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© IMAGNO Franz Hubmann
Architekt Roland Rainer
 
Leben 5. Mai 2014

Blick auf große Zusammenhänge mit Maß und Ziel

Erinnern im Zeichen der Architektur: Am 10. April 2014 jährte sich der Todestag des österreichischen Architekten Roland Rainer zum zehnten Mal.

Sein Serienstapelsessel mit der prägnant gelochten Lehne, entworfen im Jahr 1951 gilt als Ikone der österreichischen Designgeschichte. Dabei wird der wesentliche theoretische und praktische Beitrag Roland Rainers zu einer qualitätvollen Form der Architektur zu wenig gewürdigt.

In Klagenfurt hat Roland Rainer am 1. Mai 1910 das Licht der Welt erblickt. Während seiner Kindheit und Jugend erlebte er das Ende der Monarchie und die Erste Republik. Während der Zeit des Ständestaates absolvierte er sein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Wien. Auf Studienreisen nach Berlin lernte er unter anderen die Arbeiten Mies van der Rohes und Bruno Tauts kennen, auch die von Hans Scharoun blieben ihm nicht unbekannt. Stärker noch war der Einfluss von Josef Frank, dem Mitbegründer der Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM). Rainers 1935 vorgelegte Dissertation über den Wiener Karlsplatz wies bereits auf essenzielle Fragen der Stadtplanung.

1937 führte ihn der Weg nach Berlin zu Mies van der Rohe, der kurz davor stand, in die USA zu emigrieren. Roland Rainer blieb in Berlin, wo er an der deutschen Akademie für Städtebau Grundlegendes zur „ Gegliederten und aufgelockerten Stadt“ formulierte, bevor er mit Beginn des Zweiten Weltkriegs eingezogen wurde. Nach 1945 erschienen zunächst programmatisch-theoretische Schriften wie „Die Behausungsfrage“, in der er seine Gedanken zur Siedlungs- und Gartenstadtbewegung weiter ausführte.

Es ist durchaus interessant, einen kurzen Blick auf die Zeitgenossen Roland Rainers zu werfen, die mit ihm zusammen das Erbe der klassischen Moderne in Österreich in der Zeit nach 1945 weitertrugen. Dazu zählten etwa Ernst Plischke, aber auch Oswald Haerdtl. Letzterer war Ende der 1940er-Jahre Präsident des CIAM Österreich, zu dessen Mitgliedern unter anderen Roland Rainer, Margarete Schütte-Lihotzky und Karl Schwanzer zählten. Im Wien der Nachkriegszeit prägten zudem etwa Franz Schuster und Erich Boltenstern die Architektur der Nachkriegszeit.

Erste Bauten

Im Jahr 1949 erhielt Roland Rainer mit der Volksschule Siebenhirten seinen ersten öffentlichen Bauauftrag. Weitere Bauten wie das zerstörte Franz-Domes Lehrlingsheim in Wien und die Hauptschule in Ternitz (1953/54) folgten. Sein erstes städtebauliches Großprojekt war die Wiener Stadthalle samt Stadthallenbad. An diesem international ausgeschriebenen Wettbewerb hatte sich auch Alvar Aalto beteiligt. Am Mobiliar der Stadthalle aus der Feder Roland Rainers ist eine gestalterische Verwandtschaft zu Alvar Aalto und der skandinavisch geprägten reduzierten Formensprache ablesbar. Architektonisch fand die Reduktion auf das Wesentliche auch in Rainers 1958 entstandenem „Sommerhaus in St. Margarethen“ im Burgenland statt. Der nächst dem Steinbruch gelegene schlicht gehaltene Baukörper fügt sich in das Umland ein, ohne aufzufallen. Das schließt eine innere Radikalität in der Auffassung und Umsetzung von Architektur ein. Seine grundsätzliche Haltung hat Roland Rainer wie folgt in Worte gefasst: „Und wenn man als Architekt nicht die Möglichkeit ergreift, eine menschliche Welt zu bauen, die erfreulich ist, wenn man das nicht tut, dann ist man eigentlich kein Architekt, denn dann macht man keine Architektur, dann baut man halt Volumen.“ Die Wichtigkeit, alle übergeordneten Aspekte architektonischer Planung im Auge zu behalten und dennoch entsprechende Lösungen bis ins Detail zu verfolgen, lag ihm näher als bloße Architekturutopie.

Seine Auffassung von Architektur vermittelte er ab Mitte der 1950er-Jahre als ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule in Hannover sowie an der Technischen Hochschule in Graz. Außerdem lehrte er als Leiter einer Meisterschule für Architekten an der Akademie der bildenden Künste in Wien von 1956 bis 1980.

Stadtplanung als zentrale Frage

In den Jahren 1958 bis 1961 konnte er seine Idee eines „Städtebaulichen Grundkonzeptes für die nächsten 30 bis 50 Jahre“ als Stadtplaner in Wien verwirklichen. Vieles von dem, was damals durch Roland Rainer geplant und in Angriff genommen wurde, erwies sich bis heute als grundsätzlich zielführend. Der Blick auf die großen Zusammenhänge blieb für ihn stets von höchster Wichtigkeit. Die aktuellen Fragen des Städtebaus begleiteten ihn lebenslang, wie die Publikationen „Städtebauliche Prosa“ (1948) oder „Kriterien der wohnlichen Stadt“ (1978) sowie „Gartenstadt Puchenau II (1984) belegen.

Die Gartenstadt Puchenau I, deren erste Baustufe von 1963 bis 1968 verwirklicht wurde, bot die Möglichkeit der konkreten Umsetzung. Aber auch kommunale Bauten wie die bereits erwähnte Wiener Stadthalle, die in Kooperation geplante Stadthalle in Bremen sowie die Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen standen immer wieder, speziell in den 1960er-Jahren im Mittelpunkt seines Schaffens. In Wien forderte ihn die Aufgabe, das neue ORF-Zentrum am Küniglberg zu planen, auf ganz andere Art und Weise: Die Vielfalt und Verschiedenheit der einzelnen baulichen Komponenten hat er im Gesamtprojekt als „Technisches Zentrum“ zusammengefasst. In weiteren städtebaulichen Projekten wie etwa bei Reihenhaussiedlungen hat Roland Rainer wegweisend gewirkt.

Die Ökonomie der eingesetzten Mittel, kombiniert mit stilistisch überzeugenden Lösungen blieb ihm ein wesentliches Anliegen. In einem Interview in „Architektur und Bauformen“ 01/2003 beantwortet er die Frage „Wer bestimmt, was qualitätvolle Architektur ist?" folgendermaßen: „Indem man etwas davon versteht. Aber leider wird nicht die Qualität diskutiert.“ Das Ergebnis dieser fehlenden Haltung hat man täglich vor Augen.

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