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© (6) Hannes Turba
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Leben 4. Juni 2015

Metallhaut – Goldhaut

Die Skulpturen von Hannes Turba als Spiegel unserer zerrissenen Glitzerwelt.

Der Bildhauer Hannes Turba beschäftigt sich seit Jahren mit der Darstellung des verwundeten, verwundbaren und aus seiner Verletzung sich weiterentwickelnden Menschen. Er erinnert an die Mythologie Ovids, wonach wir im ehernen Zeitalter leben, dem verkommensten unter den fünf Zeitaltern. Die technischen Errungenschaft bergen die Möglichkeit der allgemeinen Vernichtung in sich.

Die vielfältigen Möglichkeiten der Wissenschaft bieten auch die Möglichkeit, sich sein Geschlecht und seine Rolle selbst aussuchen zu können. Turba zeigt dies Spiel mit den Geschlechtlichkeiten drastisch, wobei die Veränderungen nicht ohne Gewalt, ohne Zerreißungen und Verwerfungen vor sich gehen. Turba sieht weiter: Auch Vervielfältigung von Körperteilen, Empfängnis, Fruchtbarkeit und Nahrung sind im Übermaß bereitet. Dies bringt einen Zwiespalt von lustvollem Entsetzen und Faszination im Erschrecken mit sich.

Artemis, die vielbrüstige Fruchtbarkeitsgöttin, ist nur passagere In-spiration. Sie wirkt aber in die archaisierenden Darstellungen aus Metall oder Keramik hinein, in eine Fülle von optischen und haptischen Erlebnissen, Wagemutige können sich auch an den Klang der metallenen Gestalten herantasten.

Der von Monique Wernbacher beschriebene „brüchige, verwundbare, manipulierbare und medienabhängige Mensch“, den Turba in seiner glänzenden Zerrissenheit präsentiert, wird damit herausgerissen aus seiner virtuellen Welt der Scheinexistenzen und Scheinkontakte.

Pralles Leben als Antwort

Wo wir heute mehr als sonst in der Glitzerwelt dieser Scheinwichtigkeiten mit dem kurzen Aufblitzen vergoldeter Masken reizüberflutet werden, stellt Turba sein „monumentum aere perennius“ (Horaz, 7. Gesang) entgegen. Und wo wir uns scheinbar mit modischer Flatterhaftigkeit begnügen, dem Wind des Tages folgend, dort positioniert er seine neuen Erden: Keramiken, die aus dem prallen Leben kommen, aus Lust, Saft, Farbe und Tränen. Hannes Turba ist ein Beständiger. Sich zwischen seinen Werken zu bewegen verunsichert zuerst ein wenig, gibt aber dann doch Halt und Orientierung.

Ausstellung Hannes Turba

Ort:Kunstraum Dr. David, 1230, Maurer Lange Gasse 47

Eröffnung:17. Juni 2015 durch die Künstlerin Monique Wernbacher

bis Ende August 2015, telefonische Terminvereinbarung: 01/87 97 405

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