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© A. Mazhar
Mag. Astrid Mazhar ist Klinische und Gesundheitspsychologin in Baden bei Wien. Sie arbeitet in ihrer Praxis seit Jahren mit kaufsüchtigen Patienten.
 
Gesundheitspolitik 20. Februar 2017

„Es hängt davon ab, wie bereit man ist, etwas zu verändern“

3 Fragen, 3 Antworten

Menschen, die glauben kaufsüchtig zu sein, sollten sich an einen Verhaltenstherapeuten wenden, rät die Klinische Psychologin Mazhar. Vorsicht! Die Krankenkasse zahlt nicht.

Sind mehr Frauen oder Männer von Kaufsucht betroffen?

Mazhar: Etwa 60 Prozent der Betroffenen sind weiblich, 40 Prozent männlich. Es ist also keineswegs, wie oft dargestellt, ein weibliches Phänomen. Frauen kaufen eher Kleidung, Schuhe und Kosmetika, Männer technische Geräte oder Baumarkt-Produkte.

Wohin kann ich mich wenden, wenn ich glaube, kaufsüchtig zu sein?

Mazhar: Menschen, die glauben von dieser Suchterkrankung betroffen zu sein, sollten sich an erfahrene Verhaltenstherapeuten wenden. Die Therapie wird jedoch nicht von der Krankenkasse bezahlt, da es keine anerkannte Diagnose dieser stoffungebundenen Sucht gibt. Begleitend treten oft Depressionen, Angststörungen und Essstörungen auf, die offiziell behandelt werden können. Leider fehlt es hier immer noch am Bewusstsein für dieses Problem.

Wie erfolgreich ist eine Therapie?

Mazhar:Eine Verhaltenstherapie hat gute Erfolge. Es hängt aber auch davon ab, wie bereit man ist, in seinem Leben etwas wahrhaft zu verändern. Ein erster Schritt wäre auch, bei Internetanbietern wie etwa Amazon anzurufen und sich sperren zu lassen. Anders als bei Alkoholikern gibt es keine Abstinenz. Das Ziel bei Kaufsüchtigen ist deshalb der kontrollierte Konsum. Es ist meist eine längere Therapie nötig, um alternative Freizeitbeschäftigungen und Entspannungstechniken zu erlernen. Ziel ist es, auch in emotionalen Extremsituationen wie Jobverlust oder familiären Problemen stabil zu bleiben.

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