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Gesundheitspolitik 1. Mai 2007

Das Klinische Ethik-Komitee (KEK) im Spannungsfeld zwischen Krankenhaus-Zertifizierung, Moralpragmat

In den letzten Jahren sind zahlreiche Beratungsgremien für medizin- und bioethische Fragen entstanden. In dieser Arbeit wird das Klinische Ethik-Komitee (KEK) vorgestellt, das zur Klärung konkreter moralbezogener Probleme im Krankenhausalltag, zur Entwicklung von Leitlinien sowie zur medizinethischen Weiter- und Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt werden kann. Ausgehend von den konfessionellen Krankenhäusern am Ende der 1990er Jahre sind mittlerweile an einer großen Zahl deutscher Kliniken solche Komitees gegründet worden, häufig im formalen Zusammenhang mit der anstehenden Zertifizierung des Krankenhauses. Am Beispiel des Universitätsklinikums Mannheim (Baden-Württemberg) wird die Etablierung eines KEK vor dem Hintergrund seiner formalen Strukturen beschrieben, die sich aus Satzung und Geschäftsordnung ergeben. Ein zentraler Aspekt der Arbeit eines KEK ist die individuelle Beratung, zum Beispiel im Falle eines umstrittenen Therapieabbruchs bei einem komatösen Patienten. Zunächst muss jedoch geklärt werden, ob überhaupt ein ethisches Problem vorliegt, auf das die Rat Suchenden keine Antwort wissen, oder ob dem KEK lediglich eine rhetorische Frage mit dem Ziel gestellt wird, einen Bündnispartner zu finden. In diesem Falle sind Enttäuschungen vorprogrammiert; die Qualität einer ethischen Beratung lässt sich nicht am Grad der Übereinstimmung mit vorgefassten moralischen Auffassungen messen. Das KEK ist keine klinische "Moralpolizei", sondern ein multiprofessionell zusammengesetztes Gremium, in dem die wissenschaftlich ausgerichtete Medizinethik eine zwar wichtige, aber keineswegs dominante Rolle spielt. Aussagekräftige Kriterien und Messverfahren für die Wirksamkeit Klinischer Ethik-Komitees müssen in naher Zukunft entwickelt und in der Praxis getestet werden.

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