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© Hans Klaus Techt / picture alliance
Karrieren in der SPÖ Wien: Im Dezember 2015 wurde Jürgen Czernohorszky (r.) von Bürgermeister Michael Häupl und der nunmehrigen Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger als Stadtschulratspräsident angelobt.
 
Gesundheitspolitik 20. Jänner 2017

Frauenberger steigt auf

Personalrochade. Sandra Frauenberger wechselt innerhalb des SPÖ-Regierungsteams vom Bildungs- ins Gesundheitsressort. Ihr Nachfolger wird der bisherige Landesschulratspräsident Jürgen Czernohorszky. Frauenberger folgt Wehsely bereits zum zweiten Mal in ihrer Karriere nach.

Die ersten Personalentscheidungen der Wiener SPÖ nach dem Abgang von Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely fielen kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe: Die bisherige Bildungs- und Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger werde die Nachfolge von Wehsely antreten. Das berichteten mehrere Medien übereinstimmend.

An die Stelle Frauenbergers im Bildungs- und Integrationsressort soll dafür der derzeitige Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky treten. Auch für diese Rochade gab es mehrere interne Bestätigungen. Offiziell wollte zum Umbau des roten Regierungsteams vorerst noch niemand Stellung nehmen. Immerhin musste noch der erweiterte Vorstand den Plänen von Bürgermeister und Landesparteichef Michael Häupl zustimmen.

Sandra Frauenberger rückt bereits zum zweiten Mal nach 2007, als sie die Bildungsagenden übernahm, in ein Amt nach, das Wehsely zuvor bekleidet hatte. Ruhig, dienstbeflissen und kaum aktionistisch, so wird die neue Herrin im wohl schwierigsten Ressort beschrieben. Stress hatte sie zuletzt – mit den Kindergärten.

Beruflich begann ihr Engagement 1984 mit den Eintritten in die Länderbank und in die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). Innerhalb der Gewerkschaft stieg sie von der Jugendreferentin zur Frauensekretärin und 1999 schließlich zur Leiterin der Bundesfrauenabteilung auf. Ab 2004 saß sie überdies im Bundesvorstand des ÖGB und im GPA-Bundespräsidium. Im Juni 2006 übernahm sie für ein Jahr auch den Vorstandsvorsitz des Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds (WAFF). Ihre politische Heimat hat Frauenberger in der SPÖ-Margareten. Dort ist sie seit 1997 aktiv, als sie zum Mitglied des Bezirksfrauenkomitees avancierte. Im Wiener Gemeinderat besitzt sie seit 2001 ein Mandat.

Die verheiratete Mutter zweier Söhne wurde am 22. September 1966 in eine Simmeringer Arbeiterfamilie geboren. Erstmals politisch aktiv wurde Frauenberger als 16-Jährige, bei einer Friedensdemo gegen den Kalten Krieg. Entspannung findet Frauenberger eigenen Angaben zufolge beim Radiohören, bei der Lektüre, etwa von Simone de Beauvoir - sowie beim Laufen.

Auf die neue Gesundheitsstadträtin wartet jede Menge Arbeit: Nach dem Bericht des Wiener Stadtrechnungshofs über die langen Wartezeiten auf Strahlentherapie in den Spitälern des Krankenanstaltenverbunds (KAV) hat die Rathaus-Opposition scharfe Kritik an der Stadtregierung geäußert. Aber auch die Wiener Grünen – also der Regierungspartner der SPÖ – forderten den KAV auf, die Zahl der strahlentherapeutischen Geräte zu erhöhen.

„Dass es statt der erforderlichen 13 bis 18 Strahlentherapeutischen Geräte derzeit nur elf bzw. zwölf Geräte gibt, die zur Verfügung stehen, ist für die wartenden Patienten unverständlich“, sagte Birgit Meinhard-Schiebel, Gesundheitssprecherin der Grünen Wien. „Der Krankenanstaltenverbund muss sich dringendst für die Erhöhung der Linearbeschleuniger einsetzen.“

„Es ist ein Skandal, wie Wiener Krebspatienten hier vernachlässigt werden“, sagte der FPÖ-Gemeinderatsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Wiener Gesundheitsausschusses, Günter Koderhold. Das SPÖ-geführte Gesundheitsressort habe es jahrelang verabsäumt, auf die rasch wachsende Stadt und den dadurch rasant steigenden Bedarf an medizinischen Geräten zu reagieren. Koderhold forderte eine nachhaltige Aufstockung der elf Geräte für Strahlentherapie auf „ein internationalen Kriterien entsprechendes Niveau“. Die FPÖ-Gesundheitssprecherin im Nationalrat, Dagmar Belakowitsch-Jenewein, forderte Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) auf, zu überprüfen, inwieweit Therapieverzögerungen auch in den anderen Bundesländern Thema sein könnten. Die Klubobfrau der NEOS, Beate Meinl-Reisinger, sprach von einer „skandalösen“ Unterversorgung.“

Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 4/2017

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