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© Ctibor Bachratý
Die Serenaders Sisters.
© Ctibor Bachratý

Bandleader und Trompeter Juraj Bartoš.

© Margita Mancová-Pechová

Die Interpreten stilvoller Swing- und Tanzmusik aus den 1920er- und 1930er-Jahren.

© Bratislava Hot Serenaders

Gruppenbild mit Damen: die Bratislava Hot Serenaders.

 
Leben 10. Februar 2014

Der Ton macht die Musik

Zwar gibt es die legendären Tanzpaläste nicht mehr und auch viele der großen Orchester der Swing-Ära sind längst Geschichte. Jedoch mit einer Ausnahme: denn die Bratislava Hot Serenaders lassen heute musikalisch die 1920er- und 1930er-Jahre wieder aufleben.

Fast traut man seinen Ohren nicht und doch spielt hier ein Orchester, das den Ton der Ära des Swing und gepflegter Tanzmusik zurückbringt.

Es hat schon etwas Nostalgisches an sich, wenn man, statt nur dem Rauschen und Knistern alter Aufnahmen auf Schellacks zu lauschen, den Wunsch verspürt, diese Musik der 1920er- und 1930er-Jahre einmal live zu erleben. Zwar gibt es eine Reihe ausgezeichneter Big Bands und Tanzorchester, die in nahezu allen Musikstilen versiert sind, aber nur wenige, die stilistisch und musikalisch die große Ära des Swing wieder aufleben lassen.

Der Weg zu den Bratislava Hot Serenaders führte über Umwege. Zunächst begann alles mit der Begeisterung für englische und amerikanische Orchester der Zwischenkriegszeit und einer Recherche über die deutschen Big Bands, wie etwa die legendären Weintraub Syncopators und die Goldene 7. Letztere war ursprünglich als propagandistisches Gegenmittel zu dem im Deutschland der 1930er-Jahre grassierenden Swing-Fieber gedacht, das von englischen, aber besonders von amerikanischen Bands ausging und die sogenannte Swing-Jugend in seinen Bann zog. Für diese Jugendlichen bedeutete dies anfänglich eine Möglichkeit, sich gewisse nonkonformistische Freiräume zu schaffen, bis das nationalsozialistische Regime mit brutalen Maßnahmen darauf reagierte.

Doch auch die Musiker der Goldenen 7 waren längst nicht so linientreu wie vorgesehen. Man bewegte sich musikalisch am Rand des gerade noch Zulässigen, ohne sich jedoch offen als Swing Big Band zu deklarieren. Diese Sehnsucht nach eingängigen Melodien, erstklassigen Arrangements, ganz ohne Knistern und auch ohne die Schallplatte, wie das so üblich war, wenden zu müssen, blieb und übertrug sich auch auf jüngere Musiker.

Die magischen 18

Nun gehört allerdings schon eine Menge Leidenschaft dazu, wenn sich 18 Musiker und Musikerinnen ganz und gar der Musik der 1920er- und 1930er-Jahre verschreiben. Geschieht dies noch dazu auf diese sehr spezielle, von den Bratislava Hot Serenaders unter ihrem Bandleader Juraj Bartoš praktizierte Art und Weise, ist dies ein unglaublicher Glücksfall. Zunächst wurde akribisch nach alten Aufnahmen gesucht, denn längst war der Großteil der alten Schellacks kaum mehr zu finden, die Noten nur schwer, wenn überhaupt zu bekommen. Die Arrangements mussten Stück für Stück mühsam erarbeitet werden, bis daraus, über Jahre hinweg, ein beachtliches Repertoire entstanden war, das eine Vielzahl slowakischer wie auch englischer und amerikanischer Titel umfasst. Und dieses Repertoire wird nun wieder so interpretiert, wie es vor mehr als 70 Jahren üblich war. Braucht es dazu Begeisterung? Unbedingt, denn anders wäre dies gar nicht möglich. Und dieser Enthusiasmus hält die Bratislava Hot Serenaders seit 1992 erfolgreich zusammen. Man kann mit Recht behaupten, dass die Mitglieder des Orchesters mit Leib und Seele bei der Sache sind. Wie auch die Sängerinnen des charmanten Damentrios, die „Serenaders Sisters“ in ihren original dem Stil der späten 1920er-Jahre entsprechenden Kostümen.

Musikalisches Erbe

Die Einflüsse kamen ursprünglich aus England und den USA, wo während der goldenen Ära der britischen und amerikanischen Tanzorchester, etwa Jack Hylton mit seinem Orchester zum führenden britischen Bandleader wurde, der mit Unterstützung der besten Arrangeure seiner Zeit schwungvolle Tanzmusik spielte und mit seiner Big Band durch ganz Europa tourte. Der Einfluss englischer und amerikanischer Bands war somit auch in der Slowakei spürbar, wie etwa an der Aufnahme „Livin´ in the sunlight, lovin´in the moonlight“ aus dem Jahre 1930, das im Original vom amerikanischen Bandleader Ben Bernie und dem Hotel Roosevelt Orchestra aufgenommen wurde, zu hören ist.

Überwiegend besteht das Repertoire jedoch aus Stücken, die in den 1920er- und 1930er-Jahren in Bratislava und Prag aufgenommen wurden, speziell jenen, des äußerst populären Schauspielers, Sängers, Komponisten und Arrangeurs František Krištof Veselý aus Bratislava, der mit 250 Kompositionen, die sich im Archiv des slowakischen Rundfunks befinden, slowakische Musikgeschichte geschrieben hat. Und damit dieses Kapitel nicht in Vergessenheit gerät, spielen die Bratislava Hot Serenaders eben jene Stücke wie etwa „Tatransky Express“, als Hommage an František Krištof Veselý, der sein Publikum auch durch gefühlvolle Interpretationen begeisterte. In einigen anderen Aufnahmen steht der Jazz und Swing-Einfluss jedoch im Vordergrund.

Veselý hat als Komponist auch in anderen Bereichen maßgebend gewirkt, wie etwa in späteren Jahren in einigen Operetten-Produktionen in seiner Heimatstadt Bratislava. Was diese Big Band, die sein musikalisches Erbe in Ehren hält, so einzigartig macht ist, dass ihre Musik und das gesamte Erscheinungsbild authentisch wirken. In der Rolle des Crooners geben sich bei den Auftritten Miloš Stancík und Jozef Kurilák sowie der slowakische Schauspieler und Sänger Milan Lasica die Ehre. Letzterer ist auf den beiden CD-Aufnahmen „Ja som optimista“ und „Celý svet sa mrací“ zu hören.

Der internationale Erfolg der Bratislava Hot Serenaders lässt sich bei Festivals wie im französischen Saint Raphael, das auf die Musik der 1920er- und 1930er-Jahre spezialisiert ist, messen. Denn dort gewann das Orchester vor einigen Jahren die renommierte Auszeichnung in Gold. In Österreich war diese Big Band bislang noch nicht zu sehen und live zu hören. Es ist zu hoffen, dass sich das in Zukunft ändern wird. Interessierten bleibt derweil jedoch der Weg nach Bratislava, dort geben die Bratislava Hot Serenaders regelmäßig Konzerte.

T. Kahler, Ärzte Woche 7/2014

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