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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 26. Oktober 2014

NebenWirkungen: Das Zweite Internistische Konzil

Nicht nur in der katholischen Kirche müssen ab und zu Veränderungen zugelassen werden.

Nachdem die Familien-Synode im Vatikan zu Ende gegangen ist, ohne dem ersten verheirateten homosexuellen Paar ein gemeinsames Bischofsamt angeboten zu haben, schwindet nun wieder die Hoffnung, dass sich in der katholischen Kirche je etwas ändern wird. Daneben existieren noch zwei weitere Institutionen, die ähnlich „retro“ zu sein scheinen: Zum einen das Denkmalamt, dem man so ein Verhalten aber auch nicht übel nehmen kann, da sich dessen Existenzberechtigung eben genau darin begründet, alles unverändert lassen zu wollen. Und zum anderen die Medizin. Was man ihr sehr wohl übel nehmen kann.

Natürlich gibt es medizinische Fortschritte, die manchmal „bahnbrechend“, manchmal „hanebüchen“, meistens jedoch „nur für eine Habilitation relevant“ sind. Da werden Grenzwerte nach oben und nach unten geschoben, neue Marker ersetzen die alten Marker, alles ist viel zielgerichteter als je zuvor und der Patient steht nun endlich im Mittelpunkt, obwohl er schon vor zehn Jahren angeblich dort gestanden hat.

Immerhin entwickeln wir uns weiter und forschen. Aber auch der Vatikan betreibt Forschung, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass gut ist, was ist; und nicht gut ist, was auch sein könnte. Demzufolge sind Personen, die meinen, es gäbe auch noch etwas anderes, mit Skepsis zu betrachten. Auch diese Einstellung kommt uns in der Medizin bekannt vor. Denn es gilt, die größten Feinde zu bekämpfen, also nicht die Krankheiten, sondern die Häretiker, die diese Krankheiten vielleicht etwas anders behandeln wollen als in den Doktrinen verordnet. Diese tiefe Kluft aus Lehre der heiligen Medizin und den säkularen Patientenkontakten birgt gewaltigen Sprengstoff. Denn bei aller Selbstverantwortlichkeit, die wir unseren Schäfchen zumuten wollen, dürfen sie durch Ideen, die von der gängigen Lehrmeinung abweichen, nicht auf Abwege gebracht werden.

Dabei sind unsere Patienten womöglich schlauer, als ihnen von den Ärzten zugetraut wird. Einzig die Sprache vermögen sie nicht zu verstehen. Denn immerhin war es früher durchaus noch üblich, die heilige Visite am Krankenbett auf Latein und mit dem Rücken zum Patienten zu halten. Erst mit dem zweiten Internistischen Konzil ging man langsam dazu über, eine verständliche Sprache zu sprechen und begann, nur mehr mit englischen Fachbegriffen um sich zu werfen. Aber immerhin wird dem Patienten heute auch die Hand geschüttelt, wenn er lieb darum bittet. Wir sind also ohnehin im Wandel.

Die Klärung schwieriger Sachverhalte, wie „darf einem Patienten, der sich von einem Alternativmediziner behandeln ließ, die Ausgabe eines heiligen Antibiotikums verweigert werden?“ wird wohl noch einige Jahrzehnte und viele Synoden benötigen.

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