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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 23. März 2015

Bad Hospital

Wer das Prinzip einer „Bad Bank“ verstanden hat, erkennt die Notwendigkeit eines „Bad Hospitals“.

Ich gebe es unverhohlen zu: Das Bankwesen ist mir ein Rätsel. Ich dachte, es in der Volksschule verstanden zu haben, als wir verpflichtend ein Sparbuch führen und monatlich einen gewissen Geldbetrag einzahlen mussten, um anhand von Klebebildchen mit Tiermotiven den Sparfortschritt zu sehen. Obwohl die Zinsen damals noch durchaus ansehnlich waren, war der großartige Gewinn, von dem alle sprachen, zu Jahresende mit 22 Groschen doch eher enttäuschend. Aber es war immerhin logisch: Legst du Geld an, bekommst du was dafür. Dann arbeitet das Geld für dich. Willst du hingegen Geld ausborgen, so musst du in demütiger Haltung beim Geldinstitut vorsprechen und bekommst auch keine Tierbildchen. Dann arbeitest du für das Geld. Bist du nicht in der Lage, die Summe zurückzuzahlen, so wirst du gepfändet, gepfählt oder wanderst in den Schuldenturm. Auch das habe ich verstanden.

Umso staunender lasse ich mir von den Wirtschaftsredakteuren erklären, dass man, selbst wenn man völlig bankrott, keineswegs kreditwürdig und nachweislich unverlässlich ist, Geld anvertraut bekommt – und damit auch ein Haufen Kohle machen kann. Eine marode Bank gründet dazu eine „Bad Bank“ und überträgt dieser die Sünden und Altlasten. Die Bank selbst wird damit wieder sauber, darf am Finanzmarkt wieder mitspielen und neue Sünden begehen. Oder so. Wie gesagt, ganz verstanden hab’ ich es nicht. In der Psychiatrie kennen wir das als dissoziative Identitätsstörung, wenn es zur Abspaltung von Persönlichkeitsanteilen kommt, die man gerne auch verdrängt. Doch während die Patienten hilfesuchend oder zwangsverpflichtet auf Psychopharmaka gesetzt werden, gehören gespaltene Banken zur gesunden Marktwirtschaft.

Im Gesundheitssystem ist die Reputation eines Krankenhauses mittlerweile ebenso von wirtschaftlichem Belang. Fallzahlen, Behandlungsfehler oder Ausbrüche unkontrollierbarer Seuchen auf den Abteilungen werden heute zur Bewertung der Qualität eines Spitals herangezogen und können auch von den Patienten im Internet abgerufen werden. Eine Klinik, die eine hohe Todesrate aufweist, kommt da eher nicht so gut rüber. Um das Erscheinungsbild etwas zu schönen, wäre also die Schaffung eines „Bad Hospitals“, also eines Abwicklungsspitals geradezu ideal. Zu diesem Parallelunternehmen werden all jene Patienten überwiesen, die nur unzulänglich heilbar, unzufrieden oder unerwartet verstorben sind. Das Krankenhaus selbst behält sich die Rosinenpatienten und kann ruhigen Gewissens nach außen eine 100%ige Heilung kommunizieren. Die Wände sind mit Qualitätssiegeln und Dankesbriefen der geheilten Patienten tapeziert. Und so viele Nullen, wie vor den Komplikationsraten stehen, können im Spital gar nicht arbeiten.

Wird dem „Bad Hospital“ die dauernde Erfolglosigkeit und der schlechte Ruf leid,so gründet man einfach ein „Worse Hospital“, in dem die verbockten Fälle geparkt werden können. Da soll noch einer mal sagen, Ärzte verstehen nichts von Wirtschaft.

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