zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 23. März 2015

Risikofaktor Spülmaschine

Moderne Haushaltsführung scheint die Allergiequote bei Kindern zu erhöhen.

Ob das Geschirr in der Spülmaschine oder mit der Hand abgewaschen wird, hat offenbar einen Einfluss auf die Entwicklung von Allergien bei Kindern. Zu diesem Ergebnis kommen schwedische Forscher.

Immunologische Toleranz wird durch die frühe Stimulation des Immunsystems erworben. Der Hygienehypothese zufolge schützt die Auseinandersetzung mit vielfältigen Mikroorganismen vor Allergien. In einer fragebogenbasierten Studie haben Dr. Bill Hesselmar und Kollegen von der Universität Göteborg den Einfluss verschiedener Lebensstilfaktoren auf die Allergieprävalenz von sieben- bis achtjährigen Kindern untersucht ( Pediatrics 2015; online 23. Februar 2015 ).

An der Studie nahmen 1.029 Kinder aus Kiruna im Norden und Mölndal im Südwesten Schwedens teil. Die Eltern wurden zum Beispiel gefragt, wie sie üblicherweise ihr Geschirr waschen, ob das Kind fermentierte Lebensmittel oder Produkte direkt vom Bauernhof esse, wie häufig es während seines ersten Lebensjahres Selbstgekochtes auf den Teller bekommen hatte und wie lange es gestillt wurde. Außerdem wurden Angaben über allergische Erkrankungen wie Asthma, Rhinokonjunktivitis und Ekzeme der Kinder gesammelt.

Schützt fermentierte Nahrung?

In Familien, bei denen das Geschirr mit der Hand gespült wurde, zeigte sich ein geringeres Risiko für die Entwicklung allergischer Erkrankungen. 23 Prozent der Kinder aus Haushalten ohne Spülmaschine litten unter Ekzemen, in Familien mit dieser technischen Errungenschaft lag die Quote bei 38 Prozent. Entsprechende Unterschiede zeigten sich auch beim Asthma (1,7 vs. 7,3 %) sowie beim Heuschnupfen (10,3 vs. 12,9 %), allerdings erreichten diese keine Signifikanz. Auch fermentierte Nahrung und Produkte vom Bauernhof boten offenbar einen gewissen Schutz, Signifikanz war aber nur in der Gesamtgruppe der allergischen Erkrankungen erkennbar.

Während in Familien mit Geschirrspülern, in denen keine fermentierten und auch keine Bauernhofprodukte auf den Tisch kamen, die Allergiequote der Kinder 46 Prozent erreichte, lag sie in Familien mit zwei bis drei dieser Schutzfaktoren bei 19 Prozent.

Vorteile durch Keimvielfalt?

Ein Zusammenhang zwischen dem Aufwachsen auf dem Bauernhof und einem gewissen Schutz vor atopischen Erkrankungen war bereits in früheren Studien erkennbar. Vermutlich steht dies in Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit der großen Menge und Vielfalt an Keimen vor Ort. Ähnliche Effekte entstehen, wenn Kinder fermentierte Nahrungsmittel zu sich nehmen, Produkte direkt vom Bauernhof essen und in der Küche mit der Hand gespült wird.

Bedingt durch den Beobachtungscharakter ihrer Studie, geben die Forscher zu bedenken, sei Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse geboten. Aufgrund der Belastbarkeit der Daten, auch nach Berücksichtigung verschiedener Störfaktoren, hielten sie die Kausalität aber durchaus für möglich.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben