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Leben 4. März 2015

Listerien-Check in öffentlichen Toiletten Wiens

Keime bevorzugen WCs in Parks und Marktnähe.

Die Wiener Toiletten stehen im Mittelpunkt einer Studie der Forschungsgruppe „Globale Lebensmittelsicherheit" an der Vetmeduni Vienna. Wissenschafter untersuchten darin 224 öffentliche Wiener Klosetts, das sind etwa 91 Prozent aller öffentlichen Toiletten in der Hauptstadt, auf den Lebensmittelkeim Listeria monocytogens. Das Resultat: Zwei Prozent aller untersuchten WCs waren mit dem Bakterium verunreinigt. WC-Anlagen in Parks und in der Nähe von Märkten sind häufiger mit dem Keim belastet als WCs in Einkaufszentren oder Bahnhöfen. Die Studie wurde im Journal Zoonoses and Public Health veröffentlicht.      

Das Bakterium Listeria monocytogenes ist ein sogenannter Umweltkeim. Er ist sehr angepasst und widerstandsfähig. Aus früheren Studien an der Vetmeduni Vienna ist bekannt, dass ländliche Gebiete stärker mit Listerien belastet sind als Städte. Wie die Situation in den städtischen Toiletten aussieht, wurde bisher noch nicht untersucht.

Toiletten sind Hygiene-Hotspots

Dagmar Schoder, Leiterin der Forschungsgruppe „Globale Lebensmittelsicherheit" an der Vetmeduni Vienna untersuchte jene Orte in Wien, an denen besonders viele Menschen verkehren. „Städtische Sanitäranlagen sind aus mikrobiologischer Sicht besonders spannende Orte", meint Schoder. „Beim Toilettenbesuch werden über die Schuhe vielerlei Keime durch die WC-Anlagen geschleust. Um zu verstehen, wie sich Listerien verbreiten und wie belastet der städtische Raum eigentlich ist, haben wir Toilettenböden und Schuhsohlen von Passantinnen und Passanten auf Listerien untersucht."

WCs in Parkanlagen und mobilen Containertoiletten besonders betroffen Insgesamt fanden die Forschenden das Bakterium Listeria monocytogenes in zwei Prozent aller Toilettenproben. „Auffallend hoch ist die Rate in WCs von Parkanlagen und mobilen Containertoiletten mit jeweils über zehn Prozent", so Schoder. Toiletten in Einkaufszentren und auf Bahnhöfen sind laut Studie weniger belastet.

Auf Lebensmittelmärkten und Christbaummärkten waren die Listerien besonders häufig zu finden. Schoder erklärt dies so: „Diese Märkte werden häufig von landwirtschaftlichen Betrieben beliefert und bewirtschaftet. Da Listerien auf dem Land tendenziell bessere Überlebenschancen haben, kommen sie dort auch vermehrt vor und gelangen mit den Menschen über die Schuhe in die Stadt."

Für Schuhe gilt: Je tiefer das Profil, desto häufiger werden Listerien nachgewiesen. Auf flachen Schuhsohlen gibt es seltener Keime.
Erkenntnisse für die Lebensmittelindustrie und Privathaushalte
„Die Studie ist besonders für lebensmittelproduzierende Betriebe interessant", meint Schoder. „Dass innerhalb der Betriebe auf höchste Hygiene geachtet wird, ist mittlerweile Standard. Bei Personen, die Waren liefern, sollte besonders auf Hygiene geachtet werden. Gerade LieferantInnen und HandwerkerInnen tragen häufig Arbeitsschuhe mit tiefem Profil. Die regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Schuhe ist also auch hier besonders wichtig." Für Privathaushalte empfiehlt Schoder: „Wohn- und Essbereiche sollten nicht mit Straßenschuhen begangen werden."

Der Artikel "Urban Prevalence of Listeria spp. and Listeria monocytogenes in Public Lavatories and on Shoe Soles of Facility Patrons in the European Capital City Vienna" von Dagmar Schoder, Alois Schmalwieser, Kati Szakmary-Brändle, Beatrix. Stessl und Martin Wagner erschien in der Fachzeitschrift Zoonoses and Public Health. doi: 10.1111/zph.12121

 

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