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Mag. Gabriele Burgstaller
 
Gesundheitspolitik 30. Juni 2017

„Die Ärzte werden entlastet, andere Berufe wie die Pfleger aufgewertet“

3 Fragen, 3 Antworten

Ist das schon wieder drei Jahre her? Gabriele „Gabi“ Burgstaller regierte von 2003 bis 2014 das Land Salzburg. Heute ist sie wieder in der Arbeitskammer Salzburg tätig. Aufgrund der Erfahrungen im PHC Enns erwartet Burgstaller auch in Salzburg, nach die Gründung von Ärztenetzwerken und -zentren, einen Rückgang der nicht-ärzlichen Leistungen.

Wird das Primärversorgungsgesetz das Aus für die klassischen Hausärzte bedeuten?

Burgstaller: Nein, die Hausärzte wird es weiter geben. Aber in vielen Gemeinden gibt es eben keine mehr und 2030 sind Dreiviertel aller Hausärzte österreichweit im Pensionsalter. Die Einzelordination, wie wir sie kennen, ist für die Jungen keine Option mehr, vor allem junge Medizinerinnen wollen das nicht mehr. Gleichzeitig sind Ärzte durch viel nicht-ärztliche Tätigkeiten blockiert, es gibt hierzulande rund 400.000 chronisch Kranke, die versorgt werden müssen. Ob das tatsächlich ein gelernter Arzt machen muss glaube ich nicht, diese Patienten wären auch bei einem Pfleger in guten Händen. Das Beispiel in Enns zeigt, dass dort die nicht-ärztlichen Leistungen von früher 50 Prozent auf zehn Prozent zurückgegangen sind.

Welche Vorteile hat ein Patient?

Burgstaller: Der Patient soll wohnortnah eine bessere Versorgung bekommen, mit längeren Öffnungszeiten, wenn mehrere Ärzte sich die Dienste teilen können. Durch das Vernetzen der Gesundheitsberufe bekommt der Patient mehr Leistung.

Viele Hausärzte am Land haben Angst davor, mit Kollegen gemeinsam in einem Primärversorgungszentrum zu arbeiten. Was sagt man diesen Ärzten?.

Burgstaller: Das stimmt, ich habe im Vorfeld dieser Veranstaltung auch viele Mails von besorgten Ärzten bekommen die Angst haben, sie würden abgeschafft. Das ist natürlich falsch. Alle Hausärzte werden eingeladen, Teil des Netzwerkes oder des Zentrums zu werden, sie haben Vorrang. In einem Netzwerk können sie alle Vorteile einer Teamarbeit genießen, nicht nur in medizinischer Hinsicht sondern auch bei der Lebensqualität. Die Ärzte werden entlastet, andere Berufe wie zum Beispiel die Pfleger und andere Akteure werden aufgewertet. Vorteile bringt das neue Gesetz aber auch für die Bundesländer, denn die Basis ist der regionale Strukturplan, das heißt, die Länder haben jetzt eine echte Mitsprache, jetzt ist die Planung aus einer Hand möglich.

Mag. Gabriele Burgstaller Gesundheitsreferentin der AK, Ex-Landeshauptfrau (SPÖ)

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