zur Navigation zum Inhalt
© Waltraud Grubitzsch / picture allicane
Medizinische Universität, Medical School, Ausbildung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© MedUni Wien/Matern

Prof. Dr. Markus Müller Rektor der MedUni Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Foto Wilke

Dr. Achim Hopbach GF Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© SFU

Prof. Dr. Dr. h.c. Alfred Pritz Rektor der Sigmund Freud PrivatUniversität

 
Gesundheitspolitik 26. April 2016

Private MedUnis verkaufen den Traum vom Arztberuf

Der Rektor der Wiener MedUni kritisiert eine „zu lockere Handhabung“ bei der Akkreditierung medizinischer Privatunis. Dadurch seien Renommee und Ressourcen der öffentlichen Hochschulen gefährdet.

Die Pläne, in Innsbruck eine Medical School für 100 Studierende für den regionalen, niedergelassenen Bedarf und in Baden eine Eliteuniversität inklusive Campus zu etablieren, bringen die professorale Gelassenheit ins Wanken: Der Rektor der MedUni Wien Prof. Dr. Markus Müller moniert eine drohende Inflation an medizinischen Ausbildungsstandorten in Österreich. Er befürchte nicht nur einen „Substanzverlust“ für die bestehenden öffentlichen Unis, sondern auch eine „Zweiklassenausbildung“ zwischen Akademia und Berufsschulniveau. Ob die Beteiligung der MedUni an der Karl-Landsteiner-Privatuniversität in Krems die Kritik nicht konterkariere? Müller spricht von einem „Grenzfall“, verteidigte das Engagement mit abweichenden Forschungskonzepten, einem englischsprachigen Studienangebot sowie der Möglichkeit, dort eine PhD-Ausbildung nach dem Bologna-System testen zu können.

Der Vorsitzende des Universitätsrats der MedUni Erhard Busek meint, es gäbe genug Medizinstudierende, es fehle ein Konzept des Gesundheitsministeriums, diese auch in genügend großer Zahl versorgungswirksam ins heimische Gesundheitssystem zu bringen. Was hier passiere, habe nichts mit „koordinierter Politik zu tun, das ist purer Provinzialismus“. Er warnt davor, dass die „mit Brüssel schwer ausverhandelten Zugangsbeschränkungen“ ausländischer Studierender nicht verlängert werden: „Viel Vergnügen bei der Verlängerung, wenn wir eine Medizinuni nach der anderen gründen. Dann bilden nicht nur die Oberösterreicher für die Deutschen aus, sondern auch noch die Tiroler.“

Medizinausbildung auf Berufsschulniveau degradiert

„Mit zunehmender Angebotsdichte droht ein personeller und finanzieller Ressourcenabfluss.“

Die Häufung an Neugründungen von Medizinuniversitäten fällt auf. Rechnet man die geplanten Projekte in Baden und Innsbruck ein, sind es zehn Anbieter von Medizinstudien, was zumindest ungewöhnlich ist und ein weiterer Sonderweg, den Österreich beschreitet. Offensichtlich wird versucht, ein Strukturproblem im Gesundheitswesen auszunutzen, um damit Geschäfte und regionale Politik zu betreiben. Bei einer derart massiven Steigerung der Angebotsdichte droht auch den öffentlichen Universitäten ein Ressourcenabfluss, sowohl in personeller als auch in finanzieller Hinsicht. Zwar gibt es ein Verbot, öffentliche Gelder des Bundes in Privatuniversitäten zu investieren, zumindest indirekt – etwa über Landesgelder, mit denen Studiengebühren übernommen werden – geschieht dies aber trotzdem. Zudem versuchen einige Privatuniversitäten, offensiv auf vorbestehende intellektuelle Ressourcen zuzugreifen.

Größer noch ist aber meine Sorge, dass es durch qualitativ sehr unterschiedliche Angebote zu einer Zweiklassenausbildung kommt: hier der „Dr. med“ mit internationalem Weitblick und der Betonung einer akademischen Haltung an Forschungsunis; dort der „Dr. med light“ mit einer sehr lokalen Positionierung und einem primär auf handwerkliche Qualifikation abzielenden Ausbildungskonzept. Die Medizinausbildung wird dabei bewusst entakademisiert und auf Berufsschulniveau degradiert. Das führt auf lange Sicht zu einem Reputationsverlust des wissenschaftlichen Standortes. Unsere Position gegenüber dieser Form der Medizinerausbildung und „offshore medical schools“ wird auch von renommierten Universitäten und internationalen Gremien, zum Beispiel dem Deutschen Medizinischen Fakultätentag, geteilt.

Ich erwarte deshalb verschärfte Zugangsbedingungen. Die von der AQ Austria gelegte Latte für eine Akkreditierung ist zu niedrig, um international salonfähig zu bleiben und folgt rein formalistischen Kriterien, bei kompletter Vernachlässigung von Forschung.

Vorwürfe an AQ Austria abwegig

„Die wissenschaftlichen Gutachter beurteilen qualitativ, nicht nur nach formalen Kriterien.“

Die Akkreditierung einer Privatuniversität in Österreich erfolgt durch die AQ Austria in einem unabhängigen, international anerkannten Verfahren. Die Anforderungen an die Gründung einer Privatuniversität sind hoch. Wie öffentliche Universitäten müssen auch sie die Freiheit in Forschung und Lehre sicherstellen, Forschung und Lehre auf internationalem Niveau durchführen und hierfür die entsprechenden Rahmenbedingungen vorweisen. Ob diese Kriterien erfüllt sind, überprüfen internationale Gutachter und das ebenfalls international zusammengesetzte Board der AQ Austria trifft dann seine Entscheidung.

Die aktuelle Kritik an den Verfahren der AQ Austria bleibt in ihrer Pauschalität vage. Ein Blick in die Verfahrensregeln und auf die bisherigen Entscheidungen zeigt, dass der Vorwurf, die AQ Austria könne Privatuniversitäten zulassen, an denen nicht geforscht würde, abwegig ist. Dies gilt auch für die Kritik, es handle sich lediglich um formale Kriterien. Das Gegenteil ist der Fall. Die wissenschaftlichen Gutachter beurteilen qualitativ, zum Beispiel indem überprüft wird, ob für das konkrete Vorhaben genügend und hierfür qualifiziertes Personal vorhanden ist. Und das wird nicht schematisch gemacht. Die AQ Austria fördert auch keine bestimmten Geschäftsmodelle, wie in der Diskussion vermutet wird. Relevant ist lediglich, ob die Finanzierung der Privatuniversität sichergestellt ist.

Im Übrigen hat der Gesetzgeber der AQ Austria nicht die Aufgabe übertragen zu entscheiden, wie viel private Konkurrenz oder in welchem Bereich es sie geben soll.

Als die MedUni Wien die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften mitgründete, stellte sich der AQ Austria nicht die Frage, ob es eine weitere medizinische Privatuniversität in Österreich geben soll oder ob sich eine öffentliche Universität daran beteiligen soll. Sie stellt sich auch nicht, wenn sich, wie den Medien zu entnehmen ist, die MedUni Innsbruck an der Gründung einer privaten Medizinuniversität in Tirol beteiligt. Es geht nur um die Frage, ob sie internationalen Standards entspricht.

Rigorose Qualitätssicherung an Privatuniversitäten

„Viele Mitarbeiter der MUW haben bei uns angefragt, ob ein Stellenwechsel möglich wäre.“

Ich kann mich hier natürlich nur für die SFU äußern, im Wesentlichen treffen die Fakten auch auf die anderen Privatuniversitäten zu: Die Privatuniversitäten unterscheiden sich von den staatlichen Universitäten neben inhaltlichen Aspekten – nur mit modernen Curricula und Lehrmethoden hat man eine Überlebenschance – vor allem auch durch ein rigoroses Qualitätssicherungsverfahren. Jeder Studiengang wird von einer – ausschließlich internationalen – Jury auf Herz und Nieren geprüft, bevor er von der AQ Austria zugelassen wird. So wurden auch die medizinischen Studiengänge an der SFU einem solchen Verfahren unterzogen und im Sommer 2015 akkreditiert. Damit aber noch nicht genug: Alle fünf bis zehn Jahre muss sich die gesamte Privatuniversität mit allen Fakultäten einer generellen Reakkreditierung durch internationale Gutachter unterziehen. Man kann also sagen, die Privatuniversitäten sind die staatlich am stärksten qualitätsgesicherten Universitäten in Österreich. Diese Qualitätssicherung gilt nicht nur für die Lehre – Studierende legen Prüfungen ab, evaluieren aber auch die Lehrenden –, sondern in ebensolchem Maße für die Forschung, zu der die Privatuniversitäten ebenso verpflichtet sind wie die staatlichen Universitäten. Im Fall der SFU bedeutet dies, dass 25 Prozent des jährlichen Umsatzes für Forschung ausgegeben wird.

Die Kritik betreffend, die SFU würde Professoren von der MUW (MedUni Wien) abwerben: Es verhält sich umgekehrt, viele Mitarbeiter der MUW haben bei uns angefragt, ob eine Mitarbeit oder ein Stellenwechsel möglich wäre. Mittlerweile haben wir fast alle professoralen Positionen mit Professoren, die nicht von der MUW kommen, besetzt.

Im internationalen Konzert der Forscher ist es natürlich notwendig, dass auf lokaler Ebene kooperiert wird, beispielsweise wenn es um die gemeinsame Auslastung von sündteuren Maschinen geht, aber auch bei konkreten Forschungsprojekten. Mittlerweile gibt es bereits einen regen Austausch von Professoren der SFU mit Professoren der MUW. Dies ist sehr erfreulich.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 17/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben