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Leben 1. November 2009

Wissenschaftliche Aktivität und Arbeitszeit von Ärzten an Universitätskliniken: Ergebnisse aus "The Innsbruck and Salzburg Physician Lifestyle Assessment"(TISPLA)

Die Frage des im Beruf zu erwartenden Lebensstils ist mithin für Ärzte ein bedeutender Entscheidungsfaktor geworden. In Universitätskliniken mit dem Auftrag sowohl zur Patientenversorgung als auch zum wissenschaftlichen Arbeiten könnte insuffiziente Freistellung zur Erfüllung des Wissenschaftsauftrages während der Normalarbeitszeit zu vermehrten Überstunden führen und so zudem die Attraktivität einer akademischen Karriere für Jungmediziner mindern. Das Ziel dieser Umfrage war es, eine mögliche Assoziation zwischen wissenschaftlichen Publikationen und erhöhter Arbeitszeit von Ärzten zu finden. METHODEN: TISPLA ist eine Querschnittsstudie unter bezahlten angestellten Ärzten der Salzburger und Tiroler Landeskliniken. Der primäre Outcome-Parameter war die berichtete Anzahl wissenschaftlicher Publikationen in den vergangenen zwei Jahren sowie die berichtete durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit. ERGBNISSE: Von 590 beantworteten Fragebögen waren 393 komplett ausgefüllt und wurden eingeschlossen. Die Teilnehmer wurden je nach der Anzahl von Publikationen in drei Gruppen unterteilt. (Gruppe A: Sechs oder mehr Publikationen in zwei Jahren; Gruppe B: Eine bis sechs Publikationen in zwei Jahren; Gruppe C: Null Publikationen in zwei Jahren) Männer hatten häufiger wissenschaftliche Publikationen als Frauen. In Gruppe A bestand eine männliche Prädominanz von 75% verglichen mit 48% in Gruppe C (p = 0,0034). 59% (n = 232) aller Teilnehmer hatten keine Publikationen in zwei Jahren (Gruppe C) . Sie arbeiteten durchschnittlich 58,3 ± 12 Wochenstunden. In Gruppe B (n = 113) wurden 2,4 ± 1,4 Artikel publiziert, die Arbeitszeit war 62,8 ± 12,9 Wochenstunden. In Gruppe A (n = 48) war die Zahl der Artikel 11,5 ± 6,6, die Wochenarbeitszeit 73 ± 13,1 Stunden. In Gruppe A machte Wissenschaft 13,3% der Gesamtarbeitszeit aber 60% der Überstunden aus. Dies verdeutlicht, dass Wissenschaft hauptsächlich während der Überstunden passiert. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Bei angestellten Ärzten an Universitätskliniken in Österreich ist wissenschaftliches Arbeiten mit deutlich erhöhter Arbeitszeit vergesellschaftet. Dies ist als Zeichen unzureichender Verfügbarkeit von Normalarbeitszeit zur Erfüllung des Wissenschaftsauftrages zu interpretieren. Anpassungsmaßnahmen sind notwendig, um talentierten Jungmedizinern eine akademische Karriere bei vertretbaren Bedingungen zu ermöglichen.

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