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Teller mit Fischen als Symbol für die Dreifaltigkeit

Wirtshausschild „Al Leoncino“, wahrscheinlich aus dem Trentino, 19. Jh.

Schild eines Kupferschmieds,verwendet in Innsbruck/Sailergasse, Anfang 17. Jh.

Blick in die Ausstellung: Objekte mit Besitzzeichen; u. a. „gepfotschtes Schaf“, „Fuhrmannsreiter“, Eichstempel, Mehlsack

Herz Mariens, 2. Hälfte 18. Jh. Seit dem 17. Jh. verbreitete sich die Herz-Mariä-Verehrung. Das Schwert weist auf die Schmerzen der Muttergottes hin.

© Tiroler Volkskunstmuseum, Wolfgang Lackner (6)

Eine Wiege, hergestellt aus Kämmen, mit IHS und Pentagramm als Schutzzeichen, 19. Jh.

 
Leben 11. Mai 2015

Das Schöne im Schilderwald

Schutz-, Gebots- oder Verbotszeichen: Die Ausstellung „Mehr als Worte: Zeichen. Symbole. Sinnbilder“ im Tiroler Volkskunstmuseum führt in die Gefilde non-verbaler Kommunikation.

Die Kraft von bildlichen Symbolen ist unbestritten. Die derzeitige Ausstellung folgt dem Phänomen der Zeichen und ihrer Bedeutung bis in die Neuzeit.

Zeichen oder Symbole haben von jeher einen bestimmten Zweck zu erfüllen, oftmals tragen sie sogar eine vielfältige Botschaft in sich. Sie waren von alters her wichtige Bestandteile einer allgemeinen Kommunikation, Ausdruck spezieller Mitteilungen, die weit vor der Schriftkultur liegen. Die ältesten Zeugnisse menschlicher Kulturleistung liegen darin, Zeichen zu setzen, um anderen etwas Wichtiges mitzuteilen: Das konnte etwa ein Wegzeichen sein, das einen sicheren Pfad markiert sein. In Lascaux oder im alpenländischen Bereich am Monte Bego findet man bedeutende Felszeichnungen oder Felsritzungen in großer Zahl. Meist handelt es sich bei diesen frühen bildlichen Darstellungen um kultische Inhalte. So geht es etwa um Jagdglück oder auch um die Gesundheit des Viehs, beides war für das Überleben früher Stammesgemeinschaften von existenzieller Bedeutung. Auch tragbare Amulette, die Böses bannen oder gute Einflüsse verstärken sollten, zählen zu den tradierten Symbolzeichen. Dabei mischten sich oftmals Glauben und Aberglauben miteinander, sie führten aber dennoch über Jahrhunderte eine geduldete Koexistenz.

Zeichen als Botschaft

Da der überwiegende Teil der Bevölkerung des Lesens ohnehin nicht mächtig war, mussten Zeichen in vielerlei Hinsicht zur Information und damit auch zu einem gewissen erweiterten Verständnis von Vorgängen dienen. Die bildhaft-symbolischen Darstellungen an Kirchenportalen der Romanik gaben als „steinerne Bibeln“ auch jenen, die des Lesens nicht kundig waren, Auskunft über das Geschehen, in dessen Mittelpunkt Jesus als Erlöser stand. Aber nicht nur die Heilsbotschaft wurde solcherart vermittelt, auch die Bestrafung und Sühne im Fegefeuer oder Höllenglut wurden bildhaft geschildert. Symbole sorgten dabei aber immer auch für eine verkürzende Zusammenfassung des Inhalts; man musste schließlich auf den ersten Blick erkennen können, worin die Botschaft bestand. Manches war dennoch nicht so leicht lesbar und blieb verschlüsselt.

In der Zeit der Renaissance kam die Emblematik in Mode. Dabei wurden teils religiös oder philosophisch motivierte Sinnsprüche graphisch dargestellt. Man musste schon über ein oft hohes Maß an Bildung verfügen, wollte man diese kryptischen Darstellungen entschlüsseln. Und doch hatten bildhafte Darstellungen oft auch nur eine rein informative Funktion: Gaststätten und Handwerksbetriebe wurden durch eindeutig ersichtliche Haus- und Zunftzeichen bezeichnet und waren somit leicht zu erkennen. So half man sich bei der Orientierung, und das ganz und gar ohne schriftliche Unterstützung.

Herrschaftszeichen

Einen wichtigen Bereich bildet in der Zeichensprache die Heraldik. Sie belegte eindeutig, was der Betreffende „im Schilde führte“. Dies ließ Rückschlüsse auf Rang und Namen zu und das nicht nur bei weltlichen, sondern auch bei kirchlichen Würdenträgern. Die Wappenkartuschen an Schlössern und Gutshöfen gaben damit unmissverständlich Auskunft darüber, in wessen Herrschaftsbereich man sich befand. Kurz, man konnte sich daran verlässlich orientieren. Dies ging im Barock soweit, dass man als Grundlage herrschaftlicher Architektur etwa den Grundriss eines repräsentativen Schlosses den ineinander verflochtenen Initialen des Fürsten nachbildete. Ausgehend von dieser gewählten Form sollten sich Macht und Einfluss auf diese Weise symbolhaft geltend machen.

Im Bereich des Volksglaubens fungierten vergleichbare Formen als Schutzzeichen. Häufig wurde der Name Marias zu einem Schutzsymbol, wobei die Einzelbuchstaben übereinander gelegt wurden und damit den Symbolcharakter ergaben. Der Name war als solcher nicht mehr lesbar; die Wirksamkeit dieser Schutzsymbole, wie etwa auch eines über dem Hauseingang angebrachten Drudenfußes, wurde nicht in Zweifel gezogen. Am „Rauchhaus“, das heute im oberösterreichischen Mondsee als Freilichtmuseum geführt wird, blieben diese Schutzzeichen bis heute erhalten. Aber auch die Inschrift „IHS“, die sich an Kinderwiegen oder auf bemalten Bauernmöbeln findet, hat ihre besondere Bedeutung. Ursprünglich waren die drei griechischen Anfangsbuchstaben des Namens Jesus damit bezeichnet. Im Lateinischen deutete man diese drei Buchstaben als „Jesus Hominum Salvator“ – „Jesus, Retter der Menschen“, während im deutschen Sprachraum die sinngemäße Erklärung „Jesus, Heiland, Seligmacher“ verbreitet war.

Zu den Symbolen der Volksfrömmigkeit zählt zudem das durchbohrte und entflammte Herz Mariens. Seit dem 17. Jahrhundert hatte sich die Herz-Mariä-Verehrung verbreitet. Das Schwert weist dabei auf die Schmerzen der Muttergottes hin. Solch eine bildhafte Darstellung war im ländlichen Bereich allgemein verständlich. Die Signifikanz der Zeichen hat sich über die Jahrhunderte kaum verändert, Piktogramme dienen dort auch heute noch zur genauen und vor allem raschen Orientierung, sie führen symbolhaft eine Botschaft vor Augen.

Ein Zeichen hat den wesentlichen Vorteil, dass es über Sprachbarrieren hinweg auch verstanden werden kann. Ganz gleich, wo man sich auf der Welt befindet, manche Zeichen sind allgemein verständlich. Kommt der moderne Mensch ganz ohne Zeichen aus? Wohl kaum, dazu sind sie als „Icons“ zu allgegenwärtig und in Zeiten der Smart-Phones wohl auch zu populär.

Weitere Informationen: http://bit.ly/1QE0aaF

Thomas Kahler, Ärzte Woche 20/2015

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