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Gesundheitspolitik 28. Oktober 2016

„Beim Datenaustausch sollte der Patient Herr über seine Daten sein.“

3 Fragen, 3 Antworten

Der Theologe Matthias Beck beschreibt denkbare Folgen von Daten-Missbrauch: Jobverlust, Ablehnung durch die Krankenversicherung, Gen-Screening bei Embryonen. Becks Fazit: So wenig wie möglich preisgeben!

Was kann mit medizinischen Daten im schlimmsten Fall geschehen?

Beck: Alles kann geschehen, jetzt mal unabhängig davon, dass der Datenmissbrauch in Österreich bei der geltenden Rechtslage hoffentlich genügend geschützt ist. Sie können Ihren Arbeitsplatz verlieren, die Versicherung kann Sie ablehnen, in der Pränataldiagnose könnte man verlangen, dass der Embryo genetisch und chromosomal durchuntersucht wird, um dann zu entscheiden, ob die Krankenkassen ihn aufnehmen. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig.

Welche und wie viele gesundheitliche oder medizinische Informationen soll man von sich im Internet preisgeben?

Beck: Möglichst wenig. Man weiß nie, was mit den Daten geschieht. Wir haben oft über die sogenannte „Partizipative Medizin“ diskutiert, wo Menschen zum einen aus dem Internet viele Informationen sammeln können über ihre etwaige Erkrankung, die ihnen aber oft nichts nutzt, weil ein Arzt oder jemand mit Sachverstand die vielen Einzelinformationen zu einem Gesamtbild zusammensetzen können muss. Das ist aber noch nicht das Problem, sondern Menschen haben über das Internet auch an Studien im Ausland teilgenommen und ihre Daten ins Netz gestellt, und niemand wusste, was damit geschieht. Also: Hier ist Zurückhaltung angesagt.

Welche Rolle spielt dabei der behandelnde Arzt?

Beck: Eine sehr wichtige. Der behandelnde Arzt ist der erste Ansprechpartner für den Patienten. Er unterliegt der Schweigepflicht, also darf er keine Daten weitergeben. Entscheidend ist das Vertrauensverhältnis zum Arzt. Im Dialog mit ihm müsste besprochen werden, welche Daten an einen Kollegen womöglich weitergegeben werden, damit nicht unnötige Doppeluntersuchungen stattfinden. Bestimmte Daten sind im Arztbrief aufgelistet. Also im sehr kleinen Kreis, den der Patient mitbestimmen muss, ist Datenaustausch sinnvoll. Je tiefer die Daten aber in die innerste Sphäre des Patienten eingreifen, vor allem bei der Analyse des Genoms, desto strikter muss mit den Daten umgegangen werden. Hier ist die Missbrauchsgefahr am größten.

In Bezug auf Datenschutz-Gesetze: Österreich hat eines der strengsten Gentechnikgesetze in Europa, vielleicht weltweit, das die Weitergabe gerade von genetischen Daten an Arbeitgeber, Versicherungen, Krankenkassen strengstens untersagt.

Philip Klepeisz, Ärzte Woche 44/2016

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