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© Bubu Dujmic
Dr. Peter Wallner ist Mitglied im Vorstand des Vereins „Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt“ (www.aegu.net).
 
Leben 18. August 2015

Was an diesem extrem heißen Sommer „schön“ sein soll, ist dem Umweltmediziner ein Rätsel.

3 Fragen, 3 Antworten

Dr. Peter Wallner meint, dass die steigende Gefahr von Hitzewellen in Österreich unterschätzt wird und spricht von einer vorherrschenden „Indolenz und Ignoranz“.

Herr Dr. Wallner, ist die Hitze wirklich so gefährlich wie wir alle glauben?

Wallner: Ich habe eher den Eindruck, dass Hitze nach wie vor unterschätzt wird, auch von Ärzten. Erst vor Kurzem war in einer Internisten-Zeitschrift von diesem „schön heißen“ Sommer zu lesen. Und in Laienmedien wurde der Katastrophensommer 2003 noch bejubelt, als in Frankreich bereits die Leichenhallen übergingen. Insgesamt starben in Europa damals 70.000 Menschen an der Hitze. Auch für Wien konnten wir eine deutliche Übersterblichkeit nachweisen. Wichtig ist dabei, dass man den so genannten „Harvesting-Effekt“ berücksichtigt, also bei den hitzebedingten Sterbefällen die Personen abzieht, die auch ohne Hitze in Kürze gestorben wären.

Wann gilt man gleichsam als Hitzetoter und nicht mehr als normaler Herzinfarkt?

Wallner: Der Nachweis erfolgt statistisch/ epidemiologisch, also über die Übersterblichkeit bei Hitzewellen. In der offiziellen Todesursachenstatistik gibt es hingegen kaum Hitzetote (ICD T67), abgesehen von Toten durch Hitzschlag. Ich könnte mir vorstellen, dass die Bauarbeiter, die heuer hitzebedingt gestorben sind, in der Statistik als „Hitzeschäden-Todesfälle“ aufscheinen. Bei alten, multimorbiden, alleinstehenden Menschen, die in ihrer heißen Wohnung in Folge der Dehydrierung sterben, ist das wohl nicht der Fall.

Was kann man tun, um gefährdete Personengruppen, zu schützen?

Wallner:Im Prinzip kann man sehr viel tun, allerdings herrschen in Österreich Indolenz und Ignoranz vor, selbst dann, wenn die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik die Warnstufe „Rot“ ausruft. Wichtig wäre, dass Verwandte, Nachbarn sich täglich bei alten, allein lebenden Menschen erkundigen, wie es ihnen geht, ob sie Hilfe brauchen. Menschen sollten die Möglichkeit haben, der heißen Wohnung zu entfliehen und ein Cooling Center aufzusuchen. Die Medikation sollte an die Hitze angepasst werden. In Pensionistenwohnhäusern sollte es einen gekühlten Raum geben. In Pflegeheimen sollte das Personal den Trinkmengen und dem Elektrolytstatus besondere Aufmerksamkeit schenken.

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