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© Fotos (5) „Imster Fasnacht“, Haus der Fasnacht Imst
Imster Schemenlauf: Scheller und Roller in prachtvoller Kostümierung.

„Buabefasnacht“: Scheller und Roller beim „Gangl“.

„Buabefasnacht“: Spritzer in Aktion.

„Buabefasnacht“: Porträtaufnahme eines Sackners aus dem Archiv des Hauses der Fasnacht Imst, 1950er-Jahr.

„Buabefasnacht“: Bär mit Bärenführer.

 
Leben 24. Jänner 2014

Im Zeichen der Fasnacht

Seit 2012 gehört der „Imster Schemenlauf“, der alle vier Jahre stattfindet, zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe. Wem die Zeit bis zum nächsten großen Fasnachtsumzug zu lange wird, der hat am 9. Februar 2014 Gelegenheit, die „Buabefasnacht“ in Imst in Tirol zu erleben.

Manche Traditionen haben ihre ganz spezielle Bedeutung und Berechtigung, weil sie die eigene Identität auf besondere Art und Weise prägen. Dazu gehört der Imster „Schemenlauf“ und die „Buabefasnacht“.

Im Abstand von drei bis fünf Jahren herrscht Ausnahmezustand in Imst: Denn da laufen seit Monaten die Vorbereitungen für den „Imster Schemenlauf“ auf vollen Touren. Der Aufwand für alle Beteiligten ist groß, ebenso wie die Begeisterung bei Jung und Alt. Die gesamte Organisation und Vorbereitung nimmt schließlich einiges an Zeit in Anspruch. Kostüme und Masken müssen vorbereitet und die mit Imst verbundenen Themen für die Fasnachtswägen festgelegt werden. Heuer allerdings haben die Jungen das Sagen: Bei der „Buabefasnacht“ kommt der Fasnachtsnachwuchs zum Zuge. Ohne ihn gäbe es keine Zukunft für dieses weit über die Region hinweg bekannte Fasnachts-Brauchtum. Die jungen Teilnehmer, etwa 350 an der Zahl, kommen alle aus Imst. Sie sind mit dem Schemenlauf, an dem traditionell nur Buben und Männer beteiligt sind, familiär meist über Generationen verbunden.

Historisch gesehen geht der „Imster Schemenlauf“ bis in das 16. Jahrhundert zurück, die Ursprünge seiner Entstehung liegen jedoch im Dunklen. Die „Buabefasnacht“ ist weit jüngeren Datums, sie ist ab 1900 in der Imster Ortschronik nachweisbar. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das jugendliche Fasnachtstreiben dem Schemenlauf der Erwachsenen entsprechend organisiert.

Scheller und Roller

Die traditionellen Larven und typischen Charaktere finden sich da wie dort, Unterschiede in der Kostümierung gibt es keine. Die paarweise auftretenden Hauptfiguren Roller und Scheller prägen auch bei diesem Umzug dessen besonderen Charakter. Als Deutung dieser Figuren ist naheliegend, dass die Scheller mit ihren bärtigen Masken den Winter symbolisieren, die Roller als weiblicher Gegenpart hingegen den Frühling. Komplettiert wird die Kostümierung durch den „Schein“, dem prächtigen Kopfputz beider Figuren. Das rituelle Kräftemessen der beiden findet durch rhythmisches Läuten mit den Schellen, den eckigen „Klöpfe“ und den ovalen „Kumpfe“ beim Tanzspiel von Roller und Scheller, dem „Gangl“ statt. Das „Gschall“, bei den Erwachsenen mit bis zu acht Schellen bis zu 35 Kilogramm schwer, fällt bei den Jungen natürlich leichter aus. Aber der Rhythmus muss in beiden Fällen stimmen.

Der Roller ist die elegantere der beiden Figuren, sein Kostüm ist auch farblich mit dem des Schellers abgestimmt. In der rechten Hand hält er den Pemsl, das Gegenstück zum Stab des Schellers. Auf Letzterem steckt zunächst ein Apfel, der später durch eine Breze ersetzt wird. Roller und Scheller sind zwar die Hauptgruppe des Schemenlaufs, aber natürlich nicht die Einzigen, die diesen prachtvollen Umzug ausmachen.

Die Bedeutung der Figurengruppen

Dem „Imster Schemenlauf“ symbolhaften Charakter zuzusprechen hat historische Hintergründe, denn abgesehen vom Handel, waren die Menschen in früheren Zeiten in jeder Hinsicht auf eine gute Ernte angewiesen. Schließlich bedeutete dies, dass man genug zum Leben hatte, manchmal sogar einen gewissen Wohlstand. Ein Jahr mit schlechten Ernten hatte Hunger und Armut zur Folge.

Mit dem Aufkommen des Fernhandels über die Tiroler Pässe verbesserten sich ab dem 18. Jahrhundert die Lebensbedingungen der Bevölkerung, dadurch wurden die Fasnachtsumzüge auch prächtiger. Nicht immer wurden sie von Obrigkeit und Kirche toleriert, immer wieder kam es zu Maskenverboten wie etwa 1707 in Tirol, um dem schwer kontrollierbaren Treiben Einhalt zu gebieten. Zu den Nebenfiguren des Zuges zählen die Spritzer, die ihre Aufgabe im Zug mit entsprechendem Eifer nachkommen: Sie spritzen mit Wasser und machen den Weg frei. Nicht selten trifft der Strahl dabei den ein oder anderen Zuschauer. Die Kübele-Majen helfen dabei auf ihre Weise. Sie stäuben Neugierige mit Puder aus einem mitgeführten Holzkübel ein. Sackner und Sacknerinnen sorgen für Ordnung, damit der Ablauf des Umzuges nicht gestört wird. Die Langscheller und Langroller persiflieren als komisches Element den ernsten Auftritt von Scheller und Roller. Komplettiert wird der Umzug durch die Hexen und Bären, Kaminer, Vogelhändler, Korbweible und die Labara, die lächerliche Geschichten aus Imst als Moritat vortragen. Auch die Hexen- und Bärenwagen dürfen natürlich nicht fehlen.

Vom Mittagsläuten an ist der Fasnachtszug, der mit dem Aufzug vom Stadtplatz zur Imster Pfarrkirche und wieder bis zum Abschluss am Stadtplatz führt, fünf Stunden unterwegs. Was für die Erwachsenen anstrengend genug ist, das ist für die Kinder und Jugendlichen nicht minder fordernd. Kostüm und Larve wollen, dem Charakter der Fasnacht entsprechend, natürlich auch mit der nötigen Ernsthaftigkeit getragen werden. Wer keine Zeit findet, anlässlich der „Buabefasnacht“ oder des „Schemenlaufs“ nach Imst zu kommen, dem bleibt während des Jahres ein Besuch im „Haus der Fasnacht“. Dort ist das Archiv der „Imster Fasnacht“ untergebracht, zudem finden dort auch Ausstellungen rund um dieses Thema statt.

Zum Nachbarort Telfs, der mit dem „Schleicherlauf“ auf eine ebenfalls weit zurückreichende Fasnachtstradition zurückblicken kann, pflegt man übrigens ein gutes Verhältnis. Hauptsache das Fasnachtstreiben wird weiter gepflegt und bleibt so, wie auch in anderen Orten Tirols, lebendig.

T. Kahler, Ärzte Woche 5/2014

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