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© Louai Barakat / Imageslive / picture alliance
Verletzter nach einem Raketenangriff auf Aleppo im August. Damals erreichten auch die bis dato letzten Hilfslieferungen die Stadt.
 
Gesundheitspolitik 12. Dezember 2016

Sie sind auf sich allein gestellt

Ärzte ohne Grenzen. Sie müssen untätig bleiben, weil Jordanien keine syrischen Flüchtlinge mehr über die Grenze lässt. Auch das ist Grausamkeit.

Die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat die jordanische Regierung aufgefordert, die Grenze für Verletzte aus Syrien wieder zu öffnen, damit sie Zugang zu lebensrettender medizinischer Hilfe haben. Eine MSF-Klinik steht heute praktisch leer, nachdem Jordanien die Grenze zu Syrien vor sechs Monaten schloss. MSF habe die Klinik im Flüchtlingslager Zataari im Norden Jordaniens schließen müssen, teilte die Organisation in Genf mit.

Wenn sich Ärzte 2016 uneingeschränktes Lob verdient haben, dann sind dies Mediziner wie Luis Eguiluz, MSF-Einsatzleiter in Jordanien. Sie trotzen einer zynischen Welt, in der selbst der syrische „Minister für nationale Aussöhnung“, Ali Haidar, meint, die Rückeroberung Aleppos sei von großer strategischer Bedeutung. Eguiluz: „Wir haben die Information erhalten, dass die Zahl der Kriegsverletzten seit Ende September gestiegen ist, als die Kämpfe und Bombardierungen auch im Süden Syriens intensiver wurden.“

Und weiter: „Unsere Möglichkeiten, Leben zu retten, sind sehr eingeschränkt, seit die Kriegsverletzten nicht mehr über die Grenze dürfen. Wir können zwar warten, bis die Grenze wieder geöffnet wird – doch die Schwerverletzten haben diese Möglichkeit nicht.“ MSF hatte die 40-Betten-Klinik, in der Patienten postoperativ versorgt werden, im März 2014 eröffnet. Zu jener Zeit war die chirurgische Abteilung im nahegelegenen Spital in Ramtha so überfüllt, dass Behandlungen und Rehabilitation ausgelagert werden mussten. Insgesamt wurden 531 Kriegsverletzte von Ramtha und anderen medizinischen Einrichtungen nach Zaatari überwiesen. „Es ist furchtbar zu wissen, dass nur wenige Kilometer entfernt Patienten sterben, weil sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben“, sagt Marjan Besuijen, MSF-Projektkoordinatorin.

Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 50/52/2016

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