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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 20. April 2015

Top Apps in der Medizin

Kann eine kluge App einen klugen Doktor ersetzen?

Neulich bin ich auf eine medizinische App gestoßen, mit der man Muttermale fotografieren, von seinem Handy auswerten lassen und auf Facebook mit seinen Freunden teilen kann. Ist unter den Freunden ein Hautarzt, so kann das mitunter sogar sinnvoll sein. Als alleiniges Tool scheint es nur mäßig geeignet, da das doofe Teil beim Test auch die Unebenheiten auf meiner Lederjacke als bedenklich eingestuft hat. Natürlich steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen. Doch die Entwicklung verläuft rasant. Und schon jetzt gibt es Apps, die sich am Markt etabliert haben (bzw. sich etablieren könnten):

Kategorie Helferlein

Pillen-Erinnerungs-App: Dieses kleine Programm ist im Prinzip ein bloßer Wecker, der Patienten an die Einnahme von Medikamenten erinnert. Da jene Menschen, die die Einnahme ihrer 50 täglichen Tabletten geschätzte 50-mal pro Tag vergessen, meist auch nicht in der Lage sind, die App zu programmieren, ist deren Wert fraglich.

Notfall-App: Sehr sinnvolles Programm, das den Benutzer durch eine Reanimation durchleitet. Wer die App jedoch erst im Zuge eines Herzstillstandes zum ersten Mal startet, verliert wertvolle Zeit, in der man sich registrieren lassen und den Newsletter abonnieren muss.

Kategorie Therapie

Psychotherapie-App: Programme, wie iFreud ersetzen eine jahrelange Ausbildung. Über das eingebaute Mikrofon werden die von den Patienten geäußerten Sätze aufgenommen und über die Sprachausgabe wiedergegeben (aktives Zuhören). Dazwischen kann man die Frequenz der interessierten „Mhhmms“ individuell einstellen. Die Stimme ist berühmten Psychiatern nachempfunden, in der Datenbank befinden sich aber auch Stimmen von Meister Yoda und Rudi Carrell.

Chirurgen-Navi: Für noch nicht so erfahrene operativ tätige Kollegen sind die Apps „Where to cut“ oder „Billroth-Master“ ein Muss. Auch hier wird über Sprachausgabe der Weg zum Wurmfortsatz, zur Gallenblase oder Herzklappe gewiesen. Mittels zweiter Kamera an der Vorderseite lässt sich gleichzeitig ein Selfie im geilen OP-Gewand schießen.

Kategorie Spiel und Spaß

Geocatching-App für Gastroenterologen: Um den internistischen Alltag etwas spannender zu gestalten, empfiehlt sich eine spezielle Form der beliebten GPS-Schnitzeljagd. In diesem Fall findet sich der kleine Schatz eben nicht im Wald, sondern in einer Dickdarmkurve. Per Navi kann man versuchen, ein im Patient verstecktes Plastikfigürchen mit dem Koloskop aufzuspüren und zu bergen. Nicht vergessen, für den Nächsten ein neues Figürchen zu verstecken!

Gerüchten zufolge kommen noch in diesem Jahr der „Privatpatienten-Scanner“ zum Aufspüren zahlungskräftiger Kunden aus dem Patientengut sowie der „Mystery-Patient-Alert“, der den Arzt bei, von der Kasse zu Testzwecken in die Praxis geschickten Fake-Patienten, alarmiert. Zum Download dieser App muss man sich jedoch zuvor beim Hauptverband registrieren lassen.

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