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Leben 24. September 2014

Frauen erkennen Qualität des Samens

Die Fertilität des Mannes steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Dass Frauen die Zeugungskraft eines Mannes blickdiagnostisch einzuschätzen vermögen, scheint nicht erstaunlich. Überraschender ist vielleicht, dass dafür ein Blick ins Gesicht genügt - behauptet zumindest eine spanische Studie.

Ist es zulässig, vom Äußeren eines Mannes auf verborgene Qualitäten zu schließen? Jawohl, sagen zumindest die Vertreter der Phänotyp-korrelierten Fertilitätshypothese. Ihr zufolge gibt die Beschaffenheit der sekundären Geschlechtsmerkmale eines Mannes verlässlich darüber Auskunft, wie es um die Effizienz seiner Fertilität bestellt ist. Der biologische Sinn wäre fraulicherseits darin zu sehen, sich frustrane Proben aufs Exempel zu ersparen. Der Erfolg bzw. Misserfolg der Fortpflanzungsmühen wäre schon aus einiger Entfernung und weit, bevor es zu langwierigen Handgreiflichkeiten kommt, erkennbar.

Attraktivität korreliert mit Güte des Samens

Ob Studieren in diesem Sinne wirklich über Probieren geht, ist unter Fortpflanzungsforschern freilich nicht unumstritten. Ein internationales Forscherteam um Carles Soler von der Universität Valencia, Spanien, hat nun in einer Studie die Attraktivität männlicher Gesichter zur Samenqualität von deren Besitzern in Beziehung gesetzt. Dazu mussten weibliche und männliche Bewerter anhand von Fotografien und auf einer Skala von eins bis zehn einschätzen, wie anziehend die Gesichter von 50 Männern auf Frauen wirken, die sich längerfristig binden wollen. Zuvor hatten die 50 Männer Samenproben zur Analyse abgegeben.

Das Maß der Anziehung korrelierte laut den Berechnungen der Forscher direkt und signifikant mit der Spermaqualität. Dabei stellte sich heraus, dass Qualität und Attraktivität bei Männern mit eher weiblichen Gesichtszügen höher waren. Männer mit männlichen Gesichtern, gemessen etwa an der Breite der Wangenknochen, hatten schlechtere Werte. Die Attraktivität des Männergesichts, nicht aber seine maskuline Prägung, würde demnach positiv mit der Güte des Samens korrelieren – jedenfalls dann, wenn die Anziehungskraft mit Blick auf eine langfristige Beziehung beurteilt wird.

Das steht indessen quer zu dem, was die Phänotyp-korrelierte Fertilitätshypothese postuliert. Um dies zu erklären, ist aber bereits eine andere Hypothese zur Hand. Sie besagt, kurzgefasst, dass jeder Mann sein Testosteron nur einmal investieren kann – entweder in die sekundären Geschlechtsmerkmale oder in die Samenqualität.

Es mag die männlichen Männer trösten: Auch wenn sie als langfristige Partner weniger gefragt sind – wünschen Frauen eine kurze Affäre, haben maskuline Gesichter die Nasen vorn. Einschlägige Studien hierzu sind vorhanden, und die dazu passenden Hypothesen selbstverständlich auch.

 

Originalpublikation: Soler C et al. Male facial attractiveness and masculinity may provide sex- and culture-independent cues to semen quality. J Evol Biol 2014; 1930–1938

springermedizin.de, Ärzte Woche 39/2014

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