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Leben 10. März 2014

Schokoladengenuss auf Spitalsstationen

Eine Studie geht der Frage nach, wie lange es dauert, bis eine Schokoladenschachtel leer gegessen wird.

Die positiven Effekte von Schokolade sind gut erforscht. Der braune Stimmungsaufheller ist ein wichtiges Therapeutikum gegen Burnout und Depression. Kein Wunder, wenn in Krankenhäusern seine Überlebenszeit kurz ist.

In einer multizentrischen, prospektiven und verdeckten Beobachtungsstudie untersuchte man die Überlebenszeit von zufällig im Stationszimmer aufgelegter Schokolade der Marken Quality Street (Nestlé) und Roses (Cadbury). Der Untersucher platzierte zwei 350-g-Schachteln beider Marken auf vier Stationen in drei Krankenhäusern. Insgesamt wurden acht Schachteln mit 258 einzeln verpackten Täfelchen verbraucht. Die Finanzierung erfolgte durch die Untersucher selbst, ein Interessenkonflikt wird nicht angegeben. Eine Anmeldung der Studie bei der Ethikkommission der beteiligten Krankenhäuser erfolgte nicht, da keine persönlichen Daten erhoben wurden. Alle sieben Autoren standen für eine ständige Beobachtung der Schokolade zur Verfügung. Es liegt hier also der seltene Fall vor, dass alle Autoren in gleicher Weise an der Datengewinnung beteiligt waren.

Mediane Überlebenszeit: 51 Minuten

Bei 191 der 258 Täfelchen (74 %) konnte der Verzehr direkt beobachtet werden. Die gesamte Beobachtungsdauer für alle acht Schachteln betrug 254 Minuten (95%-Konfidenzintervall [KI] 179–329 Minuten). Die mediane Überlebenszeit der Schokolade lag bei 51 Minuten (95%-KI 39–63 Minuten). Der Schokoladenkonsum erfolgte in Form einer exponentiellen Verschwinderate nach dem Modell R2 = 0,844, p < 0,001. Zwischen dem Auflegen der Schachtel auf der Station und der Öffnung vergingen im Mittel zwölf Minuten (95%-KI 0–24 Minuten). Die Schokolade der Marke Quality Street überlebte signifikant länger als die Marke Roses (Hazard Ratio für Überleben 0,70; p = 0,014).

Von den einzelnen Berufsgruppen stachen als Konsumenten vor allem Stationsassistentinnen und Krankenschwestern mit jeweils 28 Prozent sowie Ärzte mit 15 Prozent hervor.

Kritische Anmerkung

In einem Kommentar im Fachmagazin MMW-Fortschr. Med 2014; 156 (3) merkt Prof. Dr. H.S. Füeßl vom Isar-Amper-Klinikum, Kl. München-Ost, Haar, Deutschland, kritisch an, dass die Studie während des Ramadan durchgeführt wurde. Zudem wurde der Prozentsatz von Beschäftigten mit muslimischem Glauben in der Untersuchung nicht mitgeteilt. Eine Wiederholung der Studie zu anderen Jahreszeiten wäre daher ratsam, um den positiven bzw. negativen Einfluss des Schokoladenkonsums zu untersuchen. Zu nennen wären dabei Ostern und Weihnachten sowie der Jahresanfang.

Originalpublikation: P. R. Gajendragadkar et al. The survival of chocolate on hospital wards: covert observational study. BMJ 2013;347:f7198

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