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© Felicitas Matern
Prof. Dr. Gutièrrez-Lobos ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Ihre Bewerbung für den Rektorsposten der MedUni Wien im Vorjahr scheiterte.
 
Gesundheitspolitik 27. Juni 2016

„Politik, Medien und die Bildungsinstitutionen sind gefordert, sich ihrer Verantwortung zu stellen“

3 Fragen, 3 Antworten

Die Protestaktion der Medien gegen Hasspostings und Wut im Web wird von Frauen getragen. Kommentare gegen Frauen sind nicht nur ehrenrührig, sondern oft auch mit der Androhung von Gewalt verbunden. Die Grenzen der Meinungsfreiheit werden dabei überschritten, sagt die Psychiaterin Karin Gutièrrez-Lobos.

Wie viele Frechheiten muss man sich bieten lassen bzw. wie viel Anfeindung muss man als Ärztin ertragen ?

Gutièrrez-Lobos:Über das Thema Hasspostings im Netz ist ja in den vergangenen Tagen viel berichtet worden und es gibt bemerkenswerte Aktionen dagegen. Natürlich gibt es sexistische und diskriminierende Angriffe auch gegen Ärztinnen, man braucht sich ja nur die Postings anschauen, wenn es um einen beruflichen Erfolg oder Gleichbehandlung geht.

Da wird nicht gegeizt mit falschen Behauptungen, Untergriffen und persönlichen Attacken. Kaum jemand recherchiert den Wahrheitsgehalt. Das betrifft natürlich aber auch alle anderen, gegen die sich Hetze richtet.

Was kann man dagegen tun?

Gutièrrez-Lobos:Gesetze gegen derartige Drohungen sind eine Maßnahme, mit der die Gesellschaft zeigt, dass sie derartiges Verhalten nicht toleriert. Mit Meinungsfreiheit haben diese verbalen Über- und Angriffe und Simplifizierungen im Übrigen nichts zu tun. Es ist wichtig, dass sich die Adressatinnen und Adressaten wehren und dabei auch unterstützt werden, dass die Anbieter der Webseiten klare Reglementierungen treffen, Meldestellen eingerichtet werden usw.

Man hört oft: Das sind doch nur Worte, stellt euch nicht so an.

Gutièrrez-Lobos:Unsere Sprache ist ein mächtiges Instrument, wir drücken damit Gefühle, Werte, Meinungen aus und üben über Sprache Macht aus. Hass wird durch Sprache angefacht, verhetzende Sprache stand in der Geschichte meist am Anfang grauenvoller Taten. Es sind daher auch die Politik, die Medien und die Bildungsinstitutionen gefordert, sich ihrer Verantwortung zu stellen.

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