tagen danach an Verbrennungen, Strahlenschäden und den Folgen der Druckwelle.

74.000 unmittelbare Todesopfer gibt es nach Schätzungen bei dem Abwurf von „Fat Man“ drei Tage später über Nagasaki. Die mit 22 Kilotonnen doppelt so starke Plutoniumbombe tötete deutlich weniger Menschen, weil die Piloten ihr Ziel um etwa zwei Kilometer verfehlten und die umliegenden Berge die Auswirkungen dämpften.

Ein Großteil der Opfer wurde durch die enorme Hitze und die Druckwelle getötet: Temperaturen von über 6.000 °C ließen Menschen verdampfen, Windgeschwindigkeiten von mehr als 500 km/h pulverisierten sämtliche Gebäude im Zentrum.

Konzentrische Todeskreise

Die Wucht der Explosion machte Ärzte fassungslos. „Konzentrische Kreise des Todes, konzentrische Kreise des Teufels“, habe er damals gemurmelt, erinnert sich Dr. Tatsuichiro Akizuki. Auf einer Tafel im örtlichen Atombombenmuseum sind die Erinnerungen des damals 29-Jährigen vermerkt. „Heute starben Leute, die in Häusern bis zu diesem Umkreis lebten. Als ich das sah, dachte ich, ich könne wohl annehmen, dass morgen die, die 100 Meter weiter den Hügel hinauf lebten, sterben würden.“ Akizuki war damals in einem Krankenhaus 1,4 km nordöstlich des Hypozentrums beschäftigt.

Die „Wellen des Todes“ schienen auch die scheinbar nur leicht Verletzten zu ereilen. Unruhig fragte Akizuki seine Kollegen und Patienten, ob ihnen das Haar ausgehe. Alle verneinten. Aber sie waren extrem erschöpft und litten an Durchfall – eines der typischen akuten Symptome des Atombombenabwurfs.

Nach Hiroshima und Nagasaki wurden nie wieder Kernwaffen gegen Menschen eingesetzt, im Kalten Krieg bauten die Supermächte aber ein unvorstellbares Zerstörungspotenzial auf. Derzeit lagern in den Waffenarsenalen noch 16.000 Nuklearwaffen. Weltweit verfügen neun Länder über Atombomben, mehr Akteure denn je haben den Finger am Abzug.

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