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Prof. Dr. Kurt Widhalm
 
Gesundheitspolitik 8. September 2017

„Steuerung von Lebensmittelpreisen darf man in Österreich nicht ansprechen.“

3 Fragen, 3 Antworten

Die übergewichtigen Kinder von heute sind die chronisch kranken Erwachsenen von morgen, sagt Ernährungsmediziner Kurt Widhalm. Sein Vorsorge-Programm EDDY-young an einer Volksschule in Wien-Meidling war bislang ein durchschlagender Erfolg. Doch sind die erzielten Verbesserungen bei übergewichtigen und adipösen Kindern auch nachhaltig?

Haben Ernährungskurse und Bewegungsprogramme mit Kindern, wie EDY-young langfristig positive Auswirkungen oder verpufft der Effekt nach Auslaufen des Projekts wieder?

Widhalm: Gute Frage. Es gibt internationale nur wenige Studien, die über mehrere als zwei Jahre gelaufen sind. Es gibt eine, die vier Jahre gelaufen ist. Eines ist aber schon klar: Das muss ein permanenter Prozess sein. Wir setzen unsere Studie jedenfalls fort, wir machen weiter. Und unsere Vision wäre, dass EDDY ein Programm wird, das im Schulbetrieb voll integriert und auch nicht auf die Volksschule beschränkt ist, sondern in Haupt- und Mittelschulen, aber auch in Betrieben mit Erwachsenen fortgeführt wird.

Wie stark senkt eine Kindheit mit wenig Bewegung und falscher Ernährung die Lebenserwartung?

Widhalm: Wenn sich die Obesity Epidemie so weiterentwickelt, wird die Lebenserwartung in zehn bis 15 Jahren bei diesen Personen um ca. fünf Jahre reduziert sein. Das sind Prognosen, Daten dazu gibt es nicht.

Greifen Programme wie EDDY-young und andere nicht zu kurz? Wird man sich nicht doch – analog zu den Auseinandersetzungen mit der Tabakindustrie – einmal ernsthaft mit der Lebensmittelindustrie anlegen beziehungsweise Verbote für Lebensmittel oder Getränke mit zu hohem Zuckergehalt aussprechen müssen?

Widhalm: Sie reißen ein wichtiges Thema an, die Steuerung. Rauchen wird durch Preispolitik gesteuert. Da gibt es Zusammenhänge, die durch Studien belegt sind. Wenn sie die Zigarettenpreise um zehn Prozent erhöhen, geht der Konsum um zehn Prozent hinunter. Das Thema Steuerung von Lebensmittelpreisen darf man in Österreich nicht ansprechen. Die WHO verlangt das aber, die WHO verlangt ganz konkret: Preisgestaltung. Das bedeutet nicht Extra-Steuern auf bestimmte Lebensmittel, aber gesunde Lebensmittel günstiger anbieten, und auch die Anreize für den Kauf von gesunden Lebensmitteln schafft. Da gibt es sicher Möglichkeiten. Die Industrie ist aufgerufen mitzutun, da stehen wir aber sicher noch sehr am Anfang.

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Prof. Dr. Kurt Widhalm Präsident des Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin und Leiter des Projekts EDDY-young

© ÖAIE/www.citronenrot.at

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