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Leben 5. Juni 2015

Peking leidet unter Pappelflocken

„Schneeflocken“ im Frühling – chinesisches Tagebuch Teil 3.

Drei Monate lebt die Springer-Redakteurin Jana Kötter im Reich der Mitte – und erlebt den chinesischen Frühling dort in seiner vollen Blüte.

Den chinesischen Frühling zu erleben, ist ein ganz besonderes Ereignis. Überall blühen die pink- und rosafarbenen Kirschblüten, die Temperaturen sind angenehm mild: Nach mehreren China-Reisen zu den verschiedensten Jahreszeiten würde ich womöglich sagen, dass genau dies die schönste Jahreszeit ist, um den Norden des Landes zu besuchen.

Die Tage sind nach meiner Ankunft vor einigen Wochen nun erstmals so schön warm, dass wir getrost ohne Jacke aus dem Haus gehen konnten. Vor allem für die chinesischen Damen jedoch stellen die ersten Sonnenstrahlen des Jahres keinesfalls Grund zur Freude dar: Sie schützen sich mit Sonnenschirmen eifrig vor der UV-Strahlung.

Dabei hat das Verhüllen, das zum Teil bis zum Tragen von Handschuhen und Schals um das Gesicht reicht, weniger medizinische als vor allem kosmetische Gründe: Eine blasse Hautfarbe gilt hier schlichtweg als Schönheitsideal. Und während in Deutschland und Österreich dem gebräunten Teint oft sogar mit Selbstbräuner oder gar dem Besuch auf der Sonnenbank nachgeholfen wird, enthalten viele Pflegeprodukte hier sogar sogenannte „Weißmacher“, die in den schlimmsten Fällen nicht selten zu Pigmentflecken auf der Haut führen.

Drei Millionen Pappeln gepflanzt

Doch nicht nur schönheitsbewusste Frauen, auch Allergiker leiden unter dem Frühling. Äußeres Kennzeichen der Misere: Pappelflocken tanzen in diesen Wochen wie Schnee durch die Luft. Noch nie habe ich die weißen Samenfäden in so dichten Büscheln gesehen wie hier in Peking.

Diese „Schneeflocken“ stammen von den weiblichen Pappeln, die vielerorts in der Stadt zu finden sind. Die im April und Mai abgesonderten Fasern gelten zwar als nur wenig allergen, sie schweben aber vor allem in Zeiten durch die Luft, wenn auch andere Pollen unterwegs sind.

Laut dem städtischen Amt für Gartenbau wurden in Peking in den 1980er Jahren über drei Millionen Pappeln gepflanzt; einst sollten sie als Rohstofflieferant dienen. Inzwischen haben sie die Geschlechtsreife erlangt und liefern damit vor allem eines: dichte weiße Samenbüschel.

Weibliche Pappeln werden sterilisiert

In diesem Jahr treten die Pappelflocken laut Medienberichten sogar in so großen Mengen auf, dass sie ein öffentliches Ärgernis darstellen. Da eine großflächige Abholzung der Pappeln aber nicht in Frage kommt, hat sich die Pekinger Stadtregierung nun entschieden, 80.000 weibliche Pappeln zu sterilisieren.

Durch ein spezielles Injektionsverfahren soll verhindert werden, dass die Blütenknospen weiterhin Samenfasern produzieren können. Die Sterilisation soll schwerpunktmäßig in der Umgebung von Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen sowie in Parks und Wohngebieten durchgeführt werden. In Stadtbezirken, in denen die Konzentration von Pappelflocken besonders hoch ist, sollen überdies Hochdruckreiniger eingesetzt werden.

Auch wenn ich – toi, toi, toi – keine Probleme mit Pollenallergien habe, so freue ich mich doch für die betroffenen Kollegen darauf, wenn die „Schneeflocken“ wieder verschwunden sind.

Schon bald wird der Frühling dann bereits dem Sommer weichen – mit noch wärmeren Temperaturen und, da bin ich sicher, allerhand neuen Erlebnissen.

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