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© Bill Bredesen/picture alliance
Der thailändische Polizist Mana Jokoksung war bereits bei mehr als 50 Geburten dabei. In seinem Motorradkasten hat er sein Geburtshilfe-Set immer mit dabei.
 
Leben 11. September 2014

Geburtshelfer im Stau

Eine Spezialeinheit der Polizei in der Metropole Bangkok hilft, wenn Babys im stockenden Verkehr auf die Welt kommen.

Wenn die Wehen kommen, muss es manchmal oft schnell gehen – doch in Bangkoks Staus bleiben auch werdende Mütter stecken. Deswegen werden Polizisten als Hebammen geschult.

In der Acht-Millionen-Metropole Bangkok sind Staus meist unvorhersehbar. Das kann einen Arbeitsweg von normalerweise 20 Minuten zu einer stundenlangen Fahrt machen. Bei einem medizinischen Notfall allerdings kann solch ein Verkehrschaos zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Deshalb wurde 1993 vom thailändischen Königspalast mit einer Finanzspritze von etwa 190.000,– Euro eine Spezialeinheit gegründet, die für medizinische Notfälle geschult werden. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Geburtshilfe im stockenden Verkehr. Die Idee, die dahinter steckt: Wenn es darauf ankommt, sind Polizisten schneller am Einsatzort als die Rettungssanitäter. Denn wenn es sein muss, fahren sie auch auf Gehwegen oder gegen die Fahrtrichtung.

In den vergangenen Jahren kamen mithilfe der Polizisten insgesamt 121 Babys auf die Welt, mehr als 2.600 in den Wehen liegende Frauen wurden durch die verstopften Straßen in ein Krankenhaus eskortiert. Denn die Polizisten dürfen nur Hebammenarbeit leisten, wenn das Krankenhaus nicht rechtzeitig erreicht wird. So helfen sie dabei, dass ein bis zwei Babys im Monat heil das Licht der Welt erblicken.

Ein großes Problem bei den Auto-Geburten sind in der Regel die vielen Schaulustigen. Die Polizisten müssen sie häufig zurückdrängen, um die Privatsphäre der Mutter zu wahren. Bei den meisten Geburten am Straßenrand gehe es um Frauen, die ihr zweites oder drittes Kind bekommen, berichten die Beamten. Oder es handele sich um Migranten aus der Arbeiterschicht, die nur im Notfall in ein Krankenhaus gehen.

Aller Anfang ist schwer

Gerade am Anfang hätten viele Polizisten noch Berührungsängste in ihrer neuen Rolle als Geburtshelfer. Doch bereits nach wenigen Einsätzen legt sich auch die Nervosität und die Sicherheit überwiegt.

Kein Wunder, denn schließlich gibt es auch eine Belohnung: der Jubel der zuschauenden Menschen, wenn das Neugeborene zum ersten Mal schreit.

 

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