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Mag. Sonja Wehsely, SPÖ
 
Gesundheitspolitik 16. Jänner 2017

Wehsely geht selbst

SPÖ Wien. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely kommt ihrer möglichen Demontage im parteiinternen Machtkampf zuvor und wechselt zu Siemens nach Deutschland.

Der kolportierte große Umbau der Wiener SPÖ-Riege beginnt mit einem Abgang. Sonja Wehsely, Galionsfigur des linken Parteiflügels und der roten Innenstadtbezirke, nimmt mit Monatsende den Hut. Das Ausscheiden aus der Politik nach immerhin zehn Jahren an der Spitze des Gesundheits-Ressorts hat Wehsely seit Monaten geplant. Wehsely wechselt in die Privatwirtschaft. Ab 1. April arbeitet sie für die Siemens Healthcare GmbH in Erlangen. Ihren letzten offiziellen politischen Termin wird sie bei der Gemeinderatssitzung am 26. Jänner wahrnehmen.

Vor einem halben Jahr habe sie beschlossen, sich nicht an den Auseinandersetzungen um die Nachfolge Michael Häupls zu beteiligen. Mitte November vergangenen Jahres sei der Wechsel schließlich konkret geworden. Auch über Fehler zog sie am vergangenen Freitag kurz Bilanz. „Nachher weiß man immer, was man hätte besser machen können“, sagte sie. „Im Bereich der Spitäler hätte man früher beginnen müssen, Dinge zu verändern.“ Ihr sei es darum gegangen, Dinge zu verändern, „Beliebtheitsdellen“ habe sie in Kauf genommen.

Seit Monaten ist Wehsely Zielscheibe der Kritik: Einerseits schoss sich die Opposition wegen des Kostenanstiegs beim Krankenhaus Nord, des angeblichen Kontrollversagens bei islamischen Kindergärten und des finanziellen Mehrbedarfs in Sachen Mindestsicherung auf Wehsely ein. Aber auch parteiintern wurde die Stadträtin kritisiert.

Siemens Healthcare GmbH hat den Neuzugang per Aussendung kommentiert. Wehsely, 47, werde dafür verantwortlich sein, „neue globale Services-Wachstumsfelder zu identifizieren und sie zur Marktreife zu bringen“.

„Nie unter vier Augen“

Das Verhältnis zur Wiener Ärztekammer und zu ihrem Präsidenten galt als angespannt. Zumindest war es nicht übertrieben amikal, worauf Präsident Dr. Thomas Szekeres auch Wert legt. „Ich bin mit niemandem befreundet und mit keinem zerstritten.“ Die Stadträtin habe nicht alles richtig gemacht, aber er habe sie auch nie persönlich angegriffen. Er habe Wehsely nur in der Sache kritisiert, „zu Recht, wie ich glaube“. Er habe sich mit der Stadträtin auch „nie etwas unter vier Augen ausgeschnapst“. „Die Herausforderung bleibt die Bereitstellung eines funktionierenden Gesundheitswesens in einer schnell wachsenden und älter werdenden Stadt.“ Den möglichen Nachfolger Peter Hacker habe er als „sehr pragmatischen Manager“ kennengelernt. Bürgermeister Häupl meinte, er habe „vollstes Verständnis“ für den Rückzug seiner Stadträtin. Als „hart aber fair“ behielt Grünen-Chefin Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou Wehsely in Erinnerung. Wer hatte noch etwas zu sagen? FPÖ-Chef Heinz Christian Strache sah einen „Silberstreif am Horizont“, nunmehr sei der Weg frei für jemanden, „der sein Fach versteht“. ÖVP-Stadtchef Gernot Blümel meinte, Freitag, der 13., sei ab sofort ein Glückstag für Wien. NEOS-Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger dankte Wehsely für ihr „grundsätzliches Bemühen“. Und der Klubobmann des Team Stronach im Parlament, Robert Lugar, nannten den Wechsel zu Siemens „unethisch“ – es gebe ein Naheverhältnis des Unternehmens zu den städtischen Spitälern.

Martin Krenek-Burger, springermedizin.at

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